Landrat, Bürgermeister und Anwohner beziehen Stellung

43 Corona-Fälle am Putenschlachthof in Ampfing: „Es ist lange gut gegangen“

Mühldorfs Landrat Max Heimerl und Ampfings Bürgermeister Josef Grundner
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Mühldorfs Landrat Max Heimerl und Ampfings Bürgermeister Josef Grundner hoffen, das das Corona-Infektionsgeschehen am Ampfinger Schlachthof bald unter Kontrolle ist.

Ampfing – Im Putenschlachthof in Ampfing sind 43 Corona-Neuinfektionen festgestellt worden. In einer Pressekonferenz hat sich Landrat Max Heimerl dazu geäußert. Auch mit Bürgermeister Josef Grundner und einigen Anwohnern hat innsalzach24.de darüber gesprochen.  

„Wir haben gewusst, dass wir ein besonderes Augenmerk auf die Schlachthöfe haben müssen. Und das haben wir auch gemacht. Es wurde permanent stichprobenartig getestet. Seit Mai wurden mehr als 3.500 Tests am Ampfinger Putenschlachthof durchgeführt“, berichtet Landrat Max Heimerl auf einer Pressekonferenz.


43 Mitarbeiter am Ampfinger Putenschlachthof positiv auf Corona getestet

Anfang der Woche seien dann vier positive Fälle aufgetreten. Am Dienstag wurde die komplette Schicht getestet. Dabei seien die zusätzlichen 39 Fälle entstanden. „Inzwischen sind auch alle Mitarbeiter getestet worden. Es befinden sich auch einige Arbeiter in Quarantäne, die als Kontaktperson ermittelt worden sind“, so Heimerl. Der Betrieb musste deshalb auch heruntergefahren werden, um tierschutzgerecht arbeiten zu können.


Man gehe davon aus, dass die Ansteckung innerhalb des Betriebes erfolgt ist. Laut Heimerl hätten die Neuinfektionen vom Schlachthof keine Symptome oder nur sehr leichte. Ohne die Stichproben hätte das Landratsamt diese Infektion vermutlich gar nicht bemerkt. Dadurch hoffe man, die Infektionsketten relativ schnell wieder zu durchbrechen. „Mein Dank gilt den Schlachthöfen in Ampfing und Waldkraiburg für die kooperative Zusammenarbeit. In Waldkraiburg wird sicherheitshalber eine Reihentestung durchgeführt“, so Heimerl.

Bürgermeister Grundner: „Leider diese erhebliche Anzahl“

Josef Grundner, Bürgermeister von Ampfing, wurde am Mittwoch Nachmittag vom Landrat über die Infektionen im Putenschlachthof informiert. Kurz darauf habe sich auch die Firma bei ihm gemeldet. „Es ist lange gut gegangen, jetzt haben wir leider diese erhebliche Anzahl an Infektionen“, so Grundner gegenüber innsalzach24.de.

Neben den Tests, wo Grundner auch mal vor Ort war, und Kontrolle der Umsetzung von Maßnahmen hat Ampfing auch einige Unterkünfte begutachtet, soweit dies möglich war. „Wir wollten keine Überbelegung. In der Gemeinde Ampfing gibt es ein paar Unterkünfte. Es wurden auch ein paar private Besitzer diesbezüglich angefragt“, erklärt der Bürgermeister. Auch vom Gesundheitsamt wären Unterkünfte kontrolliert worden.

43 Mitarbeiter des Ampfinger Putenschlachthofes wurden positiv auf das Coronavirus getestet.

Letztlich habe man es nicht in der Hand. 43 Fälle seien zwar auch viele. „Aber die regelmäßige Testung hat den Vorteil, dass eine Infektion rechtzeitig bekannt wird. Ohne diese Tests wären wir vielleicht auch schon bei über 100. Jetzt haben wir diese Zahl und mit der gehen wir um“, so der Bürgermeister. Auch wegen diesen Neuinfektionen hätte der Landkreis Mühldorf den Inzidenzwert von 50 überschritten und hat deshalb einige Verschärfungen der Maßnahmen bekannt gegeben.

Anwohner unterschiedlicher Meinungen

„Letztendlich war es zu erwarten, dass es auch mal den Schlachthof hier bei uns in Ampfing erwischt. Nach dem Tönnies-Skandal hoffe ich aber, dass die Behörden besser darauf vorbereitet sind“, berichtet ein 31-Jähriger Ampfinger. Normalerweise müssten die Arbeiter gut isoliert vom Rest der Bevölkerung sein. Er kenne zumindest niemanden, der dort arbeitet. Daher sehe er das jetzt nicht so schlimm. Von diesem Problem wären auch bald andere Firmen in der Region betroffen.

Eine ältere Dame dagegen bereiten die steigenden Zahlen der Neuinfektionen Sorgen. „Da ist es egal, ob die Infizierten im Schlachthof hier sind oder private Personen sich auf einer Feier anstecken. Je mehr Leute das Virus haben, desto mehr werden angesteckt. Ich glaube wir sind erst am Anfang der zweiten Welle“, erzählt die Frau.

Ein Rentner aus Ampfing war dagegen schockiert über die Nachricht. „Ich habe dabei schon ein ungutes Gefühl. Die Mitarbeiter, auch wenn sie vielleicht nicht in Ampfing wohnen, werden sicherlich auch mal hier bei uns im Ort einkaufen. Ich hoffe, dass sich da niemand angesteckt hat und es wirklich nur innerhalb des Schlachthofes abgespielt hat“, so der Mann.

Eine Anfrage an die Süddeutsche Truthahn AG Handelsgesellschaft vom Donnerstag Vormittag blieb bisher unbeantwortet.

jz

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