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Lagerleben mit Baumstamm

Honig wie im Mittelalter - Imkerverein Ampfing stellt die „Zeidler“ beim Mittelalterspektakel vor

Die MItglieder des Ampfinger und Taufkirchener Bienenvereins haben einen sechs Meter hohen Baumstamm vorbereitet und auf dem Gelände von „1322“ aufgestellt. Die beiden Vereine wollen damit veranschaulichen, wie schwierig früher die Honigernte war.
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Die Mitglieder des Ampfinger und Taufkirchener Bienenvereins haben einen sechs Meter hohen Baumstamm vorbereitet und auf dem Gelände von „1322“ aufgestellt. Die beiden Vereine wollen damit veranschaulichen, wie schwierig früher die Honigernte war.

Das Freilichtspektakel „1322 – Die Schlacht bei Ampfing“ steht in den Startlöchern. Weil es aber nicht nur um die große letzte Ritterschlacht geht, sondern auch um das „Geschichte erleben“, steht auf dem Festgelände ein etwa sechs Meter hoher Baumstamm. Dabei geht es aber nicht so sehr um den Stamm selbst, sondern um dessen potenziellen Inhalt: Honig. Ein Gut, dessen Diebstahl sogar mit dem Tode geahndet wurde.

Ampfing – Der Ampfinger Imkerverein präsentiert beim Lagerleben 1322 die Zeidlerei. Die Zeidlerei (auch Zedlerei) war im Mittelalter das gewerbsmäßige Sammeln von Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker, das von Zeidlern ausgeübt wurde. Das Wort kommt vom lateinischen „excidere“ („herausschneiden“) über das altdeutsche „zeideln“ („Honig schneiden“).

Sie schlugen in alte, aber gesunde und starke Bäume in etwa sechs Metern Höhe mit dem Zeidelbeil künstliche Höhlen ein und verschlossen diese mit einem passenden Brett, in das ein Flugloch eingebracht war. Damit schufen sie den wild zufliegenden Bienenschwärmen eine Behausung. Dabei achteten die Zeidler darauf, dass die Beuten windgeschützt sowie nach Osten und Süden ausgerichtet waren. Unterholz, Heide und Beerensträucher, Pfützen und kleine Teiche fanden sich bevorzugt in der näheren Umgebung.

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Zumeist zogen die Schwärme von selbst ein. Oder es wurde nachgeholfen, indem die Beute oder das Flugbrett mit Melissenkraut und frischem Wachs eingerieben wurde. Der Baum selbst wurde entwipfelt, um ihn vor Windwurf zu schützen, die Äste unterhalb der eingeschlagenen Beute wurden entfernt, um Bären, Marder und andere Räuber fernzuhalten.

Honig war früher das einzige Süßungsmittel

Von den Völkern erntete der Zeidler Honig und Wachs. Bis in das 10. Jahrhundert war Honig das einzige Süßmittel, und Wachs für Kerzen deckte den riesigen Bedarf der Klöster. Ein Teil der gesammelten Vorräte wurde den Bienen unter Anwendung von Rauch entnommen. Das sogenannte Honigbrechen (ganze Waben wurden herausgebrochen) fand einmalig im zeitigen Frühjahr oder im Herbst statt. 

Die Zeidler hatten viele Privilegien

Die Zunft der Zeidler hatte großes Ansehen und besaß viele Privilegien wie das Recht, im Wald Bienen zu halten, die Sicherung ihrer Beuten (Baum mit geschlagener Höhle), das Tragen von Waffen, Zollfreiheit oder eine eigene Gerichtsbarkeit. Auf den Diebstahl von Bienen und Honig standen hohe Strafen – bis hin zur Todesstrafe. Auch für die Bienen reichblühende Bäume wie die Linde standen unter besonderem Schutz, und das Fällen wurde schwer bestraft.

Die Blütezeit der Zeidlerei neigte sich im 16. Jahrhundert ihrem Ende zu, und Ende des 19. Jahrhunderts war die Waldbienenwirtschaft weitgehend aus Europa verschwunden. 

Imkerverein gibt Einblick in die Arbeit der Zeidler

Für das Freilichtspektakel „1322“ greift der Imkerverein Ampfing- die alte Arbeitsweise der Zeidlerei wieder auf. In der Zimmerei von Hans Kiefinger wurde ein Baumstamm mit etwa sechs Metern Länge so gestaltet wie früher die Bäume im Wald präpariert waren. In mühevoller Arbeit wurde eine Nische aus dem Baum geschnitten und gestemmt, die später mit einer Tür verschlossen wird. Der Zeidler-Baum steht mittlerweile unter tatkräftiger Mithilfe der Mitglieder des Ampfinger und auch des Taufkichner Bienenvereins auf dem 1322-Gelände.

Baumstamm steht auf dem Gelände

„Wir machen bei 1322 mit, um den Leuten zu zeigen, wie schwierig früher die Honigernte gewesen ist und um einfach auch unseren Verein in Erinnerung zu bringen“, sagt Ampfings Vorsitzende Martina Hofmann. Solche Feste würden davon leben, dass es Menschen gibt, die mitmachen und bereit sind zu arbeiten, insbesondere viel Vorarbeit leisten und sich in diese Sache hineindenken und umsetzten. Beim Lagerleben werden die Mitglieder auch ihr köstliches, gesundes und vor allem reines Naturprodukt Honig anbieten.

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