Debatte um Gestaltung des Platzes am Trostberger Museum

Widmung Kurt Eisners am Museum: "Anschlag auf die Demokratie"? 

Die Grünen würden den Platz vor dem Atrium am Stadtmuseum Trostberg gerne Kurt Eisner widmen. 
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Die Grünen würden den Platz vor dem Atrium am Stadtmuseum Trostberg gerne Kurt Eisner widmen. 

Trostberg - Soll der Vorplatz am Stadtmuseum Kurt Eisner gewidmet werden? Über diesen Vorschlag entflammte im Stadtrat am Donnerstagabend eine heftige Diskussion um Für und Wider. 

Es war gleich der erste Tagesordnungspunkt der letzten Sitzung des Trostberger Rats in diesem Jahr: Die Benennung des Platzes vor dem Atrium am Stadtmuseum Trostberg in "Kurt-Eisner-Platz" und die Anschaffung wie Aufstellung einer Skulptur des ersten bayerischen Ministerpräsidenten, der für seine politischen Taten als "Gründervater" des Freistaats Bayern gilt. 


Grüne: Atrium für Würdigung Eisners "geeignet"

Die Grüne Stadtratsfraktion stellte Ende November diesen Antrag mitsamt der Aufstellung einer vorwiegend in Rost-Optik gehaltenen Skulptur, die der Trostberger Künstler Werner Pink geschaffen hat. 

Der Platz vor dem Atrium werde aufgrund seiner Geschichte als "besonders geeignet" erachtet, um Eisner ein würdiges Denkmal in der Stadt zu schaffen. Der Todestag Eisners jährt sich am 21. Februar 2019 zum hundertsten Mal, weshalb die Grünen den Zeitpunkt für angemessen halten. 


Widerstand in den Ratsreihen

"Ich persönlich werde gegen den eigenen Beschlussvorschlag stimmen", offenbarte Bürgermeister Karl Schleid gleich zu Beginn seine Entscheidung. Er sei nicht der Überzeugung, dass die Stadt so viel Bezug zu Eisner gehabt habe und es einen eigenen Platz dafür brauche. Zudem seien die Sanierungsarbeiten am Stadtmuseum noch nicht abgeschlossen, das Atrium werde sowieso noch einmal umgestaltet. 

Unterstützung bekam Schleid von den Freien Wählern. Franz Xaver Obermayer wetterte, der Antrag sei "geprägt von politischer Ideologie oder geschichtlicher Unwissenheit, denn Eisner sei lediglich der erste selbsternannte Ministerpräsident Bayerns gewesen - der erste gewählte war Johannes Hoffmann". Obermayer weiter: "Diese Zeit, in der Eisner gewirkt hat, war eine der unfriedlichsten noch bevor die Nazis das Regime übernommen haben - sie war in gewisser Weise diktatorisch. Diesem Antrag kann ich in keinster Weise folgen. Das ist ein Anschlag auf die freie Demokratie, die wir heute haben."

Worte, die für die Grünen-Fraktionssprecherin Marianne Penn überraschend fielen: "Ich finde es interessant, wie unterschiedlich die Meinungen zu Geschichte sind. Meine Fraktion steht hinter dem Antrag. Eisner hat viel losgetreten, ein Beispiel sind die Frauenrechte. Er hat den Begriff Freistaat Bayern geprägt und ich fände es nicht schlecht, wenn wir diesen Mann in unserem lebendigen Museum würdigen. Außerdem ist das stimmig, weil die Skulptur von einem Trostberger Künstler stammt." 

Penn könne sich aber, falls der Beschluss negativ ausfalle, einen anderen Standort für das Kunstwerk anzupeilen.

Mehrheit gegen Würdigung Eisners am Stadtmuseum 

Der zweite Bürgermeister, Robert Liedl (SPD), fände es gut, wenn an dieser Stelle am Atrium ein Gegenpol geschaffen werde zu dem, was in der Vergangenheit geschehen sei. "Einen Bezug zu Trostberg werden wir zwar nicht herstellen können, aber ich bin dafür, dass Eisner gewürdigt wird." 

Die CSU-Fraktion habe sich ebenfalls eingehend mit dem Antrag der Grünen auseinandergesetzt, wie deren Sprecher Hannspeter Fenis erklärte. Die CSU werde sich aus den gleichen Gründen der Meinung des Ersten Bürgermeisters anschließen: Es fehle eindeutig der Bezug zur Stadt und über die Gestaltung des Platzes könne man sich unterhalten, wenn die Sanierung abgeschlossen sei. 

Mit 16:9 Stimmen wurde der Antrag der Grünen auf Umbenennung des Platzes und Aufstellen der Skulptur als Widmung Kurt Eisners abgelehnt. 

Wenn Sie mitstimmen hätten dürfen - wie wäre Ihre Entscheidung ausgefallen? 

mb

Quelle: chiemgau24.de

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