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Antworten aller Angeklagten eingetroffen

Prozess wegen Missbrauchs in Garching: Rückmeldung von Papst in Kürze erwartet

Kruzifix und Rosenkranz
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Ein Kruzifix am Rosenkranz.

Julian Schwarz ist einer von mindestens 3677 Betroffenen sexuellen Missbrauchs durch einen Priester in deutschen Diözesen. Er will bloß die Feststellung der Schuld – seine Klage ging im Juni beim Landgericht Traunstein ein.

Altötting – „Sexueller Missbrauch ist vor allem auch Missbrauch von Macht“, heißt es in der sogenannten MHG-Studie bereits im Jahr 2018. Julian Schwarz (Pseudonym) ist Betroffener dieses Missbrauchs – und einer von vielen. Im Juni hatte der 38-jährige Garchinger Feststellungsklage gegen den emeritierten Papst Benedikt XVI., Kardinal Friedrich Wetter, das Bistum München-Freising und den eigentlichen Täter Peter H. eingereicht. Insgesamt 29 Missbrauchs-Betroffene des ehemaligen Priesters H. sollen inzwischen bekannt sein. In den meisten Fällen ist die Tat bereits verjährt: so wie bei Julian Schwarz.

Antwort von Benedikt XVI. in Kürze erwartet

Schwarz reichte im Juni mit Hilfe seines Berliner Anwalts eine Klage beim Landgericht Traunstein ein. Es geht dabei rein um die „Feststellung“ der Schuld, und nicht um Schadensersatz oder Bestrafung. Ende September wurde dem ehemaligen Papst die Klage zugestellt. In Kürze wird eine Mitteilung von seiner Seite erwartet. Alle anderen Angeklagten haben bereits ihre Verteidigungsbereitschaft angezeigt. Im nächsten Schritt folgt eine Klageerwiderung der Angeklagten und darauf entweder die Antwort des Klägers oder ein Termin für die mündliche Verhandlung.

Initiative steht für Betroffene ein

„Wir fragen uns, wie die Institution Kirche mit dieser ‚Schuld‘ zukünftig umgehen wird“ schrieb die Intiatiative Sauerteig aus Garching an den emeritierten Papst Benedikt XVI. „Ihre vorbehaltlose Mitwirkung bei einer gerichtlichen Klärung wäre ein bedeutender Schritt, der für alle Kirchenverantwortlichen als Vorbild gelten würde.“ Für Betroffene sei seine Stellungnahme vom Februar 2022 vage und unbefriedigend. „Solange Täter bzw. die Verantwortlichen ihre eigene Schuld nicht umfassend anerkennen, wird diese offen oder unterschwellig den Opfern zugeschrieben, mit weiteren folgenschweren Auswirkungen für die Betroffenen“, so die Initative weiter. Seit über zwei Jahren setzt sie sich für die Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs im Fall Peter H. ein. Dieser war zwanzig Jahre als Priester in Garching an der Alz tätig.

Rückblick auf Gutachten und Studien

Bereits seit 2010 laufen Studien zu sexuellem Missbrauch von Minderjährigen in deutschen Bistümern. Eine kriminologische Untersuchung wurde 2011 zwar von der Bischofskonferenz beschlossen, dann stiegen von den 27 Bistümern aber Regensburg, München-Freising und Dresden-Meißen aus dem Projekt aus und das Projekt wurde abgebrochen. Breite Kritik aus der Öffentlichkeit war die Folge. 2014 wurde dann aber eine neue Untersuchung in Auftrag gegeben, welche 2018 fertiggestellt wurde: die oben genannte MHG-Studie. Diese besagt, dass zwischen 1946 und 2014 insgesamt 3677 Minderjährige von 1670 Klerikern sexuell missbraucht wurden.

91,8 Prozent der missbrauchenden Priester wurden versetzt

Mehrfachbeschuldigte hätten durchschnittlich fünf und maximal 44 Kinder und Jugendliche missbraucht. Das durchschnittliche Alter der Täter lag bei 43 Jahren. Häufigste Tatorte waren die Wohnungen der Beschuldigten, „zu einem erheblichen Anteil fanden die Taten aber auch in kirchlichen oder schulischen Räumlichkeiten bzw. in organisierten Zelt- oder Ferienlagern statt“, so die Studie. Laut ihr schoben die Beschuldigten häufig die Schuld auf die Betroffenen oder leugneten die Tat „während Reuegefühle eher selten geäußert wurden.“ Den Untersuchungsergebnissen zufolge litten Betroffene unter einer „großen Spannbreite gesundheitlicher Probleme“ darunter „Depression, Angst, Schlaf- oder Essstörungen, posttraumatische Symptome, Suizidalität, selbstverletzendes Verhalten sowie Alkohol- und Drogenkonsum.“

Dokumente vernichtet oder manipuliert

Vor allem im sozialen Bereich fänden sich „Probleme in der Ausbildung und im Beruf, Probleme in Beziehungen und Partnerschaft“ und mehr. Nur 19,4 Prozent der Betroffenen hätten Strafanzeigen gestellt. Der zeitliche Abstand zwischen Ersttat und Verfahren war sehr lang und betrug mehr als 13 Jahre, erreichte oft sogar 23 Jahre. 91,8 Prozent der beschuldigten Priester wurden versetzt, 18,3 % innerhalb ihrer Diözese, 25,6 % in eine andere Diözese und 19% ins Ausland. Laut Studie seien die Mehrzahl der neuen Diözesen über die Risiken für Wiederholungstaten informiert worden. Es wurden mehrere Hinweise erbracht, dass Personalakten und andere Dokumente vernichtet oder manipuliert worden seien.

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