Atomkraft behindert Ökostrom

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Heide Schmidt-Schuh zeigt auf einer Karte die Evakuierungsgebiete im Falle eines Unfalls in süddeutschen Atomkraftwerken bei Westwind.

Mühldorf - "Wer alternative Energien fördern will, muss den Ausstieg aus der Atomkraft fortsetzen", so Heide Schmidt-Schuh, Energieexpertin beim Bund Naturschutz.

Die Diplomingenieurin erläuterte in ihrem Vortrag im Mühldorfer Turmbräugarten, wie wenig Interesse die Energieversorgungsunternehmen am Ausbau regenerativer Energien haben können, wenn sie weiterhin Atomkraftwerke betreiben dürfen. Denn wenn ein großer Teil des Stroms durch Wind und Sonne erzeugt wird, muss die Einspeisung des Stroms ins Netz sehr flexibel sein - "und das geht mit Atomkraftwerken nicht, da man sie nicht mal eben abschalten kann", so Schmidt-Schuh weiter.

"Ein massiver Ausbau der Ökostromquellen ist jedoch zur Eindämmung der Klimakatastrophe unbedingt erforderlich", so die Referentin. Die weltweit rund 450 Atomkraftwerke decken nur 2,9 Prozent des weltweiten Energiebedarfs. Um beim Klimawandel von Bedeutung zu sein, müsste die Zahl der Kernkraftwerke in kurzer Zeit vervielfacht werden, was weder technisch möglich noch politisch durchsetzbar ist.

Denn auch Atomkraftbefürworter unter den Politikern werden schnell bekehrt, sobald ein AKW vor ihrer Haustür gebaut werden soll, insbesondere seit in einer offiziellen Studie eine erhöhte Krebsrate bei Kindern im Umfeld der Atomkraftwerke belegt werden konnte.

Schon die Frage der Endlagerung des Atommülls führt zum Streit unter den Atomkraftbefürwortern, wie man regelmäßig der Presse entnehmen kann. Wie Schmidt-Schuh betonte, gibt es bis jetzt in der ganzen Welt kein Endlager, in dem auf viele Jahrtausende eine sichere Verwahrung der hochgiftigen, strahlenden Abfälle garantiert werden kann.

"Bei einer Verlängerung der Laufzeiten der deutschen Atomkraftwerke um zehn Jahre würde der Atommüllberg um die Hälfte wachsen, bei einer Verlängerung um 20 Jahre würde er gar nahezu verdoppelt", so Schmidt-Schuh. Sie wies zugleich darauf hin, dass es auch in Bayern potenzielle Standorte für Atommüll-Endlager gäbe: Tongesteine in der Schwäbischen Alb, Granit im Fichtelgebirge sowie im Oberpfälzer und im Bayerischen Wald. Bei einer ergebnisoffenen Suche nach einem Standort für ein Endlager wird auch Bayern in den Fokus des Interesses kommen.

Zum Schluss ging die Referentin auf das Energiekonzept des Bund Naturschutz ein: Bereits seit längerer Zeit ist Deutschland Stromexporteur. Auch wenn es beim Atomausstieg bleibt, wird es keine Stromlücke geben, was auch eine Studie des Bundeswirtschaftsministeriums vom August 2008 besagt. Durch konsequente Fortführung und Förderung von Energiesparmaßnahmen, effiziente Energienutzung sowie durch einen verstärkten Ausbau der regenerativen Energien kann Deutschland Vorreiter im Klimaschutz werden und dennoch auf Atomkraft verzichten. Das Ziel einer vollständigen Versorgung mit regenerativer Energie ist in absehbarer Zeit erreichbar, sofern die politischen Weichen entsprechend gestellt werden.

Zum Abschluss der Veranstaltung plädierte nach lebhafter Diskussion Jens Friemel, der Vorsitzende der Mühldorfer Ortsgruppe des Bund Naturschutz, dafür, sich gerade jetzt im Wahlkampf bei Politikern aller Parteien für die Fortsetzung des Atomausstiegs stark zu machen und wies auf die Internetbefragung des Bund Naturschutz der Direktkandidatinnen und Kandidaten hin: http://www.bund-naturschutz.de/kandidatencheck.html.

re/Mühldorfer Anzeiger

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