Kinderporno-Besitz: Arrest für 20-Jährigen

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Mühldorf - Wegen des Besitzes von Kinderpornografie muss sich ein 20-jähriger vor dem Schöffengericht verantworten. Bilder und Filme habe der Angeklagte aber nie aus dem Internet geladen.

Als „Perversionen übelster Art“ bezeichnete der Richter das, was auf der externen Festplatte eines 20-jährigen Mannes sichergestellt wurde. Dort fanden sich Bilder und Videos mit kinderpronografischem Inhalts. Wegen des Besitzes hat das Jugendschöffengericht den Mann zu einem zwei Wochenende Freizeitarrest und einer Geldstrafe von 2500 Euro verurteilt.

Die Bilder und Videos mit kinderpornografischen Inhalten will der 20-Jährige nicht aus dem Internet runtergeladen haben. Beim Kauf einer Festplatte vor mehr als zwei Jahren auf einem Flohmarkt seien die Daten bereits auf der Festplatte gespeichert gewesen, behauptete er vor Richter Heinrich Ott und den Schöffen. Gelöscht habe er diese Dateien allerdings nicht, vielmehr habe er sie auf den Computer verschoben, sortiert und wieder auf der Festplatte gespeichert. Er habe nicht gewusst, dass der Besitz strafbar ist.

Mit diesem nachträglichen Verschieben, Sortieren und Speichern erklärte der Angeklagte, warum die Erstellungsdaten der Dateien nach dem angeblichen Kauftermin lagen – und brachte das Gericht damit in Schwierigkeiten; denn das Gericht konnte nicht beweisen, welche Dateien sich der 20-Jährige tatsächlich im Internet beschafft hat.

Für den Vorsitzenden Richter Heinrich Ott klang die Erklärung des Angeklagten jedenfalls icht plausibel, er zweifelte seine Version an. Auch der Zeuge - ein Kriminalbeamter - hielt die nachträgliche Erstellung von Dateidaten zunächst nicht für möglich. Und als ob er sich ertappt fühlte, gab der Angeklagte schließlich zu, Dateien über eine Tauschbörse aus dem Internet runtergeladen zu haben. Doch welche Dateien das waren, daran konnte er sich nicht mehr erinnern. Auch die Erstellungsdaten, die sich mit dem Verschieben der Dateien ändern, konnten keinen Aufschluss darüber geben, welche Dateien bereits auf der Festplatte gespeichert waren und welche er zusätzlich aus dem Internet runtergeladen hatte. So konnte ihm die Staatsanwaltschaft nur den Besitz nicht aber die Beschaffung nachweisen. Für Richter Ott drängte sich im Laufe des Verfahrens immer wieder auf: "Was ist das Reizvolle daran?" und "Warum behält man solchen Dreck?" Darauf hatte der Angeklagte keine Antwort, schüttelte nur den Kopf und bedauerte immer wieder sein Handeln.

Für die Staatsanwältin hatte das Geständnis des Angeklagten kein Gewicht. Die Vielzahl der Kinderpornos sprächen nicht für den Angeklagten. Aufgrund Reifeverzögerung plädierte sie nach dem Jugendstrafrecht für einen vierwöchigen Dauerarrest und eine Geldstrafe von 1500 Euro.

Durchaus zu berücksichtigen seien Geständnis und die Reue des Angeklagten, sagte der Verteidiger. Immerhin habe sein Mandant schon vor der Auswertung der Festplatte gegenüber der Polizei den Besitz der Kinderpornos eingeräumt. Eine Geld- und Arbeitsauflage hielt er für angemessen.

Einen "Warnschuss" feuerte das Jugendschöffengericht ab: zwei Wochenenden Arrest dazu eine Geldstrafe in Höhe von 2500 Euro. "Das ist viel, aber es soll weh tun. Schließlich soll es Sie daran erinnern", sagte Vorsitzender Richter Heinrich Ott. Als Nutzer trage der Angeklagte schlussendlich dazu bei, "dass solche Schweinereien hergestellt werden.

hi/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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