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DB-Präsentation zum Projekt ABS38

Besorgte Bürger bei Sitzung am Mittwochabend: Welche Züge fahren wie laut und wie schnell durch Garching?

Bahn-Präsentation am 1. Juni in Garching: Michael Althaus, Leiter der ABS 38 Ost (oben links) stellte sich den fragen der Bürger
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Bahn-Präsentation am 1. Juni in Garching: Michael Althaus, Leiter der ABS 38 Ost (oben links) stellte sich den Fragen der Bürger.

Hoher Besuch bei der Gemeinderats-Versammlung in Garching: Vertreter der Deutschen Bahn präsentierten am Mittwoch (1. Juni) eine Visualisierung des Streckenabschnitts zwischen Tüßling und Freilassing. Die Gretchenfrage lautet: Wie hält es die Bahn mit dem Lärm?

Garching an der Alz - Eine neue zweigleisige Bahnstrecke, auf der noch mehr Züge - vor allem Güterzüge - noch schneller fahren können als bisher: Diese Zukunftsvision freut die Vertreter der Chefetagen der Firmen Wacker Chemie AG, Borealis Polymere, Westlake Vinnolit (wir berichteten über die Fusion) und OMV. Auch von Verantwortlichen im Chemiepark Gendorf wird ein deutliches Signal für intensiveren Schienen-Güterverkehr sehnsüchtig erwartet. Doch für die Anwohner der Bahnstrecke bedeutet das im ersten Reflex mehr Lärm durch Züge und eine potenziell höhere Gefahr durch tonnenschwere Highspeed-Züge.

Dieser Grundkonflikt trat am Mittwochabend bei der Sitzung des Gemeinderats im Rathaus von Garching an der Alz - wieder einmal - zu Tage. Denn Diskussionen zwischen den Fronten „Bahn und Chemieunternehmen“ beziehungsweise „Anwohner“ sind seit Jahren lebhaft im Gange. Um den Kritikern so viel Wind wie möglich aus den Segeln zu nehmen, setzt die Deutsche Bahn (DB) auf den Primat der Aufklärung und Information über das Projekt ABS38. Drei offizielle DB-Vertreter waren bei der Sitzung des Gemeinderats anwesend und zeigten eine Visualisierung des geplanten Streckenabschnitts zwischen Tüßling und Freilassing.

Garchings Bürgermeister Krieger: „Wir bekommen jetzt endlich Lärmschutzwände“

Tatsache ist auch, dass das gesamte ambitionierte Großprojekt weiterhin in den Kinderschuhen steckt. Im März 2022 musste die DB sogar verkünden, dass der Ausbau-Zeitplan bis 2030 nicht eingehalten werden kann und deutlich nach hinten verschoben wird. Daher sind alle 3D-Modelle und Visualisierungen nach wie vor nur Vorplanungen und weitgehend Zukunftsmusik. Lediglich an den Eisenbahn-Brücken wird bereits jetzt gearbeitet. Am Mittwoch bestätigte DB-Referent Tonci Ujdur, auch Projektleiter des Streckenabschnitts Tüßling–Tyrlaching, dass „die architektonisch bedeutsamen Alz-Brücken, die unter Denkmalschutz stehen und teilweise 1908 errichtet wurden, erhalten werden.“

Auf Nachfrage von innsalzach24.de bezeichnete Garchings Bürgermeister Maik Krieger den Bahnausbau ABS38 als „wichtiges Projekt, das Arbeitsplätze sichert, unsere Wirtschaftskraft erhält und unseren Ort besser für die Zukunft aufstellt“. Den im Gemeindesaal anwesenden Anwohnern, die Bedenken zu einem vermeintlich vermehrten Zuglärm äußerten, entgegnete er: „Das Problem ist nicht der Ausbau, sondern der aktuelle Zustand mit zu viel Güterverkehr auf wenigen Gleisen. Mit ABS38 werden endlich die Lärmschutzwände konkret geplant und realisiert, die wir dringend brauchen. Bisher haben wir keine.“

Referent Tonci Ujdur von der DB Netz AG ist Projektleiter der Bahntrasse Tüßling–Tyrlaching.

