Psychologin belastet Vater 

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Traunstein/Trostberg - Der Missbrauch-Prozess gegen einen 56-Jährigen wird heute fortgesetzt. Die erste Zeugin am Mittwoch berichtete von einer eindeutigen SMS des Vaters an seine Tochter.

Update: Prozess am Mittwoch fortgesetzt

Der vierte Prozesstag begann mit der Aussage einer Psychologin (31), die von 2008 bis 2009 als vom Jugendamt bestellte Betreuerin mit der Familie gearbeitet hat. Zunächst habe sie mit der Mutter gearbeitet, die aber nur widerwillig zu der Betreuung bereit war. Auch habe sie Gespräche mit dem Vater gehabt, jedoch nicht in Form einer psychologischen Betreuung.

Bei den Gesprächen mit der Tochter versuchte die Psychologin die dramatischen Erlebnisse in der Familie aufzuarbeiten. Die Mutter wehrte sich nach Aussage der 31-Jährigen jedoch auch gegen diese Zusammenarbeit mit ihrer Tochter.

Zwar ging es bei der psychologischen Betreuung der Tochter nicht primär um die sexuellen Übergriffe, jedoch seien auch diese zur Sprache gekommen. Über das mutmaßliche Opfer und das Jugendamt habe die Psychologin von Zungenküssen, Begrabschungen und "Streicheleinheiten" seitens des Vaters erfahren.

Bei ihrer letzten gemeinsamen Sitzung im Jahr 2009 zeigte ihr die Tochter eine SMS. Dort habe gestanden: "Ich hole dich ab - aber was kriege ich denn noch schönes außer Massagen?". Die Psychologin brachte diese SMS klar mit dem Vater in Verbindung.

Kurze Zeit nach dieser Sitzung veranlasste das Jugendamt den Auszug der Tochter aus der familiären Wohnung.

Nach der Aussage der 31-Jährigen, reichte die Verteidigung sechs Beweisanträge ein, von denen das Gericht jedoch nur drei Anträge stattgegeben hat. Durch diese Anträge wurden zusätzlich noch zwei Zeuginnen der Verteidigung vorgeladen, die am Nachmittag ihre Aussage machten.

Danach präsentierte die Sachverständige Gabriele Martin aus München das Glaubwürdigkeits-Gutachten der Tochter. Sie sei nicht der Meinung, dass die Tochter die sexuellen Dinge hätte erfinden können.

Da am Mittwoch die Plädoyers nicht mehr gehalten werden konnten, musste ein weiterer Prozesstag für den Freitag, 15. Juni, anberaumt werden.

Jahrelanger Missbrauch in der Familie?

Angefangen hat alles im Februar 2001, in der Trostberger Wohnung der Eltern: Damals soll das Kind des Angeklagten ein Kondom gefunden haben, woraufhin der 56-Jährige seine Tochter aufgefordert haben soll, sein Geschlechtsteil anzufassen. Anschließend soll er zu dem achtjährigen Mädchen gesagt haben, er liebe sie mehr als seine Frau.

In den folgenden Jahren soll es immer wieder zu sexuellen Übergriffen wie Oralverkehr und andere Handlungen gekommen sein. Er soll seine Tochter (heute 19) dabei auch erpresst haben, um sie zu diesen Handlungen zu zwingen.

Am dritten Prozesstag am Dienstag sagte das mutmaßliche Opfer aus, die laut der Anklageschrift in mindestens 500 Fällen zu sexuellen Handlungen mit ihrem Vater gezwungen wurde. Ihre Schilderung machte sie unter Ausschluss der Öffentlichkeit und mit einer optischen Abtrennung zum Angeklagten.  

Zuvor hatte eine Mitarbeiterin vom Jugendamt ihre Aussage gemacht, die Gespräche mit der Tochter in Anwesenheit des Vaters geführt hat. Nach Ansicht der Jugendamts-Mitarbeiterin habe der Vater bei diesen Gesprächen bereits Teilgeständnisse abgelegt. Er habe damals zugegeben, dass er die Brust der Tochter angefasst und ihr einen Zungenkuss gegeben hat.

Der Angeklagte sagte an den vergangenen Verhandlungstagen, dass er sich nicht mehr als eine lockere Erziehung vorwerfen könne. Neben der 19-Jährigen hat der Mann noch einen 16-jährigen Sohn und eine 11-jährige Tochter, zu denen er uneingeschränkten Umgang pflegt.

ps/mg

Quelle: chiemgau24.de

Zurück zur Übersicht: Region Burgkirchen/ Garching

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser