Die Autogramme der Kämpfer

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Gerne würde Manfred Kobler seine Autogramme öfter ausstellen, zuletzt waren sie in Mühldorf im Jahr 1993 zu sehen. Immerhin gibt es morgen im Spatenzelt einen kleinen Ausschnitt seiner Sammlung zu bewundern - mit kurzen Texten und Hintergrundinformationen zur Boxgeschichte.

Mühldorf - Wer kann von sich behaupten, Autogramme von Muhammad Ali bis Ray Robinson zu besitzen? Manfred Kobler kann.

Von Muhammad Ali bis Sugar Ray Robinson: Am Rande des Boxkampfs am morgigen Sonntag im Spatenzelt zeigt Manfred Kobler einen kleinen Teil seiner Autogramm-Sammlung ehemaliger Boxweltmeister.

Schon als Bub hat Manfred Kobler Autogramme gesammelt, mit 17 ergatterte er sogar eine Unterschrift von Elvis Presley. "Sieben Mark hatte ich in der Tasche, als ich 1959 zu einer Autogrammstunde nach Bad Nauheim getrampt bin", erinnert sich der 69-Jährige. Die Leidenschaft für das Hobby ist geblieben, auch wenn sie erst 1975 wieder so richtig erwacht ist. "Aus einer Laune heraus habe ich damals US-Präsident Gerald Ford zum Geburtstag gratuliert und um ein Autogramm gebeten. Seine Antwort war der Anfang der richtigen Sammelei."

In den 35 Jahren sind seitdem über 10000 Unterschriften zusammengekommen, fein säuberlich sortiert in weit über 100 DinA 4 Ordnern in Koblers Arbeitszimmer: Deutsche und amerikanische Schauspieler sind dabei, Politiker aus aller Welt, bayerische sowieso, Astronauten - und eben Boxer. "Weil das Boxen mein Lieblingssport ist", sagt Kobler - und beginnt zu blättern.

Ganz vorne, der große Muhammad Ali. Und wie zu jedem Autogramm hat Kobler auch zu diesem eine Geschichte parat. "Das hat mir Wim Thoelke besorgt, als ich 1976 beim 'Großen Preis' zu Gast war." Koblers Thema: Die Schwergewichts-Weltmeister im Boxen. "Mein Experte war Bubi Scholz." Noch heute ärgert sich der Mühldorfer, dass er im entscheidenden Moment nicht die richtige Antwort parat hatte. Und trotzdem hat sich der Fernsehauftritt mehr als gelohnt. "Der Aufnahmeleiter hat mir noch Jahre später immer wieder Autogramme der Promis geschickt." Und Thoelke hatte eben zufällig als Moderator des Aktuellen Sportstudios noch ein Ali-Autogramm zu Hause.

Kobler blättert weiter: "Da ist er ja". Marvin "Marvelous" Hagler. "Einer der besten Mittelgewichtler, die es je gab. Und Charakter hat der auch: Der hat sofort auf meinen Brief geantwortet."

Weiter hinten: Max Schmeling, Floyd Patterson, die Klitschkos, Lennox Lewis. "Und hier", strahlt Manfred Kobler. "To Manfred with best wishes from Mike Tyson." Ein paar Seiten später eine echte Rarität: Ein Autogramm von Gene Tunney, Schwergewichtsweltmeister von 1926 bis 1928 und erster wahrer Techniker im Ring.

"Und hier ist der erste Boxer, den ich in meiner Sammlung hatte", deutet Kobler auf ein Bild von Gene Fullmer. Zwischendrin: George Foreman. "Der hat mir damals sogar eine Ansichtskarte aus Texas mitgeschickt. Das würde er heute sicher nicht mehr machen."

Denn aus dem Zeitvertreib ist für viele Sammler längst ein lukratives Geschäft geworden. "Früher war das schön", erzählt Kobler. "Wenn du zehn Promis angeschrieben hast, haben acht geantwortet. Heute musst du schon froh sein, wenn zwei oder drei zurückschreiben." Und wenn die Unterschrift original ist. "Viele Autogrammkarten sind inzwischen gedruckt."

Als ehemaliger Schriftsetzer, der sein Handwerk einst im Verlagshaus Geiger am Mühldorfer Stadtplatz gelernt hat, hat Kobler natürlich ein Auge für Faksimiles oder Kopien. "Na ja, und dann sind natürlich jede Menge Fälschungen unterwegs."

Der Grund: Auf Autogrammbörsen werden je nach Popularität und Häufigkeit hunderte Euro bezahlt. "Meine Töchter raten mir immer, die Sammlung zu verkaufen. Damit ich mir noch einen großen Traum erfüllen kann", erzählt Manfred Kobler. Schließlich will er noch einmal nach Amerika, den Grand Canyon sehen. "Aber dafür auch nur eine Autogrammkarte verkaufen, das würde mir das Herz rausreißen."

ha/Mühldorfer Anzeiger

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