Bahnsteige zwischen Tüßling und Freilassing sollen für mehr Sicherheit umgebaut werden

Spontan empfahl Krieger den anwesenden Bürgern und Gemeinderäten, „doch einfach das neue 9-Euro-Ticket der Bahn zu nutzen und nach Mühldorf zum ABS38 Infocenter zu fahren.“ Einige Bürger brachten trotzdem ihre Bedenken vor. Bei dem Gedanken, dass österreichische Hochgeschwindigkeitszüge vom Typ „Railjet“ (ähnlich ICE) oder auch Güterzüge mit vollem Tempo - teilweise über 100 km/h - durch Garching rasen, „wird mir richtig mulmig“, so eine Garchingerin im Gemeindesaal. Bürgermeister Krieger versuchte, sie mit der Argumentation zu beruhigen, „dass Güterzüge bei der Ortsdurchfahrt abbremsen“. Railjets würden „in Garching gar nicht halten“. Dass Züge jedoch tatsächlich mit hohen Geschwindigkeiten auch durch Garching fahren werden, bestätigte Tonci Ujdur: „Für den sicheren Ablauf wird baulich Sorge getragen und die Bahnsteige werden entsprechend umgestaltet bzw. verlängert.“

Das offizielle Schallschutzgutachten der DB ist momentan in Arbeit. Genaue Werte zu prognostizierten Schallemissionen liegen daher noch nicht vor. Sowohl Krieger als auch Michael Althaus, Leiter der ABS 38 Ost (Tüßling–Freilassing), verwiesen darauf, dass „außerorts die Züge auf einem acht bis zehn Meter hohen Damm fahren werden, was du einer optimalen Abstrahlung des Schalls führen wird“. In der 3D-Simulation (Video oben) konnten die in Wohngebieten geplanten Lärmschutzwände bereits konkret visualisiert werden. „Die Umstellung auf Elektro-Antrieb der Züge durch Elektrifizierung der Strecke sowie Flüsterbremsen machen den Bahn-Verkehr so leise wie möglich“, so Tonci Ujdur.

ABS38: Bundestag und EU finanzieren den Schienenausbau

Das Bahnprojekt ABS38 ist Teil des Bundesverkehrswegeplans und somit eine Baumaßnahme des Bundes und nicht des Freistaats Bayern. Finanziert wird ABS38 durch den Deutschen Bundestag, der im Auftrag des Bundesverkehrsministerium tätig wird. Einen Teil der Kosten trägt auch die Europäische Union.

Im Rahmen eines Vorausbaus der Südostbayernbahn werden folgende Ziele projektiert: Zweigleisigkeit der Bahnstrecke, deren Elektrifizierung, Anpassung der Bahnsteige, Verlängerung der Nutzlänge der Güterzüge.

Haupt-Infoabend mit Bürgerfragestunde folgt voraussichtlich gegen Jahresende 2022

Die Planungen des Streckenausbaus zwischen Tüßling und Freilassing dauern - laut Aussage von Michael Althaus - „noch mindestens bis Mitte 2023.“ Wann die gesamte Maßnahme schlussendlich fertiggestellt wird, ist noch unklar. Laut Althaus liegt die „Schuld der Verzögerung eher bei der Politik“. Kurioserweise sorge „das vorbereitende Gesetz zum Maßnahmen-Beschleunigungsgesetz für zahlreiche Einspruchsfristen sowie zusätzliche Lesungen und Abstimmungen im Bundestag.“ Dieses Verfahren sei kompliziert und langwierig: „Die sogenannte Beschleunigung bremst uns massiv aus.“

Die wichtigsten Daten und Fakten zur abs38 Trasse Tüßling-Freilassing.

Michael Althaus ermunterte alle an- und abwesenden Bürger Garchings, „uns alle Bedenken und Fragen zu ABS38 zukommen zu lassen.“ Jeder könne eine E-Mail schreiben an: abs38@deutschebahn.com. Der Infocenter in Mühldorf sei „allen Interessenten zugänglich und ist jeden Donnerstag von 14 bis 19 Uhr geöffnet“. Eine zentrale, größer angelegte Infoveranstaltung mit offener Bürger-Diskussion soll im vierten Quartal 2022 - im Zeitraum zwischen Oktober und Dezember - anberaumt werden. Darüber stimmten sich Maik Krieger und Michael Althaus spontan im Gemeindesaal ab. „Dann wissen wir mehr und nehmen uns Zeit für alle Fragen und Anliegen“, so Garchings Bürgermeister.

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