Bahnausbau verschiebt sich weiter

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Das Nadelöhr: Laut den überarbeiteten Planungen der Bahn wird die Töginger Unterführung während der Bauarbeiten einspurig zu befahren sein. Lediglich an Wochenenden kann es zu Vollsperrungen kommen.

Mühldorf - Die Anwohner warten gespannt auf die Auslegung der Pläne, die sich aber weiter verschiebt. Das wurde bei der Vorstellung des zweigleisigen Bahnausbaus im Mühldorfer Stadtrat deutlich.

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Am Ende wies Bürgermeister Günther Knoblauch auf die stetig nach hinten verschobene Terminplanung hin. Bei der ersten Informationsveranstaltung im Mai sprach der Vertreter der Bahn Jens Friemel vom Sommer als Zeitpunkt zur Auslegung der Pläne, später hieß es Januar 2012. Vor dem Stadtrat sagte Friemel am Donnerstagabend: „Wir gehen von einer Auslegung im ersten Quartal aus.“ Wenig vorweihnachtlich gestimmt schickte Bürgermeister Knoblauch einen Gruß Richtung Verkehrsministerium und Bahnzentrale: „Mit scheint bei der Bahn die Haltung vorzuherrschen: Wenn die Planung länger dauert, muss man erst später zahlen.“

Trotz der stetigen Verzögerungen, die Friemel mit einem zusätzlichen Gutachten über die Lärmbelastung während der Bauphase begründete, hielt der Bahnvertreter an der Fertigstellung der Strecke bis Ende 2016 fest; die Bauarbeiten sollen bis 2018 abgeschlossen sein. Der frühere Termin 2015 ist damit allerdings endgültig vom Tisch.

Auch die Anwohner warten gespannt auf die Auslegung der Pläne, das wurde am Rande der gut besuchten Sitzung deutlich. Aus dem Leitenfeld, dem Burgfried und dem Viertel südlich der Töginger Straße waren Anwohner da. Einige haben bereits Gespräche mit der Bahn geführt – Friemel bezifferte ihre Zahl auf 24 – andere wollen die fertigen Pläne abwarten, bevor sie sich im offiziellen Planfeststellungsverfahren äußern.

Im Focus steht der prophezeite massive Anstieg der Fahrten auf der Strecke. Sind heute täglich 106 Züge unterwegs sollen es 2025 206 sein, 54 davon nachts. Diese Zahl wird laut Friemel allerdings nur erreicht, wenn die Bahnstrecke zwischen München und Freilassing komplett zweispurig ausgebaut ist. Schon bei der öffentlichen Informationsveranstaltung äußerten sich Anwohner über Lärm und stärkere Erschütterungen, wenn Züge wie geplant mit bis zu Tempo 160 unterwegs sind. Die Bahn sieht laut Friemel derzeit vor, nördlich und südlich eine bis zu 3,50 Meter hohe Aluminium-Schutzwand zu errichten, die auf der Innenseite mit stark schallschluckendem Material verkleidet wird.

Franz Essl (FM) forderte die Bahn auf, ein neuartiges Dämmverfahren anzuwenden, bei dem die Schienen auf "Strailastic", einer Art Gummi laufen, das von der Firma Kraiburg in Tittmoning entwickelt wurde. "Es ist ein nachweislich gutes System", sagte Essl, die Wand aus Aluminium sei dagegen die billigste Lösung. Bahnvertreter Friemel erklärte, dass die Gummiunterlage noch in der Erprobungsphase sei. Auch Oskar Rau (Grüne) mahnte optimalen Lärmschutz an, vor allem alte Güterwaggons beeinträchtigen nach seinen Angaben die Anwohner. Bürgermeister Knoblauch wies darauf hin, dass der Verkehr auf der Strecke zunehmen werde auch ohne zweigleisigen Ausbau. "Dann aber ohne Lärmschutz."

Bei den nächsten Schritten des Verfahrens wird es auch offiziell um diese Fragen gehen. Zunächst werden die fertigen Pläne öffentlich ausgelegt, sodass sie jeder einsehen kann. Wer vom Bahnausbau betroffen ist, kann Einwände vorbringen, die unter Umständen bei einem Anhörungsverfahren diskutiert werden. Die Bahn arbeitet Änderungen möglicherweise ein, bevor das Eisenbahnbundesamt einen Planfeststellungsbeschluss erlässt. Sollte es gegen diesen Planfeststellungbeschluss keine Klagen geben, herrscht Baurecht.

Verkehrsminister Peter Ramsauer hat mehrfach zugesagt, dass die für den Bau benötigten 127 Millionen Euro dann zur Verfügung stehen werden. Eine Finanzierungsvereinbarung zwischen Geldgeber Bund und Bauherr Bahn steht allerdings noch aus und soll laut Ramsauer erst unterschrieben werden, wenn Baurecht herrscht. hon

hon / Mühldorfer Anzeiger

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