Abschwung noch nicht vorbei

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
BayME/VBM-Geschäftsführer Ludwig Baur präsentierte gestern die Ergebnisse der Umfrage unter 70 Mitgliedsbetrieben in Südostbayern.

Mühldorf - Die Lage in der südostbayerischen Metall- und Elektroindustrie ist weiterhin angespannt. Rund 43 Prozent der Betriebe rechnen im laufenden Jahr damit, dass sie Verlust machen.

Das ist das Ergebnis einer halbjährlichen Umfrage, die von den Verbänden der bayerischen Metall- und Elektroindustrie BayME und VBM am gestrigen Vormittag im Rahmen einer Pressekonferenz im Comforthotel vorgestellt wurde. Die rund 70 Mitgliedsbetriebe in der Region Südostbayern waren zur wirtschaftlichen Situation befragt worden.

"Die Lagebeurteilung durch unsere Firmen ist auf ein Rekordtief gefallen", fasste BayME/VBM-Geschäftsführer Ludwig Baur zusammen. Im Detail heißt das: Die Auftragseingänge lagen im Mai bayernweit um 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Das Produktionsniveau lag über 24 Prozent unter dem Stand des Vorjahres. Und die Kapazitätsauslastung fiel im Juli bayernweit auf ein Rekordtief von 69 Prozent. Im Sommer 2008 hatte sie noch über 90 Prozent betragen.

Die Situation habe inzwischen auch sichtbare Spuren bei der Beschäftigung hinterlassen, sagte Baur. Seit dem Höchststand im November letzten Jahres seien in Südostbayern rund 1000 Stellen verloren gegangen.

Auch die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie - hier MBM in Mühldorf - spüren längst die Auswirkungen der Finanzkrise.

Laut Umfrage bewerten die Mitgliedsbetriebe in Südostbayern die Geschäftslage im ersten Halbjahr so schlecht wie noch nie seit der ersten Befragung im Jahr 2000. Das Inlandsgeschäft beurteilen demnach 60 Prozent als schlecht, das Exportgeschäft sogar fast 78 Prozent. Bei den Geschäftserwartungen ruhen die Hoffnungen vor allem auf dem Export. Hier erwarten immerhin 30 Prozent eine Besserung, im Inland rechnen knapp 80 Prozent der Unternehmen mit keiner durchgreifenden Erholung. Darüber hinaus gehen 57 Prozent der Metall- und Elektrobetriebe in Südostbayern davon aus, dass sie die Produktion weiter zurückfahren müssen. Fast 43 Prozent der Unternehmen haben angegeben, dass sie im laufenden Jahr Verluste machen werden, 21 Prozent planen mit einer schwarzen Null.

"Trotz aller Bemühungen ist ein weiterer Beschäftigungsabbau in Südostbayern wohl unvermeidlich. Jeder zweite Betrieb befürchtet Stellen streichen zu müssen", sagte Baur. Was die Perspektive betrifft, rechnen die meisten Betriebe in Südostbayern mit dem kunkunkturellen Aufschwung nicht vor 2010.

Um Arbeitsplätze zu sichern, nimmt Baur sowohl die Tarifparteien als auch die Politik in die Pflicht. Für die Zukunft seien Tarifverträge notwendig, die noch stärker auf die Branchen- und Unternehmenskonjunkturen ausgerichtet sind. Außerdem müssten die Sozialversicherungsbeiträge dauerhaft unter 40 Prozent gesenkt werden. Handlungsbedarf sieht Baur auch in Sachen Finanzierung: Rund 20 Prozent der Betriebe in der Metall- und Elektroindustrie gaben an, Kredite nicht im gewünschten Umfang zu erhalten.

Wie unterschiedlich sich die Finanzkrise auf die Unternehmen im Landkreis Mühldorf auswirkt, machten Vertreter von ODU, Netzsch und Belimed deutlich. Wie in den jeweiligen Betrieben die Lage eingeschätzt wird, lesen Sie auf der nächsten Seite.

ha/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser