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Ziehen Asylbewerber in den Gruberwirt?

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Werden im Gruberwirt in Halsbach bald Asylbewerber untergebracht?
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Halsbach - Über Jahre nutzten ihn Neonazis für Konzerte und Feiern. Nun könnte der Gruberwirt zu einer Asylbewerber-Unterkunft umfunktioniert werden.

Wo einst Neonazis feierten, könnten schon bald Flüchtlinge aus aller Welt Zuflucht finden. Im Gruberwirt, bis zu seiner Zwangsversteigerung vor rund einem Jahr von Rechtsextremen als Veranstaltungsort genutzt, könnten künftig Asylbewerber untergebracht werden. Dies regte Landrat Erwin Schneider beim Dreikönigstreffen in Halsbach an. Für Schneider wäre dies ein "symbolischer Akt", der vollende, was die Halsbacher mit ihrem Engagement gegen Rechts auf den Weg gebracht haben.

Für Oberbuchner ist es eine Selbstverständlichkeit, dass sich die Gemeinde für Asylbewerber engagiert - auch über den Aspekt der Unterbringung hinaus. "Man muss schauen, dass man sie integrieren kann", so der Zweite Bürgermeister. "Ich kann mir vorstellen, dass das in einer kleineren Gemeinden leichter ist." Konkret schwebt Oberbuchner vor, dass sich mögliche Asylbewerber in die örtlichen Vereine einbringen. Man höre schließlich überall, dass die Leute nicht wüssten, was sie tun sollen. In Vereinen, so Oberbuchners Plan, könnten die Asylbewerber mit anpacken. Johann Obermaier, der jetzige Eigentümer des Gruberwirts, ist Schneiders Vorschlag gegenüber offenbar positiv eingestellt. "Es ist durchgeklungen, dass er eventuell bereit wäre", sagt Oberbuchner. 

Im Moment wohnen Monteure im Gruberwirt

Über Jahre hatten Neonazis das frühere Gasthaus Gruberwirt als Veranstaltungsort für Feiern und Konzerte genutzt. Mit mehreren Demonstrationen, darunter eine "stille Demo" im Februar 2012, setzten die Halsbacher ein klares Zeichen gegen Rechts. Als der Gruberwirt schließlich zwangsversteigert wurde, ersteigerte ihn der Halsbacher Johann Obermaier für 325.000 Euro.

"Es war sicher keine kaufmännische Entscheidung", sagte Obermaier damals. Vielmehr wollte er erreichen, "dass die Halsbacher Bürgerinnen und Bürger zur Ruhe kommen". Die Sanierungsarbeiten nach der Versteigerung entwickelten sich zur Herkulesaufgabe. Der Vorbesitzer hatte die Heizanlage verkauft, sodass an eine gewerbliche Nutzung des Gebäudes nicht zu denken war. Das hat sich mittlerweile geändert, inzwischen wohnen im Gruberwirt in Kirchweidach beschäftigte Monteure. Oberbuchner ist zuversichtlich, dass der Gruberwirt dennoch Platz für mehrere Asylbewerber-Familien bietet.

Bald 550 Asylbewerber im Landkreis?

Für den Landkreis wäre eine Asylbewerberunterkunft in Halsbach eine große Entlastung. Aufgrund der stetig ansteigenden Flüchtlingszahlen sucht der Landkreis mit Hochdruck nach Unterkünften. Mit gut 200 Asylbewerbern sind die bisherigen Unterkünfte in Burghausen, Burgkirchen, Neuötting und Töging bereits voll belegt. Die Zahlen könnten sich im Laufe des Jahres mehr als verdoppeln, möglich ist gar, dass sich bis Ende 2014 550 Asylbewerber im Landkreis aufhalten werden. Als Notlösung wäre deshalb sogar denkbar, die landkreiseigenen Turnhallen für die Unterbringung heranzuziehen.

Wie Klaus Zielinski, Sprecher des Landratsamts Altötting, im Dezember erklärt hatte, sei die Suche nach Unterkünften ein "laufender Prozess", die Entwicklung sei "ständig fließend". Erst Ende Dezember war bekannt geworden, dass zwei Großfamilien aus dem Bürgerkriegsland Syrien in das Prälatenhaus in Altötting einziehen werden.

Was denken Sie? Sollte Halsbach ein Zeichen setzen und Asylbewerber im Gruberwirt aufnehmen? Oder sehen Sie bei der Unterbringung von Asylbewerbern zuvorderst die größeren Kommunen des Landkreises in der Pflicht?

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