Ausstellung zum Anfassen, Mitmachen und Erinnern

Wie das Arbeiten einmal war

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Josef Krieger erläutert Bürgermeister Schupfner und weiteren Eröffnungsgästen den Brauvorgang.

Tittmoning - Die "Geschichte der Arbeit" ist so lang wie die der Menschheit. Dass zum Scheitern verurteilt wäre, wer sie erzählen wollte, war auch Josef Wittmann klar, der in der Burg Tittmoning eine Ausstellung mit diesem Titel konzipiert hat.

Ein "ganz kleines Eckerl" habe er aus dem großen Thema herausbrechen wollen, bekannte er in seinen einführenden Worten bei der Eröffnung am Mittwochabend, und statt auf dicht gedrängte Exponate und Informationsfülle setze man auf die Symbolkraft des Gezeigten. So lässt ein Gang durch die Räume, in denen Ackerbau, Viehzucht und Holzwirtschaft sowie Brauereiwesen, Druck, Büro und Bauwesen einst und jetzt präsentiert werden, viel Raum für eigene Erfahrungen, Erinnerungen und Geschichten. Und fürs Erleben, denn es ist eine Ausstellung zum Anfassen, die vielfältige Möglichkeiten bereithält, alte Arbeitsgänge selbst zu erproben und zu spüren.

Gelungene Interreg-Zusammenarbeit 

Erster Bürgermeister Konrad Schupfner eröffnete am für dieses Thema passend gewählten Tag der Arbeit die erste Ausstellung der diesjährigen Museumssaison in Anwesenheit seiner beiden Stellvertreter, mehrerer Stadträte, des Ortsheimatpflegers und zahlreicher Mitglieder der Tittmoninger "Künstlerfamilie". Neben Richard Ruhland, dem Leiter des Museums Rupertiwinkel, dem er für die Bereitstellung zahlreicher Exponate aus der örtlichen Sammlung dankte, begrüßte Schupfner außerdem Frau Dr. Ebner, die das Museum Golling im Tennengau leitet. Zum vierten Mal nämlich verbindet Tittmoning und die Interreg-Partnergemeinde Golling mit diesem Projekt eine grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Der Austausch von Ausstellungsgegenständen bereichert die Tittmoninger Schau um einige sehenswerte Exponate besonders im Bereich des Druckwesens, während gleichzeitig die Tittmoninger Sammlungen einiges zur Jagdausstellung "Weidmannsheil" in Golling beisteuern konnten.

Schupfner bedankte sich bei den Projektpartnern für die angenehme Zusammenarbeit und bei allen Beteiligten für ihren Einsatz. Mit persönlichen Worten schilderte er die eindrucksvollen Veränderungen in allen gezeigten Bereichen von der Handarbeit zur Technisierung. Besonders erfreut zeigte er sich darüber, dass auch das Brauwesen in der Ausstellung berücksichtigt wurde.

Kaum einer wisse, dass es früher einmal sieben Brauereien in Tittmoning gab.

Einzig von der Brauerei Krieger, die Anfang der 70er Jahre als letzte den Betrieb einstellte, zeuge bis heute eine Aufschrift an der Stadtplatzfassade.

Passende Musik zur Zeitreise durch die Arbeit Die musikalischen Beiträge zur Eröffnung hatten Josef und Bernadette Irgmaier wieder einmal bestens aufs Thema abgestimmt: Nach einer Version für Triangel und Klavier von Leroy Andersons "Typewriter Concerto", das in Rhythmus und Klang eine mechanische Schreibmaschine imitiert, hörten die Eröffnungsgäste das Lied "Lebn und Arbat" (Wittmann/Irgmaier), in dem wie in der Ausstellung Gestern und Heute gegenübergestellt werden, und zuletzt die bekannte italienische Volksweise "Bella ciao", deren ursprünglicher Text von den Mühen der Arbeit auf den Reisfeldern bei Bologna erzählt.

Derart eingestimmt, machten die Besucher sich dann auf eine kleine Zeitreise durch die verschiedenen Arbeitsbereiche in den Sälen der Ausstellung. Die großen Maschinen und hoch technisierten Geräte, mit denen heute in Land-und Forstwirtschaft gearbeitet wird, bilden als große Fotos an den Wänden des Prälatenstocks die Kontrastfolie, vor der historisches Arbeitsgerät seinen Platz findet.

Originalwerkzeuge, teils von heimischen Handwerksbetrieben, teils aus Privatbesitz, können in die Hand genommen und ausprobiert werden.

Es gibt Stationen zum Holzsägen, Dreschen mit Holzflegel und zum Dengeln einer Sense, historische Aufnahmen von der Kornernte, im Hintergrund die Silhouette der Stadt, dazu Bilder von bestens erhaltenem altem Bundwerk - und von Hydraulikpflug und selbstfahrendem Futtermischer in aktueller Landwirtschaft, vis à vis zur Hainzelbank, auf der einmal Holzschindeln von Hand hergestellt wurden.

Gerstenmalz und Bleilettern 

Im Fürstenstock werden auf drei Etagen Brauereikunst, Druck- und Bauwesen aus alter Zeit anschaulich: in Original-Biermarken und –krügen, auf Schautafeln zum Brauvorgang, an Gersten-und Weizenmalz, das probiert werden kann, und altem Zapfzeug; in Lithografien, denen der Original-Druckstein zur Seite gestellt ist, einem alten Setzkasten mit Bleilettern, mechanischer Schreibmaschine und Rechenschieber. Im Audienzsaal hätte man sich die Originalmodelle der beiden Holzbrücken aus Golling und Tittmoning gewünscht anstelle der (zugegeben: auch eindrucksvollen) Fotos. Doch da dieser Raum immer wieder auch für Trauungen genutzt wird, musste auf die Aufstellung von Vitrinen verzichtet werden.

Maurerkelle und Hobel, Sense und Wasserwaage haben natürlich bis heute noch ihren Platz in vielen Haushalten, vor allem im ländlichen Raum, und so mag man sich an mancher Stelle fragen: Warum dafür in eine Ausstellung gehen? Das Geheimnis steckt wohl weniger in als vielmehr zwischen den verschiedenen Exponaten. Da ist viel Raum gelassen für eigene Geschichten und Erinnerungen, und da werden Bezüge gesetzt durch Blickachsen, die nachdenklich machen. Am Eröffnungsabend waren die Ausstellungsräume in kürzester Zeit gefüllt mit angeregten Gesprächen und an dieser Stelle ungewohnten Geräuschen (vom Dreschen, Sägen, Dengeln) - und das war offenbar gewollt. "Die Geschichte der Arbeit ist Ihre Geschichte. Nur Sie können sie wirklich erzählen", hatte Ausstellungmacher Wittmann den Gästen mit auf den Weg gegeben.

Die Ausstellung ist noch bis 14. Juni jeweils dienstags bis freitags von 14 -17 Uhr geöffnet. Weitere Informationen bei der Tourist Info 08683/700710 oder unter anfrage@tittmoning.de 

Gerda Poschmann-Reichenau

Quelle: chiemgau24.de

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