Vernissage im Kulturhaus Holzapfel

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v.l.n.r. Gastgeberin Erika Holzapfel, Christine Bandmann, Sabine Gerstacker und Dr. Hiltrud Oman

Tacherting - Innerlichkeit und Expressivität im anregenden Dialog: Die Ausstellung der Künstlerinnen Gerstacker und Bandmann feierte Eröffnung.

Gerstacker & Bandmann - Durch Wechselspiel ins neue Licht

Wer am vergangenen Samstagabend den Weg ins idyllisch gelegene Kulturhaus Holzapfel nahe Tacherting fand, konnte einen beschwingt-fröhlichen „Kunst-Apero“ miterleben, der die Seele zum Klingen brachte. Christine Bandmann aus Lofer, die sich in ihrer österreichischen Heimat u.a. durch ihren Beitrag zum Leoganger Skulpturenweg und durch Austellungsbeteiligungen in Salzburg einen Namen gemacht hat, und Sabine Gerstacker aus Laufen, die außer in München und Salzburg auch in Italien studiert und an all diesen Orten bereits Auszeichnungen erhalten hat, präsentieren im hohen, lichten Ausstellungsraum des Anwesens in Oberbrunnham auf Einladung der Hausherrin Erika Holzapfel noch bis 21. Juli eine gemeinsame Schau ihrer Werke. Diese bringt im Wechselspiel der Gegensätze unerwartete Gemeinsamkeiten zum Vorschein und lässt das jeweilige Werk in neuem Licht erscheinen.

Die Komposition der Gegensätze

Das Buchstabenhaus von Christine Bandmann – im Hintergund „Pantha Rhei“ von Sabine Gerstacker

Die an den Wänden gehängten, dynamisch-expressiven, farben- und lebensfrohen Großformate Sabine Gerstackers in Öl auf Leinwand treten mit Christine Bandmanns meist in Naturfarben gehaltenen, fast meditativ anmutenden Keramikobjekten in einen Dialog, der den Betrachter sensibilisiert für die großen Differenzen, in deren Koordinatensystem Bildende Kunst sich positioniert: Horizontale und Vertikale, Volumen und Fläche, Form und Farbe, Bewegung und Ruhe, Abstraktion und Gegenstand… Dass Gerstacker mit ihren kleinformatigen, quadratischen Collagen noch zusätzlich das Gegensatzpaar Groß vs. Klein bzw., wie es in der Einladung heißt, „Giganten & Miniaturen“ eröffnet, verleiht der Schau eine zusätzliche Dimension, die zum genauen Hinsehen im Detail einlädt. Zunächst aber ist man beim Betreten des einzigen, großen Ausstellungsraums, beeindruckt von der Gesamtkomposition der Ausstellung.

Im Bann der Malerei

Hell und licht: Das Kulturhaus Holzapfel bietet den idealen Rahmen für diese Doppelausstellung

Schon als einzelne Kunstwerke ziehen Sabine Gerstackers großformatige, abstrakte Ölbilder den Betrachter in ihrer brillianten Farbigkeit, in die sich in den neueren Arbeiten auch ungewohnt gedeckte Töne und in die Farbe geritzte Ornamente mischen, ebenso in ihren Bann wie Christine Bandmanns auf dem Boden davor ruhende „Bolliden“, massig-runde Hohlkörper mit unterschiedlicher Oberflächengestaltung, oder ihre „Lemniskaten“, dreidimensional gestaltete Band-Schleifen ohne Anfang und Ende in Form einer liegenden Acht. Beides sind Objekte von großer Sinnlichkeit, die nach Berührung verlangen, was die Künstlerin ausdrücklich erlaubt. Eher zum Ansehen und meditativen Versenken verlocken Bandmanns hier zum ersten Man als Serie ausstellte „Seelenhäuser“, mehr Körper als Gebäude, deren einzige Öffnung mit Bienenwachs verschlossen ist. Gerstackers Miniatur-Collagen auf aquarelliertem Hintergrund oder Leinwand, so spielerisch-leicht sie auch wirken, stellen jede für sich ein genau komponiertes Zusammenspiel von Formen, Farben und Materialien dar. Die „Kaskade“ schließlich, die als einziges Objekt Bandmanns an der Wand hängt, erzielt trotz deutlicher Dreidimensionalität der schotenförmigen Einzelteile eine Bildwirkung und umspielt so die Grenzen zur Malerei. Ihr ganzes Potential aber entfalten die so verschiedenen Werke, und das ist das Verdienst der sensibel gestalteten, überzeugenden Ausstellung, im Echo, das sie im je anderen erzeugen.

Dynamischer Rhythmus neben „leisem, reinem Objekt“

Sabine Gerstacker und Christine Bandmann (v.l.n.r.) dankten Laudatorin Dr. Hiltrud Oman (ganz re.) und Gastgeberin Erika Holzapfel herzlich

Die Salzburger Kunsthistorikerin Dr. Hiltrud Oman wies bei der Vernissage darauf hin, dass sich Gerstacker und Bandmann nicht zum ersten Mal zusammengetan haben. Trotz der Unterschiedlichkeit ihrer Disziplinen, Werkstoffe und auch Temperamente gebe es Parallelen in den Biografien, in künstlerischer Entwicklung und Selbstverständnis der beiden Frauen. Für beide sei Ausgangspunkt und Vorbild ihrer abstrakten Arbeiten die Natur, von wo aus die eine den Weg nach innen, die andere den Weg nach außen beschreite. Das Motiv des Fließens als Werden und Vergehen etwa sei in Gerstackers großformatigem „Pantha Rhei“ ebenso Thema wie in Bandmanns „Kaskade“. Einfühlsam gab Oman den Betrachtern mit Bezügen zu Kunstgeschichte, Philosophie und Mythologie Mittel zur Hand, sich auch andere Exponate zu erschließen. Der dynamische Rhythmus der an den Stirnseiten dominierenden Ölbilder „Marc O’Polo“ und „Hoch hinaus“, so erläuterte sie, sei Resultat einer mit großer Sicherheit gestalteten Farb- und Formkomposition, zu der sie Sabine Gerstacker beglückwünschte. Nur scheinbar nämlich seien diese Werke spontan hingeworfen. In Wahrheit erfordere die Öltechnik sorgsam geplantes Vorgehen bei langen Trockenzeiten der einzelnen Farbschichten. Was die Keramik-Objekte betrifft, so ermunterte Oman zu deren sinnlichem Erfassen im wörtlichen Sinn, um die innere Bewegung etwa der Lemniskaten mit eigener Hand nachzuspüren. Die Seelenhäuser würdigte sie als ganz besondere Form der Mitteilung: Das „leise, reine Objekt“ lasse durch die monotone Außenhaut keinerlei Unruhe aufkommen und lade ein, sich hineinzuträumen. Die überdimensionale Keramik-Apfelhälfte, die aus den Arbeiten Bandmanns in ihrer klaren Gegenständlichkeit deutlich heraustritt, erklärte Oman als Hommage Bandmanns an die Gastgeberin Erika Holzapfel, welcher Dank dafür gebührt, diesen anregenden Dialog in so idealem Rahmen ermöglicht zu haben. Zu jazzigen Klängen der „Django-Partie“ klang der gelungene Kunst-Apero im Hof dieses besonderen Anwesens aus.

Kulturhaus Holzapfel, Oberbrunnham 20, 83342 Tacherting

www.kulturhaus-holzapfel.de

7. bis 21. Juli, Fr. Sa. So. 15-19 Uhr

Pressemitteilung Gerda Poschmann-Reichenau

Quelle: chiemgau24.de

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