Der Lebensretter von der Alz

"Könnte nicht mehr in den Spiegel schauen"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Lebensretter von der Alz: Ludwig Schreml.

Garching/Mühldorf - Ludwig Schreml aus Pleystein ist ein Lebensretter. Am 1. Mai rettete er die 13-jährige Sonja aus den reissenden Fluten der Alz - und wurde dafür jetzt geehrt.

Der 1. Mai - ein Feiertag. Ludwig Schreml macht sich mit seiner Frau Jutta und zwei Freunden auf zu einer Motorradtour. Ziel ist Garching an der Alz, ein kleiner Ort in Oberbayern, etwa 90 km östlich von München. Die Alz fließt aus dem Chiemsee in Richtung Norden und schlängelt sich auf ihrem Weg auch durch Garching. Dort passiert der Fluss eine Staustufe. Ludwig Schreml produziert Zubehörteile für Wasserkraftwerke – deshalb will er sich bei dieser Ausfahrt auch das Wehr in Garching anschauen.

Lesen Sie auch:

"Ich schmeck noch immer das Alzwasser"

Dort geht an diesem Nachmittag die 13-jährige Sonja mit ihrem 16-jährigen Freund Alex an der Alz entlang. Als Alex plötzlich am anderen Flussufer Freunde beim Baden entdeckt, will er unbedingt zu ihnen hinüber – und zwar mitten durch den Fluss. Sonja geht zögernd hinterher. Wenige Meter neben der oberen Kante der Staustufe fangen die beiden an, durch den Fluss zu waten. Die Alz führt an diesem Tag viel Wasser und an der Staustufe ist die Strömung stark. Der Fluss rauscht wie ein Wasserfall nach unten und bildet dort eine Wasserwalze, eine extrem gefährliche Strömung, in der schon erfahrene Kajakfahrer ertrunken sind.

Ludwig Schreml erhält NIVEA-Prei​s für Lebensrett​er

Ludwig Schreml erhält NIVEA-Prei​s für Lebensrett​er

Die beiden Jugendlichen sind erst ein paar Schritte in den Fluss hineingewatet, als sie auf den glitschigen Steinen ausrutschen und von der Strömung weggerissen werden – direkt in den reißenden Sog der Staustufe. Ein Angler, eine Spaziergängerin und die Freunde am Ufer haben alles beobachtet. Keiner von ihnen traut sich in die Fluten um den beiden zu helfen – panisch rufend stehen sie am Ufer.

Genau in dem Moment, als Sonja und Alex in den Sog der Wasserwalze gerissen werden, parken Ludwig Schreml und seine Begleiter ihre Motorräder am Alzufer - direkt oberhalb des Wehrs. Die panischen Rufe am Ufer sind das erste, was Ludwig Schreml hört, als er den Motorradhelm abnimmt. Sofort läuft er mit seiner Frau Jutta zum Ufer. Nur zwei Köpfe sehen die beiden in der schäumenden Gischt unter dem Wehr – und einer davon kommt kaum

noch an die Oberfläche. Als Kajakfahrer und durch seinen Beruf kennt Ludwig Schreml die Gefahren an Staustufen genau. Er weiß sofort, dass die beiden in Lebensgefahr sind. Ohne zu zögern streift er die schwere Motorradjacke ab, klettert die Böschung hinab und steigt in die Fluten.

Die Alz: Hier wäre Sonja fast ertrunken

Die Alz: Hier wäre Sonja fast ertrunken

Die Steine sind rutschig und bieten kaum Halt. Und die Strömung ist stark. Gut 30 Meter muss Ludwig Schreml sich in den Fluss hineinkämpfen – halb watend, halb schwimmend – und dabei aufpassen, nicht selbst in den Sog der Wasserwalze zu geraten oder von der Strömung weggerissen zu werden.

Sonjas Freund schafft es inzwischen, sich selbst mit letzter Kraft aus dem Sog zu befreien und in Sicherheit zu bringen. Aber das Mädchen hat allein keine Chance gegen die Wassermassen. Endlich erreicht Ludwig Schreml die Stelle, an der Sonja immer wieder nach unten gespült wird – sie hat keine Kraft mehr gegen das Wasser anzukämpfen. Als sie wieder einmal kurz nach oben gespült wird, bekommt Ludwig Schreml das Mädchen am Arm zu fassen und zieht es aus dem Sog.

Doch ganz in Sicherheit sind die beiden noch nicht. Ludwig Schreml schafft es, sich und das Mädchen an eine flachere Stelle mitten im Fluss zu retten. Sonja ist bewusstlos, aber sie kommt schnell wieder zu sich. Obwohl er selbst völlig erschöpft ist, redet er beruhigend auf das völlig entkräftete Mädchen in seinen Armen ein und erklärt ihr, dass sie sich so gut sie kann an ihm festhalten muss. Inzwischen hat Jutta Schreml die örtliche Feuerwehr alarmiert, die jetzt ein Seil über den Fluss spannt. Daran hangelt Ludwig Schreml sich entlang und bringt Sonja, die sich fest an ihren Retter klammert, sicher ans Ufer.

Die beiden Jugendlichen werden sofort ins Krankenhaus eingeliefert. Sie sind unterkühlt, können aber schon bald wieder entlassen werden.

Wenn man Ludwig Schreml fragt, ob er wieder genauso handeln würde, sagt er ohne zu zögern ‚ja‘. „Wenn ich nicht alles versucht hätte, um zu helfen, könnte ich nicht mehr in den Spiegel schauen“, sagt er heute. Dass Ludwig Schreml an diesem Tag 250 Kilometer weit fuhr und auf die Minute genau dann ans Wehr kam, als die beiden Jugendlichen dort in den lebensgefährlichen Wassersog gerieten – das war ganz einfach Zufall. Dass er ohne zu zögern sein Leben aufs Spiel setzte, um die beiden zu retten – das war weder Zufall noch eine Selbstverständlichkeit. Es war eine Tat, die unsere Hochachtung verdient.

Für seinen mutigen und selbstlosen Einsatz, der einem jungen Mädchen das Leben gerettet hat, erhält Ludwig Schreml heute den NIVEA-Preis für Lebensretter 2012.

Pressemitteilung Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft Kreisverband Mühldorf a. Inn

Zurück zur Übersicht: Region Burgkirchen/ Garching

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser