Debatte in der Trostberger Bürgerversammlung 2019

Traunsteiner Straße 4 bis 10: "Ein Saustall, so viel Geld in Bruchbuden zu stecken"

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Die Häuserzeile 4 bis 10 in der Traunsteiner Straße soll saniert werden. 
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Trostberg - Wünsche, Anliegen, Aussprachen - dieser Punkt am Ende der Bürgerversammlung gibt einen Einblick, was sich die Bürger wünschen. In Trostberg kam die Sprache zur späten Stunde schnell auf eine alte Bekannte:

Die marode Häuserzeile in der Traunsteiner Straße 4 bis 10 ist vielen Trostbergern schon lange ein Dorn im Auge. Was Hans Eder allerdings massiv auf die Palme bringt, ist die anstehende Sanierung im Bestand, die die Stadt Ende 2018 beschlossen hat: "Drei Millionen zu investieren, das ist in meinen Augen eine reine Verschwendung von Steuergeldern. Für mich ist das ein Saustall, so viel Geld in diese Bruchbuden zu stecken", wetterte der Trostberger am Dienstagabend des 12. Februars bei der Bürgerversammlung 2019. 

Dabei wolle Eder keine Kritik an Stadtrat und Bürgermeister üben, er prangerte vorwiegend die "Unfähigkeit von Landratsamt und Regierung von Oberbayern in punkto Denkmalschutz" an. "Der Stadtrat wurde doch erpresst mit den Umständen, dass die Häuser erhaltenswert sind - was daran ist erhaltenswert und denkmalgeschützt? Höchstens ein Geländer in einem der Gebäude. Das ist ein Unsinn dieses  Häuser sanieren zu wollen und die Kosten werden sicher noch steigen. Ich sehe hier schon eine kleine Klosterkirche Traunstein auf uns zu rollen." 

Schleid: "Kampf gegen Windmühlen" 

Mit seiner Kritik rannte Eder offene Türen bei Karl Schleid ein, denn der kämpfe seit er Bürgermeister der Stadt Trostberg sei, seit Jahren für Abbruch und Neubau der Häuser in der Traunsteiner Straße. Die Tatsache, die jedoch auch die Behörden in den Fokus gerückt hätten: Die Häuser seien laut Schleid schon immer denkmalgeschützt gewesen und würden die ehemalige Trostberger Vorstadt wiederspiegeln - ein Abriss würde dies zerstören. 

"Ich habe lange und laut für einen Abriss plädiert - am Ende aber musste auch ich einsehen, dass es ein Kampf gegen Windmühlen ist und eine Sanierung wohl die bessere wirtschaftlichere Lösung darstellt - zumal der Stadt dafür Fördermittel durch die Denkmalpflege und die Städtebauförderung in Aussicht gestellt wurden", erklärte Schleid die Entscheidung des Rats. "Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach. Ich hoffe, dass wir die Häuser nun einer sinnvollen künftigen Nutzung zuführen können."  

Langfristig sollen hier die Räumlichkeiten des neuen sozialen Beratungs- und Begegnungszentrum "SozialRaum Trostberg", einziehen.  

Die maroden Häuser in der Traunsteiner Straße 4 bis 10. 

Unterstützung in seinem Anliegen bekam Eder von einem weiteren Mitbürger, Wolfgang Bamler: "Ich sehe das genauso und frage mich schon die ganze Zeit, ob wir hier nicht mit einem Bürgerentscheid die Entscheidung noch kippen könnten? Für jeden Scheiß gibt es heutzutage ein Bürgerbegehren - aber hier scheint das nicht möglich zu sein?" 

Bürgermeister Schleid betonte, auch er hegte bereits ernsthafte Gedanken daran, ein Ratsbegehren von Seiten der Stadt ins Rollen zu bringen. "Doch hier gibt es rechtlich leider keine Möglichkeit, denn das Ganze ist ein Gesetzgebungsthema und fällt nicht in den Zuständigkeit der Stadt." 

Auch wenn die Sanierung im Bestand nicht jedermann gefalle, Bürgermeiser Schleid erklärte zum Schluss, dass er jetzt die wage Hoffnung habe, dass "der ein oder andere Trostberger Hausbesitzer sein eigenes Gebäude betrachtet und ins Grübeln kommt, ob eine Sanierung nicht doch sinnvoll wäre, wenn er am Beispiel Traunsteiner Straße sieht, die Stadt tut etwas für Investitionen und greift auch finanziell unter die Arme". Der Satz "Eigentum verpflichtet" gehöre für Schleid bei dieser Debatte dazu. 

Schleid hoffe abschließend, dass mit der Sanierung und Erneuerung der maroden Häuser das Gesicht Trostbergs wieder besser zum Ausdruck gebracht werden könnne - wofür er abschließend Applaus aus den Zuhörerreihen der Bürger erntete. 

Über Sinn und Unsinn des Projekts: 

Über die weiteren Themen und Inhalte der Trostberger Bürgerversammlung 2019 berichten wir gesondert. 

mb

Quelle: chiemgau24.de

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