Apotheke, kein Ramschladen

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Mühldorf - Mit der "Doc Morris"- Apotheke am Stadtplatz gibt es einen neuen, umstrittenen Apothekentyp in der Stadt. Jetzt  wurde sie eröffnet.

Doc Morris ist eine Versandapotheke aus Holland, die vor allem an Kunden in Deutschland liefert.

Versuche, eine Apothekenkette in Deutschland aufzubauen, scheiterten bislang am Fremdbesitzverbot. Inzwischen gibt es aber klassische Apotheken, die unter dem Namen von Doc Morris firmieren.

So auch das neue Geschäft am Stadtplatz, das dem Mühldorfer Apotheker Anton Locker gehört und damit eine inhabergeführte Filiale seiner Apotheken ist. Über ein Franchise-System ist sie mit "Doc Morris" verbunden sei und kann Werbemaßnahmen und die Einkaufsgemeinschaft nutzen. Darüber hinaus, betont Locker, "ist die neue Apotheke kein Ramschladen oder ein Supermarkt ähnliches Gebilde, sondern eine ganz normale Apotheke."

Stehen seit gestern für eine neue Apothekenmarke: Leiterin Monika Möller, Marion Bader, Sarah Penn und Inhaber Anton Locker (von rechts). Fotos hon

Mit der "Doc Morris" eröffnet Locker nach der Antoniusapotheke und der im Ärztehaus sein drittes Geschäft. Für Kunden ändern sich die Preise verschreibungspflichtiger Medikamente auch bei Doc-Morris nicht, die Rezeptgebühren bleiben gleich. Frei verkäufliche Arzeneien will Locker dagegen billiger anbieten. "Wir wollen damit Kunden gewinnen, die sonst in den Versandhandel per Internet gehen." Drei neue Arbeitplätze entstehen laut Locker, die leitende Apothekerin kommt aus seinem derzeitigen Stamm von 20 Mitarbeitern.

Mit der "Doc Morris"-Apotheke findet der Umbau der Mühldorfer Apothekenlandschaft ein vorläufiges Ende. Neue Apotheken entstanden in den beiden Ärztehäusern, Traditionsgeschäfte wie die Rosen- oder die Engelapotheke am Stadtplatz wurden geschlossen. Zusammen mit alteingesessenen Häusern wie der Bahnhofsapotheke oder der Inn-Apotheke im Oderpark gibt es jetzt acht Apotheken, die fünf Eigentümern gehören.

Dabei sind sich Mühldorfs Apotheker weitgehend einig, dass die derzeitige Quote von einer Apotheke je 2000 Einwohner auf jeden Fall ausreicht. "Im Vergleich zum übrigen Bayern mit durchschnittlich 3400 Einwohnern pro Apotheke ist das eine sehr gute Versorgung", urteilt Thomas Leitermann, der mit der Inn- und der Luitpoldapotheke zwei Apotheken in Mühldorf besitzt, dazu kommt eine in Tüßling. Hans-Ulrich Spagl von der Bahnhofapotheke glaubt, dass die Grenze erreicht ist: "Jede weitere Apotheke ist ein großes Risiko."

Grundsätzlich müssen Apotheken in Deutschland von einem Apotheker geführt werden; maximal vier Filialen in zwei Landkreisen sind pro Inhaber zulässig. Dieses Recht hat der Europäische Gerichtshof im Mai 2009 bekräftigt und die Entscheidung über Zulassungsbedingungen in die Hände der einzlenen Staaten gelegt. Wie lange es bei dieser Regelung bleibt, darüber urteilen Mühldorfs Apotheker unterschiedlich.

Doc-Morris-Inhaber Locker kann sich eine Gesetzesänderung durchaus vorstellen: "Die derzeitige Einschätzung kann sich ändern." Deshalb nennt er die Eröffnung der Filiale am Stadtplatz eine strategische Entscheidung, durch seine Kooperation mit "Doc Morris" sieht er sich gerüstet, sollte das Apothekenrecht gelockert werden. Das Unternehmen hat Locker vertraglich Gebietsschutz zugesagt.

Die übrigen Mühldorfer Apotheker äußern sich sehr zurückhaltend über die neue Apotheke, verweisen auf die Niederlassungsfreiheit, einige kritisieren als mögliche Folge des Konzepts preiswerter Medikamente, dass mehr Arzneien verbraucht werden. Spagl hält es grundsätzlich für "fragwürdig, wenn große Konzerne hinter dem Gesundheitsschutz stehen, weil zu stark wirtschaftliche Gesichtspunkte hineinspielen."

Für Anton Locker bringt die Zusammenarbeit mit dem Konzern dagegen Vorteile für die Kunden, die in preiswerten Produkten und gleichzeitig umfangreichen Informationen bestehen. Die Leitung der Apotheke durch einen Apotheker und gut geschulte Mitarbeiter verhindern nach seiner Aussage Arzneienmehrgebrauch.

Auffallend: Der grüne Schriftzug am Rambold-Haus.

Die Doc Morris-Apotheke ist nach dem Umzug der Arztpraxis Sobotka der zweite Mieter im Rambold-Haus am Stadtplatz. Max Reichert lässt das denkmalgeschützte Haus derzeit aufwendig sanieren, dort soll auch seine Kanzlei Conisila einziehen. Was in den hinteren Gebäudeteil, dem ebenerdigen Gewölbe der alten Fischhalle, einziehen wird, ist laut Architekt Klaus Seidel noch offen. Ob die Sanierung, wie ursrpünglich geplant tatsächlich im Dezember abgeschlossen sein wird, sei nicht sicher. Architekt Seidel spricht von "Überraschungen", die - für die Sanierung eines historischen Gebäudes typisch - zu Verzögerungen geführt hätten. Mit der neuen Fassade und dem wiederverlegten historischen Pflaster vor der Apotheke sind die Arbeiten außen am Haus jedoch schon weit gediehen.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © am

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