Innerstädtische Verdichtung in Trostberg geplant 

Nachverdichtung in Heiligkreuz-Wimm: Umweltschutzverband warnt

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Gerade der Erhalt des üppigen Baumbestands in Heiligkreuz-Wimm ist dem Umweltschutzverband Alztal und Umgebung (UVA) wichtig. 
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Trostberg - Widerstand regt sich von Seiten des Umweltschutzverbands Alztal und Umgebung (UVA) gegen die geplante innerstädtische Verdichtung von Grundstücken mit einem hohen Baumbestand in Heiligkreuz-Wimm. 

Der UVA hat sich mit den jüngsten Bebauungsplanänderungen in Heiligkreuz-Wimm, die im Trostberger Bauausschuss im Dezember 2018 thematisiert wurden, auseinandergesetzt. 

Konkret geplant ist auf Antrag der jeweiligen Grundstückseigentümer im Bereich nördlich des Waldwegs und südlich der Hedwigstraße eine innerstädtische Verdichtung, die jeweils eine größere Überbauung der zum Teil baumbestandenen Grundstücke vorsieht. Der Aufstellungsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplans Heiligkreuz-Wimm auf den beide Teilflächen wurde vom Bauausschuss beschlossen. 

"Besonnene Stadtentwicklung" mit Blick auf Natur 

Der UVA, so wird in einer schriftlichen Stellungnahme hervorgehoben, habe grundsätzlich keine Einwände gegen eine "sanfte innerstädtische Verdichtung". Mit Blick auf die Natur und das Gemeinwohl sehe der Verband Verdichtungspläne aber dann kritisch, wenn sie zugunsten Einzelner stattfinde und Anzahl der Wohnungen, Bauhöhe oder Abstandsflächen ausreize.

Hinsichtlich des Arten- und Klimaschutzes werde eine "besonnene Stadtentwicklung mit Augenmerk auf die Natur und Lebensqualität immer nötiger". Hier sei vor allem das Verantwortungsbewusstsein eines jeden Stadtrates gefordert - auch bei kleinen Veränderungen, betont die UVA und verweist auf einen Brandbrief, der eine Warnung an die Menschheit beinhaltet. In diesem Appell kritisieren ingesamt 15.364 Wissenschaftler aus 184 Ländern den mangelnden Umweltschutz und weisen auf den Zustand der Erde hin. 

Ursprünglicher Bebauungsplan wegen Eigentümer-Wünsche Vergangenheit 

Der Stadtteil Wimm sei laut UVA erst vor 60 Jahren auf teilweise bewaldeten Freiflächen entstanden. Heute sei das Gebiet von Ein- und Zweifamilienhaus-Wohnbebauung in lockerer Bauweise und unterschiedlichen Baustilen geprägt. Ein besonderes städtebauliches Konzept mit ablesbaren Erschließungsstrukturen, Raum- und Zentrumsbildungen oder ähnlichem sei nicht erkennbar. Dieser Mangel werde dadurch verstärkt, dass der ursprüngliche Bebauungsplan aufgrund einzelner Eigentümer-Wünsche immer wieder geändert worden sei. Dies führe zu zufälligen baulichen Verdichtungen ohne übergeordnetes Konzept. Außerdem fehle auch eine "grünordnerische Struktur", wie sie für heutige höherwertige Wohnsiedlungen erforderlich sei. 

Andererseits, so der UVA weiter,  habe das Gebiet durchaus städtebauliche Qualitäten: Aus der Luft seien miteinander vernetzte Inseln mit großem Baumbestand erkennbar, die noch auf die ursprüngliche Freiflächen- und Waldlandschaft zurückgehen. 

Das Gebiet Heiligkreuz-Wimm in Trostberg aus der Vogelperspektive. 

*Hinweis: Zum Vergrößern auf das Bild klicken* 


Der UVA mahnt: "Solche Inseln mit parkartigem, oft mehr als 100 Jahre alten bunten Baumbestand bestehen vor allem in den Bereichen, die jetzt aufgrund der Eigentümer-Wünsche intensiver genutzt werden sollen. Diese Bauminseln sind wichtige innerörtliche Biotopsbereiche für Flora und Fauna und gleichzeitig ein städtebauliches Gliederungselement, das die Wertigkeit eines Siedlungsgebiets wie Wimm erheblich verbessert."

Bei den jetzigen Verdichtungs-Absichten sei es essentiell, die Ansprüche der Allgemeinheit zur Sicherung ihres Wohnumfeld mit den Ansprüchen von Einzeleigentümern zur Hebung ihres Grundstückswerts abzuwägen und möglichst in Einklang zu bringen. 

Bei den beiden vorliegenden Antragsflächen befürchtet die UVA, dass massiv in alten Baumbestand eingegriffen werde, weswegen der UVA frühzeitig Bedenken gegen die beiden Bebauungsplanänderungen in der beantragten Form erhebt.

Häufungen von Bebaunngsplanänderungen in Trostberg? 

Zudem sei dem UVA aufgefallen, dass sich die Bebauungsplanänderungen in Trostberg häufen würden, was der Verband kritisch sehe: "Das Vertrauen in die Stadt und die Bebauung wird schwinden, wenn je nach Bedarf geändert werden kann, wie es dem Gremium beliebt."

Darüberhinaus hätten die damaligen Bewerber für ihren Grund viel Geld hinlegen müssen, die mit geplanten Maßnahmen wie diesen zu einer laut UVA "Abwertung des Baugrunds" führen würde: "Wenn der Besitzer seinen Grund an einen Investor verkaufen will, dann sollte nicht das Einzelinteresse im Vordergrund stehen, sondern das Gemeinwohl der dortigen Bewohner." 

Der UVA sehe durchaus Möglichkeiten einer baulichen Verdichtung im Bereich Wimm und begrenzt auch auf den beantragten Grundstücken. Hierzu müsse aber eine "sorgfältige städtebauliche und vor allem landschaftsplanerische Bestandsaufnahme" durchgeführt werden, mit der einerseits die erhaltenswerten grünordnerischen und ökologischen Strukturen sowie andererseits die Möglichkeiten einer städtebaulichen Verdichtung und Strukturierung festgestellt werden und hieraus ein planerisches Konzept entwickelt werde. 

Diese Bestandsaufnahme müsste mindestens die Änderungsgrundstücke und ihre unmittelbare Nachbarschaft umfassen, sie sollte beispielsweise gleich den Bereich Wimm-Mitte oder sogar Gesamt-Wimm umfassen. 

"Dies würde nicht nur den ökologischen Wert des Siedlungsgebiets sichern, sondern auch den Wohnwert samt Grundstückswert der gesamten Siedlung heben und läge damit im Interesse der Allgemeinheit wie auch der einzelnen Grundstückseigentümer", lautet der abschließende Appell der UVA. 

Pressemitteilung UVA/mb

Quelle: chiemgau24.de

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