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Guinness-Rekordler aus Garching

Franz Huber: „Wenn man gut gegessen hat, geht das Schwert ein paar Zentimeter weiter runter“

Franz Huber hält sein Schwert im Stadtpark in Mühldorf am Inn
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Franz Huber hält sein Schwert im Stadtpark von Mühldorf am Inn.

Das Hobby von Franz Huber aus Garching an der Alz ist anders als Inline-Skating, Tischtennis-Spielen oder Bergwandern. Der 40-Jährige Elektro-Installateur schluckt Schwerter aus Eisen. Wenn man ihn für eine Hochzeit bucht, spuckt er auch Feuer wie ein Drache. Wie schafft man das, ohne sich dabei zu verletzen?

Garching an der Alz - Gerade kommt Franz Huber frisch vom Gesangs-Unterricht bei Musik Enghofer in Mühldorf. Keine zehn Minuten später steckt er sich ein Eisen-Schwert durch den Rachen über die Speiseröhre bis zur Magengrube. Unfallfrei. Er trägt seine blaue Garde-Uniform und freut sich wie ein kleines Kind, dass er den Menschen zeigen kann, wozu er fähig ist. Franz Huber ist ein oberbayerischer Fakir.

Der Mann aus Garching ist echt. Authentisch. Ein Showman. „Meine Frau und ich haben in Las Vegas in der Wedding Chapel geheiratet und die Dokumente in Deutschland anerkennen lassen“, so der 40-Jährige. 2022 stellte er seinen fünften Weltrekord für das Guinness Buch der Rekorde auf. In der „Guinness Weltrekord Show“ in Mailand schluckte er am 10. Februar ganze 9 Schwerter kopfüber. Damit steigerte er seine eigene Bestmarke von 5 Schwertern (2016) über 7 Schwerter (2017) auf den neuen Spitzenwert. „Ich wurde zur TV-Sendung eingeladen. Eigentlich wollte ich noch die meisten Seilsprünge mit geschlucktem Schwert probieren. Doch dazu kam es dann leider nicht mehr“, so Huber. Es wäre sein sechster Weltrekord gewesen.

Franz Huber erzählt diese verrückten Dinge mit der größten Selbstverständlichkeit der Welt. Er hält zum Beispiel auch den Rekord für die meisten Liegestütze mit geschlucktem Schwert. „In Deutschland ist die Begeisterung der Leute für solche Showeinlagen begrenzter als in anderen Ländern - wie der USA. Dort findet meine Szene ein viel breites Publikum“, weiß Huber. Er kommt viel herum, weil überall auf der Welt Schwertschlucker-Wettbewerbe stattfinden. Die Kunstfertigkeit ist eine der ältesten und berühmtesten Jahrmarkt-Attraktionen überhaupt.

Eine Franz Huber Show in Las Vegas wie Siegfried & Roy?

Könnte er sich eine eigene „Franz Huber Fakir Show“ im Mirage in Las Vegas vorstellen - so wie Siegfried & Roy einst mit ihren bengalischen Tigern? „Nein, eher nicht“, wiegelt er lachend ab. „Ich fliege gerne in die Welt hinaus, komme aber mindestens genauso gerne nach Bayern zurück.“ Er ist ein Parade-Bayer, wie er im Buche steht. Darauf steht auch das Publikum im Ausland. Einmal flog er spontan nach London, um seinen größten Gegner zu treffen: Den Australier Chayne Hultgren. Der Tausendsassa aus Down Under kann Pfeile mit verbundenen Augen fangen. Beide können sich Fleischerhaken oder große Nägel in die Nase stecken. Hultgren hält 55 Guinness-Weltrekorde, „viele davon in den Kategorien Feuer und Jonglieren“, weiß Huber.

Franz Huber aus Garching im Steckbrief - Musik spielt auch eine wichtige Rolle

Seine Anfänge als Schwertschlucker und Sideshowartist reichen circa zehn Jahre zurück. Immer schon faszinierte ihn „was der menschliche Körper mit Willenskraft und Konzentration zu leisten im Stande ist, so wie z.B. bei den Shaolin-Mönchen oder Spitzensportlern.“

Huber ist gelernter Elektriker und arbeitet in Garching als Obermonteur. Seine Spezialgebiete: Anlagen-Wartung und Sicherheitstechnik. Er wohnt mit seiner Frau in einem kleinen Häuschen.

Seine Hobbys sind Sportkegeln, sehr viel Musik spielen bei meiner Band „Postamt Trio“, in den Blaskapellen „Andreasbläser Engelsberg“ und „Obinger Musikverein“ und anderen kleineren Musikgruppen. Gelegentlich komponiert und arrangiert er auch Musikstücke.

Wie gefährlich ist es, ein Schwert direkt am Herzen vorbei zu stecken?

Franz Huber weiß, dass es gefährlich ist, was er da macht. Akzeptiert das seine Frau? „Sie wusste, worauf sie sich einlässt, als wir uns kennengelernt haben.“ Und seine Familie musste einmal gehörig um ihn bangen. 2017 perforierte er mit einem Schwert die Speiseröhre im Halsbereich - beim Versuch, mehrere Schwerter gleichzeitig einzuführen. Huber musste auf die Intensivstation und durch die offene Stelle in der Speiseröhre gelangten Keime in seinen Körper, die eine Bauchfellentzündung auslösten.

Kerben und Kratzer am Schwert könnten den Garchinger verletzen

„Ich hatte Glück im Unglück. Alles heilte relativ schnell wieder aus. Die Speiseröhre muss von selbst zusammen wachsen und kann nicht genäht werden“, erinnert sich Huber an schwierige Zeiten. Was ihn - natürlich - nicht davon abhielt, so schnell wie möglich wieder Schwerter zu schlucken: „Am Anfang ist es der Würgereiz, den jemand überwinden muss, der die Kunst lernen will. Ich sage immer, das Schwert muss wie von selbst reinflutschen, ohne Widerstände.“ Gefühlssache eben. Der Garchinger schluckt auch gebogene Schwerter.

Nicht gut wäre es, wenn die Schwerter Kerben oder Kratzer vom Transport haben. Huber: „Das wirkt wie Widerhaken und kann zu Verletzungen führen.“ Seine Schwerter bastelt er sich in der Regel selbst. Er reinigt und desinfiziert sie regelmäßig. Vor dem Schwertschlucken wird das Schwert „zweimal symbolisch abgeschleckt“ - Teil des Rituals. Kann er den Magenboden spüren, wenn das Schwert nach unten geht? „Ja, und wenn ich viel gegessen und getrunken habe, lässt sich der Weg der Klinge strecken“, so Franz Huber. Der Magen liegt tiefer. Ein Witz, den er sich als Schwertschlucker immer wieder anhören muss, lautet: „Du musst dein Schnitzel im Bauch erst schneiden“.

-rok- / Video Schnitt: Heinz Seutter