Stadtrat entscheidet sich gegen Veranstaltung 

Kein Neubürgerempfang mehr in Trostberg: Das sind die Gründe 

+
Bürgermeister Karl Schleid möchte künftig keinen Neubürgerempfang mehr in Trostberg durchführen. 
  • schließen

Trostberg - Seit vier Jahren gibt es in der Alzstadt den Neubürgerempfang für Zugezogene. Damit ist nun aber Schluss - vorerst. 

2016 ging der erste Neubürgerempfang in Trostberg über die Bühne. Bei der Veranstaltung im Postsaal können sich Zugezogene in geselliger Runde einen Überblick von Einrichtungen, Institutionen und Vereinen in der Alzstadt verschaffen. 

Die Resonanz der Veranstaltung: Dürftig. In den Jahren 2016 und 2017 haben jeweils von etwa 660 eingeladenen Neubürger nur circa 93 Personen - darunter viele Asylbewerber - teilgenommen. 2018 waren 540 Personen geladen, von denen nur noch etwa 60 erschienen und 2019 kamen von insgesamt 690 eingeladenen Personen nur mehr 45. 

Aufwand und Nutzen stehen in keinem Verhältnis

Bürgermeister Karl Schleid erklärte dazu in der Stadtratssitzung am 27. März: "Nachfragen bei Nachbarkommunen haben ergeben: Je größer die Kommune, umso weniger wird der Neubürgerempfang angenommen. Je dörflicher ein Ort strukturiert ist, desto besser lebt man sich ein. Bei uns ist es anscheinend nicht sinnvoll so eine Veranstaltung mangels Interesse der Bevölkerung durchzuführen." 

Auch von Seiten der Vereine nahm die Teilnahme ab: Von mehr als 80 örtlichen Vereinen nahmen je nur durchschnittlich 15 die Möglichkeit, sich im Rahmen der Veranstaltung zu präsentieren, wahr. 

Demgegenüber stehen jährliche Kosten, die die Verwaltung zu stemmen habe:  

  • für Druck und Versand der Einladungen: etwa 600 Euro
  • die Gage für die Stadtkapelle: etwa 150 Euro
  • die Miete von Blumenschmuck: etwa 50 Euro
  • die Kosten für die Verpflegung. etwa 1500 Euro

Nicht unerheblich, so hob Schleid bei der Begründung der geplanten Einstellung des Neubürgerempfangs, sei auch der Zeitaufwand für Vorbereitung und Organisation von etwa zwei Tagen. "Insgesamt stehen organisatorischer Aufwand und Nutzen der Veranstaltung in keinem sinnvollen Verhältnis, weshalb wir uns entschieden, die Veranstaltung bis auf Weiteres nicht mehr durchzuführen. Wir haben den Beschluss aber bewusst so formuliert, dass die Verwaltung bei Bedarf den Neubürgerempfang jederzeit wieder aufleben lassen kann", erklärte Schleid. 

Beschluss nicht in Stein gemeißelt

Die Reaktionen aus den Ratsreihen waren eindeutig pro Abschaffung. So sehe beispielsweise Marianne Penn (Grüne) den Aufwand nicht gerechtfertigt: "Die Fakten sprechen für sich und die Einstellung des Neubürgerempfangs. Ich finde es zwar schade, aber ich habe selbst gesehen, dass das Interesse nicht da ist." 

Hans-Michael Weisky (SPD) erklärte, die Fraktion bedaure die Abschaffung, trage den Beschluss aber mit: "Auch ich habe es selbst erlebt, wie licht die Reihen im Postsaal waren - da helfen selbst die Brotzeit und die Informationsstände nichts. Wenn weniger als zehn Prozent der geladenen Neubürger erscheinen, rentiert sich das Ganze nicht."

Bürgermeister Schleid erklärte zum Schluss, interessante Einzelgespräche mit Bürgern führe er ohnehin nicht auf dem Neubürgerempfang. Einstimmig befürworteten die Ratsmitglieder die Einstellung der Veranstaltung. 

mb

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Trostberg

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT