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Bahn-Ausbau ABS 38

DB-Projektleiter Althaus: „Flüsterbremsen, Elektro-Züge und Lärmschutzwände haben eine große Wirkung“

Michael Althaus ist Projektleiter der Deutschen Bahn für den Planungsabschnitt ABS 38 Ost zwischen Tüßling und Freilassing
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Michael Althaus ist Projektleiter der Deutschen Bahn für den Planungsabschnitt ABS 38 Ost zwischen Tüßling und Freilassing.

Das zweigleisige Bahn-Ausbau unter dem Titel ABS38 von München nach Freilassing ist erklärungsbedürftig. Aber es passiert auch jetzt schon viel im Hintergrund. Obwohl noch nicht mit dem Bau begonnen wurde. Teil Eins unseres Gesprächs mit Michael Althaus von der DB.

Halsbach/Garching an der Alz - Am Montag (25. Juli) fand ein nicht-öffentliches Treffen von Vertretern der Deutschen Bahn (DB) und Bürgermeistern der Region in Halsbach (Landkreis Altötting) statt. Es ging um den aktuellen Stand der Planungen zu ABS38, dem „zweigleisigen Strecken-Ausbau mit Elektrifizierung“ zwischen München und Freilassing. „Die Ergebnisse werden in Kürze auf der DB-Homepage veröffentlicht“, so Anton Knapp, DB-Sprecher Großprojekte Bayern. Transparente Information ist der DB offenbar besonders wichtig. Das bestätigt auch Projektleiter Michael Althaus im Pressegespräch mit innsalzach24.de.

