Alles auf Neustart

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"Konzepte und Ideen sind schön und gut. Aber um inhaltlich wirklich etwas zu bewegen, brauchen wir eine Pädagogenstelle", so die neue Geschäftsführerin des Kreisjugendrings Kristin Hüwel.

Mühldorf - Kristin Hüwel heißt die neue Geschäftsführerin des Kreisjugendrings (KJR). In ihren ersten 100 Tagen im Amt hat die 44-Jährige viele Gespräche geführt.

Außerdem hat sie ein neues Konzept ausgearbeitet, über das nun der Kreistag berät. Ein Glück, dass Kristin Hüwel nicht abergläubisch ist. Ausgerechnet am Freitag, den 13., steht der Kreisjugendring auf der Tagesordnung des Kreistages. In der Juli-Sitzung wird sich zeigen, ob sich die Überstunden der letzten Monate gelohnt haben, ob das 42 Seiten starke Konzept die Kreisräte überzeugt - und ob dem KJR damit ein erfolgreicher Neustart gelingt.

Denn um nicht weniger geht es für die neue Geschäftsführerin, die Anfang März ihre Arbeit aufgenommen hat. Von einer "spannenden und reizvollen Aufgabe" spricht Hüwel und strahlt dabei jede Menge Tatendrang und Zuversicht aus - obwohl die Voraussetzungen alles andere als ideal sind. Nach einem schwierigen Jahr für den Kreisjugendring regiert der Rotstift: "Vor zwölf Monaten stand der Geschäftsstelle noch die doppelte Stundenzahl zur Verfügung", rechnet Hüwel vor, die selbst nur einen 20-Stunden-Vertrag erhalten hat. "Über meine Überstunden der letzten Wochen darf ich mir keine großen Gedanken machen."

Doch Kristin Hüwel sieht in dem großen Umbruch auch eine Chance: "Der KJR braucht neue Strukturen und neue Ideen. Insofern ist ein kompletter Neuanfang sicher gut, auch wenn die Vorgeschichte nicht von heute auf morgen vergessen ist." Die Auswirkungen der Grabenkämpfe zwischen ihrer Vorgängerin und den Verantwortlichen im Landratsamt bekomme sie an der einen oder anderen Stelle immer noch zu spüren. "Doch inzwischen bekomme ich auch von vielen Seiten das Vertrauen, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Die ersten Hausaufgaben sind gemacht. 20 von 31 Bürgermeistern im Landkreis hat Kristin Hüwel bereits besucht. Dabei gilt es herauszufinden, was die Städte und Gemeinden vom KJR erwarten, an welchen Stellen sie Bedarf für Jugendarbeit sehen. "Im Grunde tauchen überall die gleichen drei Problemfelder auf", erklärt Hüwel. Da ist zum einen die fehlende Nachmittagsbetreuung für Kinder und Jugendliche, deren Eltern beide berufstätig sind. Zum zweiten geht es um entsprechende Angebote in den Ferien. Die größte Herausforderung stellen drittens die Jugendlichen dar, die nicht organisiert sind und die sich nicht am Gemeindeleben beteiligen wollen. Frustration und Perspektivlosigkeit heißen die Stichworte in diesem Zusammenhang.

Rund um diese drei Felder hat Kristin Hüwel ihr Konzept entwickelt - und kommt damit einer zentralen Forderung des Landratsamts nach: sich mit dem Angebot mehr am Bedarf der Kommunen zu orientieren. Auch die Vereine und Verbände sollen schon bald im Rahmen einer Umfrage ihre Meinung kundtun, in welchen Punkten sie mehr Unterstützung vom KJR erwarten.

"Bedarfsgerechte Produktentwicklung" nennt Kristin Hüwel das. Ein Begriff, der zeigt, dass die Mühldorferin ihre Wurzeln nicht in der Jugendarbeit hat. In Westfalen geboren und aufgewachsen hat sie zunächst Theologie auf Pfarramt studiert, sich dann aber doch für Soziologie entschieden. Nach dem Studium hat sie noch eine Ausbildung zur Personaltrainerin drangehängt und unter anderem Erfahrungen im Bereich moderner Hypnose gesammelt.

Zuletzt hat die Mutter von zwei Kindern - die Tochter studiert, der Sohn steht kurz vor dem Abitur - den Standort der Deutschen Angestellten-Akademie in Mühldorf geleitet. Neben der Tätigkeit beim KJR ist Kristin Hüwel weiterhin als IHK-Prüferin unterwegs und gibt Soziologie-Seminare an der FH in Landshut. "Es macht mir also keine Angst vor vielen Leuten zu reden oder meine Ideen zu präsentieren", sagt Hüwel.

Vor allem die gute Zusammenarbeit mit den Vorsitzenden Veronika Schneider und Rene Keil habe ihr den Einstieg leicht gemacht. Nun sei der Landkreis am Zug: "Die Kreisräte müssen sich eben überlegen, was ihnen Jugendarbeit wert ist." Mit dieser Aussage verbindet sie eine klare Forderung: "Konzepte und Ideen sind schön und gut. Aber um inhaltlich wirklich etwas zu bewegen, brauchen wir eine Pädagogenstelle." Ein frommer Wunsch für Freitag, den 13.

ha/Mühldorfer Anzeiger

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