Skandal um Tierquälerei

Vorwürfe gegen Ampfinger Puten-Schlachthof: Das sagen Betreiber und Landratsamt

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Die Aufnahme des Vereins "Soko Tierschutz" zeigt, wie ein Arbeiter in Ungarn einen Truthahn in einen Tiertransporter schmettert, der die Tiere zur Schlachtung ins 550 km entfernte Ampfing Bayern bringt.
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Ampfing - Laut dem Verein "Soko Tierschutz" müssen in einem regionalen Schlachthof verarbeitete Puten zuvor einen qualvollen Transport erdulden. Das Fleisch würde dann durch eine Gesetzeslücke als aus Bayern deklariert. Nun hat sich dazu auch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) geäußert.

Update, 15.30 Uhr: Das sagen Betreiber und Landratsamt

Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) teilte die Süddeutsche Truthahn AG nun mit, dass der Betrieb in Ostungarn bis zur Klärung der Vorwürfe keine Puten mehr nach Ampfing liefern werde. Bisher hätten sich jedoch aus den Transport- und Veterinärprotokollen keine Hinweise auf mögliche Tierschutzvergehen ergeben. "Bei dem angesprochenen Putentransport aus Ungarn wurden keine Auffälligkeit festgestellt", erklärte auch das Landratsamt Mühldorf am Inn auf Nachfrage unserer Redaktion.

Update, 13.15 Uhr: Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger äußert sich

Hubert Aiwanger (Freie Wähler), stellvertretender Ministerpräsident von Bayern und Staatsminister für Wirtschaft

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hat auf den Bericht des Bayerischen Fernsehens über die Putentransporte zwischen Osteuropa und Bayern reagiert. Darin hatte die Soko Tierschutz "qualvolle Transporte" kritisiert.

"Wir brauchen für besseren Tier- und Verbraucherschutz dringend eine Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe und ehrliche Deklaration über die Herkünfte von Lebensmitteln. Der Verbraucher wird mit der jetzigen Deklaration gezielt hinters Licht geführt, um ihm billige Ware aus dem Ausland als deutsche Qualität unterzujubeln", sagte Aiwanger.

Produktion und Schlachtstätten müssten wieder nahe bei einander liegen, um unsinnig weite Lebendtransporte zu stoppen. Aiwanger: "Zur Wahrheit gehört aber auch: Wer Unterschriften sammelt gegen einen Putenstall mit 10.000 Tieren in Bayern, bekommt sein Fleisch dann eben aus einem Betrieb mit 100.000 Puten aus Osteuropa."

Die Erstmeldung:

Unter anderem aus Ungarn und Tschechien würden die Tiere über weite Strecken herantransportiert, berichtet der Verein "Soko Tierschutz". Es sei ihnen gelungen, Tiertransporte eines Ampfinger Großschlachthofes zu verfolgen. Lange Transportfahrten sind, sofern sie einen bestimmten Zeitrahmen von acht bis maximal zwölf Stunden einhalten, grundsätzlich zulässig. Allerdings würden die Vögel teils brutal behandelt. 

Verein: Tiere werden brutal behandelt

"Puten werden in der Sommerhitze völlig unnötig bis zu 547 km durch Europa gekarrt. Bei einem Mastbetrieb in Ungarn filmten die Tierschützer erschütternde Gewalt gegen die empfindlichen Tiere", so der Verein in einer Pressemitteilung. "Puten wurden geschlagen, in Käfige eingeklemmt, mit brutaler Gewalt in Tiertransporter geschleudert und mutmaßlich schwer verletzt oder getötet." Vor Ort in Ampfing hätten Kontrollen versagt. Amtliche Tierärzte hätten eigentlich die Verletzungen der Tiere bemerken müssen, beklagt der Verein. 

Dem Verein würden umfangreiche, interne Dokumente des Geflügelkonzerns vorliegen, die beweisen würden, dass Tiertransporte von hunderten Kilometern nicht die Ausnahme, sondern die Regel sind. Der Schlachthof erklärte gegenüber dem Bayerischen Rundfunk, dass 90 Prozent seines Fleisches aus deutschen Aufzuchtbetrieben stamme, im Betrieb von ausländischem getrennt und auch entsprechend deklariert werde. Dies allerdings, so der Sender, könne durch eine Lücke in der europäischen Gesetzgebung, die sogenannte "Veredelungsschritte" vorsehe umgangen werden. Würde Fleisch beispielsweise in Bayern mariniert, könne es anschließend als Produkt aus Bayern deklariert werden.

Schlachthof bereits in der Vergangenheit in der Kritik

Der Ampfinger Puten-Schlachthof stand bereits in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Zuletzt hatte es Ende 2014 eine Petition gegen eine Aufstockung gegeben, die jedoch wirkungslos blieb. Der Verein "Soko Tierschutz" hatte zuvor im Mai 2014 dort bereits massive Missstände aufgedeckt. Auch andernorts hat "Soko Tierschutz" bereits auf Missstände aufmerksam gemacht. Die Staatsanwaltschaft Memmingen ermittelt wegen des Verdachts von Tierquälerei seit mehreren Wochen gegen einen Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach. Jetzt steht erneut ein Großbauer im Visier der Ermittler.

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