Wie haben Sie die DB-Präsentation beim Gemeinderat in Garching am 1. Juni erlebt?
Im Rahmen der Fertigstellung der Entwurfsplanung gehen wir verstärkt in die Öffentlichkeit, werden in allen betroffenen Gemeinden und Kommunen vorstellig. Dabei spüren wir, dass die Mehrheit der Bürger und Politiker hinter dem Projekt steht. Klar sind auch Bedenken dabei, dass es in Zukunft an der Bahnstrecke noch lauter wird oder was mit den Brücken passiert. Das gehört dazu. Aber die Stimmung ist positiv.
Klagt irgendjemand vor Gericht gegen die Baupläne?
Nein, da die Planung noch nicht abgeschlossen und auch noch nicht offiziell eingereicht wurde. Wir befinden uns in der dritten Projektphase. Vorplanung und Grundlagenermittlung sind abgeschlossen. Aktuell stecken wir in der Entwurfsplanung. Jetzt geht es daran, die Ergebnisse von Gesprächen mit Gemeinden und von uns beauftragten Ingenieurbüros zusammenzutragen und vorzustellen. Es geht jetzt um Abstimmung und konstruktive Zusammenarbeit. Ende 2022, Anfang 2023 folgt der nächste Schritt.
Wie kann man den Anwohnern eine so umfangreiche und langfristige Maßnahme vermitteln?
Wir dampfen das Vorzeigen komplexer Baupläne ein, die kaum jemand versteht. Er erklären viel vor Ort und beantworten Fragen. Video-Simulationen machen die Zukunft direkt vorstellbar und sichtbar. Gerade dank moderner 3-D-Visualisierungen kann man „durch die Strecke fliegen“ wie in einem Computerspiel. Sobald neue Gutachten vorliegen, gehen wir wieder in die Gemeinden und veranstalten Bürgersprechstunden. Sofern es die Corona-Richtlinien zulassen, wollen wir in den Gemeinderäten an den Bürgern dran sein.
Gibt es feste Termine für die nächsten Präsentationen?
Die bilateralen Arbeitsgespräche sind vorab nicht durchgetaktet im Jahreskreis. Viele Treffen werden kurzfristig angesetzt. Nach den bayerischen Sommerferien wollen wir die Entwurfsplanung sukzessive abschließen. Spätestens ab dem Jahreswechsel 2022/23 werden noch mehr Gespräche stattfinden, bei denen wir den Bürgern auf Augenhöhe begegnen.
Wird 2023 schon an der Strecke zwischen Garching und Freilassing geschraubt und gehämmert?
Im Moment laufen „Schall- und Erschüttungsuntersuchungen“ durch beauftragte Fach-Ingenieurbüros und Gutachter. Dabei wird geklärt, was außerhalb der Zugstrecke hörbar sein wird und welche Boden-Erschütterungen der Güterverkehr erzeugt. Der aktuelle Ist-Stand von Lärm und Vibrationen wird auf den späteren Finalzustand hochgerechnet. Das sind wichtige Richtwerte für die Gutachter, um den Schallschutz zu planen. Bisher gibt es an der Strecke noch keine Schallschutzwände oder ähnliches.
Wird es insgesamt viel lauter werden rund um die Bahnstrecke?
Umgekehrt. Die Prognose lautet, dass es insgesamt leiser wird. Obwohl der Zugverkehr bei Abschluss von ABS38 deutlich zunimmt.
Wie ist das möglich?
Durch die umfangreichen Lärmschutzwände, die gebaut werden. Am Steg der Gleise können Stegdämpfer verbaut werden. Schallschutzfenster und Lüfter können an Gebäuden nachträglich installiert werden. Diese aktiven und passiven Schallschutzmaßnahmen werden aktuell ausgearbeitet. Technisch könnte man die Stahlschienen auch auf ein dämpfendes Polster verlegen. Doch das ist gar nicht notwendig. Als Untergrund wird der gewohnte Schotter verwendet.
Die Elektrifizierung dürfte auch den Lärm reduzieren.
Genau. Die dröhnenden Dieselloks der Güterzüge fallen perspektivisch weg. Die oft laut quietschenden Bremsen werden aufFlüsterbremsenumgestellt. Die Vision nach der Realisierung ist ein moderner Güter- und Personenverkehr mit maximaler Lärmreduzierung. Die Zugüberwachung soll digital erfolgen.
Geht es nach dem imaginären Startschuss für ABS 38 genau so los?
So eine Glaskugel hätte ich gerne. Wir sind eine der ersten Maßnahmen in Deutschland, die Teil des neuen „Maßnahmengesetzvorbereitungsgesetzes sind. Das klingt unglaublich komplex. Das normale Genehmigungsverfahren der Baumaßnahme läuft so wie früher auch. Nach der Einreichung der Anträge wird von den Gremien entschieden, ob diese in den Bundestag kommen. Jeder einzelne Planfeststellungsabschnitt - jeweils etwa zehn Kilometer Strecke - muss einzeln genehmigt werden. ABS 38 hat 16 Abschnitte, das bedeutet, dass wir dafür 16 Gesetze brauchen. Diese Gesetze gehen in verschiedene Lesungen. Es gibt Einspruchsfristen. Wie lange das alles dauert, ist nicht planbar.
Wo und wann fangen Sie an, zu bauen?
Das kommt darauf an, welches Gesetz die DB als erstes zurück bekommt. Ich verstehe den Unmut von Politikern wie MdB Stephan Mayer aus Neuötting, die auf die Einhaltung des Zeitplans bis 2030 pochen. Uns geht es genauso! Wir wollen möglichst schnell und möglichst günstig bauen. Das sogenannte „Beschleunigungsgesetz“ kam leider zu spät. In einer früheren Planungsphase hätte es uns mehr geholfen.
Woran hakt es genau?
Das Scoping-Verfahren, bei dem man sich alle Umweltbelange der Baumaßnahme ansehen muss, läuft normalerweise später. Aufgrund des neuen Beschleunigungsgesetzes mussten wir das Scoping vorziehen. Das hemmt aber den Abschluss der Gesamtplanung. Nun warten wir auf eine Rückmeldung vom Eisenbahnbundesamt zum Thema „Auswirkungen auf Umwelt und Natur“. Die Gutachten sollen bis Ende 2022 entstehen. Alle Eingaben von Bürgern und Naturschutzverbänden werden berücksichtigt und ausgewertet.

innsalzach24.de bedankt sich bei Michael Althaus für das Gespräch.

Im zweiten Teil unseres Interviews (folgt) mit Michael Althaus von der Deutschen Bahn geht es auch darum, ob gefährdete Tierarten - wie zum Beispiel Zauneidechsen oder Fledermäuse, die unter Brücken leben - im Zuge des Naturschutz-Gutachtens umgesiedelt werden müssen.

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