In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag

Mahnwache gegen Putenindustrie in Ampfing

  • schließen

Ampfing - In der Nacht von Mittwoch (2. Oktober)  auf Donnerstag (3. Oktober) fand beim Ampfinger Putenschlachthof eine Mahnwache statt. Dazu aufgerufen hatten die Vereine „Tierversuchsgegner München“ und „Ein Licht der Hoffnung“ ebenfalls aus München sowie „Tierrechte Aktiv“ aus Regensburg.

Vier Aktivisten trotzten dem regnerischen, windigen und kalten Herbstwetter und hielten eisern von 19 bis 3 Uhr morgens durch, um auf die Missstände in der Massentierhaltung und -schlachtung hinzuweisen.„Jetzt stellen Sie sich vor, wie es den Tieren bei den Transporten in den Wintermonaten geht“, verdeutlicht Claudia Helbling aus München angesichts des frostigen Wetters.

Schließlich stammen viele der Ampfinger Schlachttiere gar nicht aus der Region, sondern werden dort aus halb Europa zusammengekarrt. Später werden die Endprodukte sogar als bayerisches Putenfleisch beworben. (Wir berichteten) Mit ihren beiden Mitstreiterinnen und dem einzigen männlichen Aktivisten bei der Mahnwache am Mittwoch, Pascal Schumacher aus Oberbergkirchen, ist sie daher erbitterte Gegnerin der Ampfinger Anlage. Einer der größten derartigen Betriebe in Bayern sei es, und die Zahl der Schlachtungen am Standort in der Vergangenheit stetig gestiegen: „Bis zu 32.000 Tiere werden hier täglich geschlachtet“, behaupten die Aktivisten, „bald sollen es 40.000 sein!“. Würde man eine Pute als normales Haustier halten, könnte sie auch 20 Jahre alt werden. „Die Tiere hier werden in nur 16 Wochen auf 20 Kilo gezüchtet“, meint Mandy Hübner aus Regensburg, „und dann werden sie hier mit CO2 vergast!“, so die Aktivisten weiter. 

Auch wenn diese Zahlen den Eindruck erwecken, übertrieben zu sein, steht fest, dass es weltweit nur noch drei Firmen gibt, die Puten an die Züchter verkaufen. Diese Hybrid-Züchtungen, die aus Inzucht-Linien stammen, bauen durch spezielle Fütterung in einem kurzen Zeitraum besonders viel des begehrten Brustfleischs auf. Dabei bleibt einem Tier in den wenigen Monaten, in denen es lebt, im Schnitt nur weniger als ein DIN A3-Blatt Papier an Platz. Hinzu kommen die Transportbedingungen. 

Die vier Aktivisten sind jedenfalls alle froh darüber, selbst nicht auf Putenfleisch angewiesen zu sein, denn schließlich ernähren sie sich alle vegan. „Das wird hier ja alles mit verarbeitet, auch die Tumore oder Antibiotika“, ekelt sich Renate Schumacher aus Oberbergkirchen. Bereits halbtot kämen die Tiere hier oft an, erinnert sich Claudia Helbling an frühere Protestaktionen. Während des Interviews mit den Aktivisten in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag fand allerdings kein Tiertransport statt. Dennoch wollen die Aktivisten ihren Protest fortsetzen, nicht zuletzt, um die Verbraucher über die unglaublichen Zustände in der Geflügelindustrie zu informieren.„Im Dezember werden wir hier wieder protestieren!“, kündigt Claudia Helbling an.

pbj

Rubriklistenbild: © pbj

Zurück zur Übersicht: Ampfing

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT