Alz: Über 80 Prozent der Fische sind tot

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Mitarbeiter des Büros für Naturschutz-, Gewässer- und Fischereifragen bei Sedimentprobennahmen. Der Abbau des Amins in den Sedimenten ist Voraussetzung für eine Wiederbesiedlung mit Fischen.

Burgkirchen - Wie groß ist der Fischschaden nach dem Chemie-Unfall an der Alz wirklich? Was muss jetzt gemacht werden? Einen Überblick gab heute der Sachverständige Dr. Kurt Seifert:

Einen Überblick über die Untersuchung und Bewertung des Fischschadens durch den Alz-Unfall hat der öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige für Fischereischäden Dr. Kurt Seifert vom Büro für Naturschutz-, Gewässer- und Fischereifragen bei einem Runden Tisch mit Fischerei-Berechtigten im Industriepark Werk GENDORF gegeben.

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Derzeit ermitteln Seifert und seine Mitarbeiter unter anderem den unmittelbaren Schaden durch den Schadstoffeintrag sowie den genauen räumlichen Umgriff des Fischsterbens. Nach derzeitigem Kenntnisstand muss von einer direkten Fischsterblichkeit von über 80 Prozent ausgegangen werden. Betroffen sind nach Angaben Seiferts alle vorkommenden Fischarten der Alz. In welchem Ausmaß zusätzlich eine indirekte Schädigung durch den Ausfall von Laichfischen bzw. Fischnachwuchs für Alz und Inn zu verzeichnen ist, darüber werden Schätzungen vorgenommen. Im Hinblick auf eine Wiederbesiedlung mit Fischen empfiehlt Seifert den frühzeitigen Beginn des Bestands-Wiederaufbaus. Voraussetzung hierfür ist, dass keine toxikologisch wirksamen Schadstoffmengen im Sediment mehr vorhanden sind und ausreichend Fischnährtierbestände als Nahrungsgrundlage vorliegen.

Das Unglück in der Alz in Bildern

Fische verenden immer noch in der Alz

Fischsterben in der Alz - Pressekonferenz

Brand in Gendorf

Als positives Zeichen wertete Seifert deshalb die Information, dass bereits wieder Algenwachstum beobachtet wurde. Zur zeitlichen Dauer der Wiederherstellung eines fischereilichen Zustandes, der dem Vorzustand vergleichbar ist, konnte Seifert noch keine genaue Auskunft geben: „Es gibt Fischarten, deren Bestände durch künstlichen Besatz innerhalb weniger Jahre wiederhergestellt werden können. Bei anderen Arten, wie beispielsweise Nasen und Barben, kann dies längere Zeit in Anspruch nehmen.“ Auch äußere Umstände, wie Hochwasser, welche die eingesetzten und noch nicht eingewöhnten Fische flussabwärts verdriften, oder der Einfluss fischfressender Vögel auf die Besatzfische könnten die Wiederbesiedlung nachteilig beeinflussen, so Seifert.

Video aus dem Archiv:

Vorschläge zum Wiederaufbau von seltenen Arten kamen auch aus den Reihen der Fischer: Fischarten wie die Mühlkoppe oder Elritze könnten aus bevorstehenden Bachauskehren gewonnen werden. Grundsätzlich sei es besonders wichtig, naturnah aufgewachsene Fische aus der Region anzusiedeln, da diese höhere Überlebenschancen aufweisen würden. Zusätzlich rechnen die Fischer sowohl mit einer Zuwanderung aus der Alz oberhalb des Werkes als auch aus dem Inn, wenn wieder ausreichend Nahrung vorhanden ist.

Die Untersuchung und Bewertung der Fischereischäden durch Dr. Kurt Seifert wird Grundlage für Schadenersatzleistungen sein.

Pressemitteilung Industriepark Werk GENDORF

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