Braucht Trostberg eine Sicherheitswacht?

Schleid wehrt sich gegen schlechter werdenden Ruf der Stadt

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"Es ist einfach nicht der Fall, dass die Drogensucht oder Ähnliches bei uns in gravierendem Maße zugenommen hat", so Bürgermeister Karl Schleid auf der Stadtratssitzung am Mittwoch.
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Trostberg - Die Polizei will auch in Trostberg eine Sicherheitswacht - ein Grund zur Panik sei dies aber nicht: Bürgermeister Schleid wehrte sich mit deutlichen Worten, gegen einen schlechter werdenden Ruf der Stadt. *Mit Voting*

Es war eine Wortmeldung von Stadtrat Franz-Xaver Obermayer, die Bürgermeister Schleid am Mittwoch so auf Touren brachte. Obermayer fand es "traurig", dass sich "bestimmte Gesellschaftsschichten" immer mehr auf Plätzen, in Tiefgaragen oder in Parks aufhalten, dort für Dreck sorgen oder ihre Autos grundlos laufen lassen würden - "das hat stark zugenommen". Schleid konterte: "Solche Übertreibungen sind einfach schädlich für die Stadt!"

"Es ist einfach nicht der Fall, dass die Drogensucht oder Ähnliches bei uns in gravierendem Maße zugenommen hat. Ich habe mit der Polizei gesprochen, das stimmt nicht. Ja, es gibt diese Szene, aber wir sollten die Probleme nicht großreden", so der Bürgermeister: "Ich wurde letztens sogar gefragt, ob man bei uns seine Kinder noch auf die Schule schicken könne - das ist doch erschreckend!" Zuletzt diskutierte der Stadtrat im Dezember breit über Drogen- und Gewaltprobleme bei der heimischen Jugend.

Polizei und Sicherheitswachtlerin stellten Konzept vor

Ein Foto der Rosenheimer Sicherheitswacht.

Der eigentliche Aufhänger war im Trostberger Stadtrat die mögliche Einführung einer Sicherheitswacht, angestoßen von der Polizei: Einheitlich uniformierte Bürger, die für die Polizei Streife gehen. Sie dürfen Platzverweise erteilen, renitente Personen festhalten oder Ausweise verlangen und stehen in Funkkontakt mit den Beamten. Vor allem in den vorigen Jahren will die Polizei immer mehr Sicherheitswachten lokal verankern: In Burghausen, Freilassing, Burgkirchen, Traunstein, Rosenheim und Waldkraiburg gibt es sie in der nächsten Umgebung schon. 

"Die Sicherheitswacht ist ein Bindeglied zwischen Polizei und Bevölkerung", so Josef Bernhart von der örtlichen Polizeiinspektion. Wie auch schon in anderen Städten zuvor, berichtet die Burghauserin Rita Blum von der alltäglichen Arbeit bei der Sicherheitswacht: "Oft geht es auch nur um die kleinen Dinge, alten Leuten in den Bus helfen oder Aufkleber vom Laternenmasten reißen." In eine kritische Situation kam sie noch nie.

Trotz Skepsis Stadträte aufgeschlossen

Noch hat sich der Trostberger Stadtrat nicht entschieden, ob auch hier eine Sicherheitswacht eingeführt werden soll. Die Ratsmitglieder zeigten sich aber überwiegend positiv von der Idee: "Mir gefällt das gut, aber ich will nicht, dass dafür irgendwann bei der Polizei in Trostberg eingespart wird", so beispielsweise Irmgard Leineweber. Nur Karl Heinz Boxhammer sprach sich offen gegen die Sicherheitswacht aus, die Polizei gebe - wie schon bei der Verkehrsüberwachung - immer mehr Aufgaben ab. 

Rita Blum von der Burghauser Sicherheitswacht berichtete dem Stadtrat von ihrer Tätigkeit.

Sollte sich der Stadtrat in der kommenden Sitzung dafür aussprechen, werden mindestens acht Sicherheitswachtler gesucht - Männer und Frauen im Alter zwischen 18 und 62 Jahre. Unterwegs ist man immer paarweise, zehn bis 15 Stunden im Monat. Ein Wohnsitz in Trostberg und die deutsche Staatsangehörigkeit sind keine Voraussetzung, dafür ein gutes Führungszeugnis. Vor Beginn bekommen die Sicherheitswachtler noch eine vierzigstündige Ausbildung von der Polizei. Die Mitglieder erhalten eine Aufwandsentschädigung von acht Euro pro Stunde.

Nicht immer tut sich die Polizei so einfach, neue Sicherheitswachten zu gründen. In Traunstein scheiterte ein erster Anlauf an geeigneten Bewerbern. In Waging sucht man beispielsweise schon seit Ende 2016 nach Interessenten, auch in Mühldorf und Laufen ist eine Sicherheitswacht - trotz grünem Licht der Stadträte - noch nicht zusammengekommen. 

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Quelle: chiemgau24.de

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