Fünf Tote aus der Region bei Bergunfall in Krimml

Hüttenwirt warnte Bergsteiger noch am Vorabend der Tragödie

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Krimml/Burgkirchen - Drei Tage nach dem schrecklichen Bergunglück mit fünf Toten und einem Schwerverletzten sickern in Österreich nun neue Details zur Ursache und zum Hergang durch.

Im Österreichischen Rundfunk (ORF) hat sich nun Gletscherexperte Heinz Slupetzky zu Wort gemeldet und schlug bei seiner Analyse diesselbe Richtung ein wie dies tags zuvor bereits der renomierte Bergführer Michael Larcher getan hatte. Auch Slupetzky meint, dass das Seil in solchen Situationen wie am Sonntag am Gabler nur bedingt hilfreich ist: "Solche Verhältnisse erfordern große Umsicht und Erfahrung. Das Seil kann das Risiko nur dann vermindern, wenn es richtig gehandhabt wird." Das sei in diesem Fall jedoch nicht der Fall gewesen. Slupetzky sieht nur eine korrekte Lösung: "Diese Flanke gar nicht zu queren, umdrehen - das ist das Richtige, was man hätte machen müssen!"

Auch Wirt Hannes Kogler, in dessen Zittauer Hütte die sechs Männer in der Nacht vor dem Unglück von Samstag auf Sonntag nächtigten, hatte die Gruppe am Vorabend noch gewarnt. "Ich habe sie mehrmals darauf hingewiesen, dass momentan Richtung Gabler sehr anspruchsvolle bis schwierige Verhältnisse herrschen. So eine Tour ist nur etwas für erfahrene Hochalpinisten", sagte Kogler in einem TV-Interview mit dem ORF. Dem Portal salzburg.com erklärte der Hüttenwirt, dass die Gruppe auf ihn körperlich fit gewirkt und nach der Ankunft am Samstagnachmittag direkt noch eine Tour auf den Roßkopf unternommen hätte. Laut DAV handelte es sich bei den Opfern um "erfahrene Bergsteiger". Nach dem Unglück war dann die Polizei auf Kogler zugekommen und fand über Einträge im Hüttenbuch die Identität der Opfer heraus.

Sechs Tote bei Bergsteigerdrama in Österreich

Burgkircher (70) führte Gruppe wohl zum Unglückszeitpunkt

Inzwischen scheint klar, dass zum Unglückszeitpunkt der 70-Jährige aus Burgkirchen die Gruppe führte. "Ob er ein geprüfter Bergführer ist, ist noch unklar", sagte eine Polizeisprecherin in Salzburg am Dienstag. Fest steht nur, dass alle Teilnehmer Mitglieder im Deutschen Alpenverein (DAV) waren.

In den Heimatgemeinden der Toten und im Bergdorf Krimml ist die Trauer weiter groß. "Hier in Krimml herrscht nach dieser Tragödie eine Ausnahmesituation", sagte Bürgermeister Erich Cerny (ÖVP), der beim Schwammerlsuchen war, als die Tragödie passierte. Als er die Hubschrauber kreisen sah, "wusste ich schon, dass etwas Schreckliches passiert sein muss". Seit Montag weht vor dem dortigen Rathaus eine schwarze Fahne.

Auch Garchings Bürgermeister Christian Mende, der von seinem Burgkircher Amtskollegen Johann Krichenbaumer unterrichtet worden war, zeigte sich bestürzt: "Die Berge sind einfach wunderschön, aber eben auch sehr gefährlich." Mende kannte den 65-jährigen Toten aus seiner Gemeinde gut. Er sei ein richtiger Bergfex gewesen, hieß es.

Bergsteigerdrama in Österreich am Sonntagvormittag

Während sich die Familien, die am Montag mit einem vom Alpenverein organisierten Bus nach Mittersill gebracht worden waren, um in der dortigen Aussegnungshalle Abschied von ihren Liebsten zu nehmen, inzwischen um die Überführung der Leichen gekümmert haben, plant der Alpenverein eine Gedenkveranstaltung für die fünf Todesopfer. "Auch die Bergfreunde wollen würdig Abschied nehmen", sagte Günther Stautner, Chef der DAV-Sektion Burgkirchen. Einen Termin gibt es noch nicht. Am Freitag sollen die ersten drei Toten aber bereits beerdigt werden.

mw

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