Veranstaltung in Garching an der Alz

Kommunalforum von Dr. Martin Huber: "Hochwasserschutz kostet ein Auto!"

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Martin Huber lädt zu Kommunalforum für Hochwasserschutz

Garching - Zu einem Kommunalforum für Hochwasserschutz hatte Dr. Martin Huber(MdL) am Mittwoch zum Wirtssepperl nach Garching geladen.

Über 30 Feuerwehrler, Verwaltungsangestellte, Kommunalpolitiker und Mitglieder der CSU waren gekommen, um sich bei Professor Dr. Wolfgang Günthert über das Problemfeld zu informieren. Der inzwischen emeritierte Professor ist Landesvorsitzender der Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V. (DWA) und zeigte Wege auf, wie Verwaltung und Bürger zusammenarbeiten können, um „Starkregenereignissen“ besser begegnen zu können. Der Ingenieur besetzte bis 2018 den Lehrstuhl für „Siedlungswasserwirtschaft“ an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg.


„Haben Sie sowas schon gesehen?“, richtete sich der Professor eingangs an die Zuhörer, während er auf die Bilder aus seiner Präsentation zeigte. Dort ist zum Beispiel ein Foto der Unterführung an der Nordumgehung in München-Pasing zu sehen, „die nun schon zweimal unter Wasser stand und unpassierbar war“, so der Fachmann. 

Ein anderes Bild zeigt einen Gullideckel, der durch Wasserdruck rund zwei Meter hoch aus dem Boden geschossen wird. „Starkregen, das Wort hatten wir vor 30 Jahren noch gar nicht!“, erklärt Professor Günthert das Dilemma. Zwar schränkte der Wissenschaftler ein, dass man die Messdaten der Metereologen nicht absolut sehen dürfe, weil auch das Netz an Messstationen in den letzten Jahrzehnten immer engmaschiger wurde. 


Doch immer öfter zeigen sich auch Fehlplanungen der gesamten Abwasser-Infrastruktur von Kommunen, die letztlich mit der zunehmenden Flächenversiegelung einher gingen: „Es hat ja nicht nur Simbach gegeben!“ erinnerte Professor Günthert. Als Beispiele führte er Großstädte, wie Münster(2014) oder Dortmund(2008) an, die zum ersten Mal in ihrer langen Geschichte katastrophale Hochwasser erlebt hätten. „Ich will ihnen nichts verkaufen!“, betonte der Hochschullehrer wiederholt, jedoch stehe er gerne mit Rat und Tat zur Seite. Denn neben Planungs-Ingenieuren in den kommunalen Verwaltungen, müsse auch jeder Hauseigentümer seinen Beitrag leisten: so sind neben Regentonnen auch Grünanlagen auf Flachdächern eine Möglichkeit, massive Niederschlagsmengen aufzufangen, ohne die kommunalen Abwassersystem zu belasten. 

Dabei könnten auch gleich noch Blühflächen für Insekten geschaffen werden, die obendrein schön anzusehen seien und sogar zum Erholungsraum werden könnten. Bedenken, dass diesem Ansinnen die Gebäudestatik im Wege stünde, zerstreute der Professor mit dem Hinweis auf Mindestanforderungen bei Schneelasten. Dennoch solle man „Gutachten machen lassen“. 

Unverständlich ist für Günthert die Ignoranz die solchen Gutachten entgegenschlägt, weil die Grundstücksbesitzer Wertminderungen befürchteten. „Erst mit einem solchen Gutachten kann man doch den konkreten Handlungsbedarf erkennen!“ erklärte Günthert: eine Gemeinde koste eine detailierte Analyse „etwa ein Auto“. 

Denn zweifellos müssten Gebäudebesitzer selbst vorsorgen, da der Staat erst in die Verantwortung genommen werden könne, wenn ein Hochwasser bereits das Straßenniveau erreicht hat. „Dann sind die Keller mit wertvollen Wertgegenständen aber längst vollgelaufen“, so der Experte, „ich habe zuhause zum Beispiel eine elektrische Hebeanlage“. 

Denn der gesetzlich vorgeschriebene Rücklaufschutz habe sich bei extremen Wetterereignissen oft als unzureichend erwiesen, so Günthert. Das Publikum beschäftigte sich anschließend vor Allem mit Haftungsfragen und Versicherungen, wobei die Anwesenden selbst Vorschläge austauschten. Beispielsweise wurde angesprochen, dass „In Winhöring am Isendamm manche Gebäude nicht zu versichern“ seien, was direkt mit einem Beispiel aus dem Tüßlinger Mörntal beantwortet wurde, wo mehrere Grundstücksbesitzer eine Versicherungsgemeinschaft gebildet haben.

pbj

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