Transportbedingungen von Puten zu Ampfinger Schlachthof

Ein Jahr nach Tierschutz-Skandal: Was hat sich getan?

Im Oktober 2019 wurde nach den Veröffentlichungen des Vereins „Soko Tierschutz“ im August 2019 in Ampfing gegen die  Transportbedingungen von Puten für den dortigen Schlachthof protestiert (links). Die Aufnahme des Vereins „Soko Tierschutz“ aus dem August 2019 (rechts) soll, nach dessen Angaben, zeigen wie ein Arbeiter in Ungarn einen Truthahn in einen Tiertransporter befördert, der die Tiere zur Schlachtung ins 550 Kilometer entfernte Ampfing bringt.
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Im Oktober 2019 wurde nach den Veröffentlichungen des Vereins "Soko Tierschutz" im August 2019 in Ampfing gegen die Transportbedingungen von Puten für den dortigen Schlachthof protestiert (links). Die Aufnahme des Vereins „Soko Tierschutz“ aus dem August 2019 (rechts) soll, nach dessen Angaben, zeigen wie ein Arbeiter in Ungarn einen Truthahn in einen Tiertransporter befördert, der die Tiere zur Schlachtung ins 550 Kilometer entfernte Ampfing bringt.

Ampfing - Im August 2019 sorgten Vorwürfe von Tierschützern gegen die Transportbedingungen von im Ampfinger Putenschlachthof verarbeiteten Tieren bundesweit für Schlagzeilen. Wir haben ein Jahr danach nachgefragt, was sich getan hat.

„Nach unseren Erkenntnissen waren die Ankündigungen, die Zusammenarbeit mit der Massentierhaltung in Ungarn zu beenden, ein reiner Bluff“, so ein Sprecher des Vereins „Soko Tierschutz“ gegenüber innsalzach24.de. Dies sei eine übliche Vorgehensweise des Unternehmens. Die Zusammenarbeit sei nicht wirklich ausgesetzt worden, sondern es sei abgewartet worden, bis die nächsten Truthähne fünf Monate später schlachtreif waren und diese dann abgeholt worden. Es habe also wieder Transporte unter fragwürdigen Bedingungen gegeben.


Verein „Soko Tierschutz“ erneuert Vorwürfe gegen Ampfinger Putenschlachthof

„Am 20. Dezember, genau fünf Monate später rollten die Transporter wieder nach Sarvaskend in Ungarn. Auf solchen Winter-Transporten ist es oft der Fall, dass Tiere in den Transportern erfrieren“, so der Sprecher weiter. Dies sei aus Sicht des Vereins eine Unverschämtheit und zeige, dass der Firma die Tiere, aber auch die öffentliche Kritik völlig egal seien.


Behörden: Keine Auffälligkeiten bei Kontrollen - Unternehmen äußert sich nicht

„Seit dem 29. Juli 2019 haben bei der Süddeutschen Truthahn AG sechs Kontrollen durch uns stattgefunden. Dabei wurden in fünf Fällen Tierschutzkontrollen durchgeführt. Die letzte Kontrolle fand am 30. Juni 2020 statt“, teilt die Bayerische Kontrollbehörde für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen auf Nachfrage von innsalzach24.de mit. „Bei den genannten Kontrollen konnten keine Auffälligkeiten festgestellt werden, die auf Unregelmäßigkeiten beim Transport schließen lassen könnten. Insbesondere wurden keine auffälligen Befunde an den Tieren festgestellt.“

Der Putenschlachthof in Ampfing.

„Wir führen regelmäßig Kontrollen vor der Schlachtung sowie stichprobenartige Detailkontrollen bei der Anlieferung durch“, teilt wiederum das Landratsamt Mühldorf am Inn mit. „Hier konnten seit letztem Jahr keine Auffälligkeiten festgestellt werden."

Die bell food group, der Schweizer Mutterkonzern der Süddeutsche Truthahn AG beziehungsweise des Putenschlachthofs Ampfing wurde von uns ebenfalls um eine Stellungnahme gebeten. Wir werden diese veröffentlichen, sobald wir sie erhalten.

Im August 2019 hatte der Verein "Soko Tierschutz" mit heftigen Tierquälerei-Vorwürfe gegen die Transportbedingungen der im Ampfinger Schlachthof der Süddeutsche Truthahn AG verarbeiteten Puten bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Tiere müssten einen qualvollen Transport von einem Zuchtbetrieb in Ungarn aus erdulden und das Fleisch würde dann durch eine Gesetzeslücke als aus Bayern deklariert, so die „Soko“.

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger äußerte sich - Protestaktion im Oktober

Das Unternehmen erklärte in der Folge, dass 90 Prozent seines Putenfleischs aus Deutschland stammen würde. Der Betrieb in Ostungarn werde bis zur Klärung der Vorwürfe keine Puten mehr nach Ampfing liefern. Es hätten sich jedoch aus den Transport- und Veterinärprotokollen keine Hinweise auf mögliche Tierschutzvergehen ergeben.

Mahnwache gegen die Putenindustrie am 4. Oktober vor dem Putenschlachthof der Süddeutsche Truthahn AG in Ampfing im Landkreis Mühldorf am Inn.

Der Fall sorgte bundesweit für Aufsehen. In der Folge kam es im Oktober zu einer Protestaktion vor dem Schlachthof. Vier Aktivisten trotzten dem regnerischen, windigen und kalten Herbstwetter und hielten eisern von 19 bis 3 Uhr morgens durch, um auf die Missstände in der Massentierhaltung und -schlachtung hinzuweisen.

Auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger äußerte sich. „Produktion und Schlachtstätten müssten wieder nahe beieinander liegen, um unsinnig weite Lebendtransporte zu stoppen", so der Minister. „Zur Wahrheit gehört aber auch: Wer Unterschriften sammelt gegen einen Putenstall mit 10.000 Tieren in Bayern, bekommt sein Fleisch dann eben aus einem Betrieb mit 100.000 Puten aus Osteuropa.“

hs

 

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