Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Garchings Bürgermeister Maik Krieger im Interview

„Kaum jemand hätte gedacht, dass ein Zuagroaster wie ich so ein Herz für die Gemeinde hat“

Maik Krieger ist seit 2020 Bürgermeister der Gemeinde Garching mit ihren 8.700 Einwohnern
+
Maik Krieger ist seit 2020 Bürgermeister der Gemeinde Garching mit ihren 8.700 Einwohnern.

Der Garchinger Bürgermeister Maik Krieger kam kurz nach Beginn der Corona-Pandemie am 1. Mai 2020 ins Amt. Diesen schwierigen Antritt meisterte er gekonnt. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich die Aufgaben: Es geht um den Bahnausbau ABS38, die Ortsumgehung und den Wohnungsmarkt.

Garching an der Alz - Maik Krieger (43) ist strenggenommen kein Bayer. Er wurde in 1978 in Paderborn geboren. Doch er wuchs nahezu komplett in Oberbayern auf. Deswegen spricht er gut Bairisch. Vor allem ist der zweifache Familienvater ein sympathischer Mensch, dem seine Heimatgemeinde am Herzen liegt. Die „3G“ Regelung ist sein Leitmotiv: Garching Gewicht Geben. Im Gespräch mit innsalzach24.de spricht er die zentralen Punkte seiner Agenda an.

Bürgermeister Maik Krieger (rechts) leitet die Sitzung des Gemeinderats in Garching an der Alz am 1. Juni.
Herr Krieger, wie werden Sie von den Einheimischen aufgenommen, quasi als „Zuagroaster“?
Sehr gut. Weil ich selbst Einheimischer bin. Trotzdem ist es in Garching ein Novum, dass ein ursprünglich Auswärtiger das Amt des Bürgermeisters übernimmt. Im Alter von elf Jahren kam ich mit meinen Eltern aus Bad Lippspringe nach Bayern. Ich bin hier nahezu vollständig geprägt worden. Dass ich Fan von Schalke 04 bin, erinnert vielleicht noch an meine Ursprünge.
Wie bringen Sie den Bürgern das Bahnprojekt ABS38 näher?
Der Infoabend mit DB-Präsentation am 1. Juni im Gemeindesaal war ein wichtiger Schritt. Alle sollen sich eingebunden fühlen. Jeder darf Fragen stellen und Bedenken äußern. Eine größere Infoveranstaltung zur Thematik im Herbst/Winter 2022 ist dick markiert in meinem Kalender. Da dürfen und sollen die Bürger munter diskutieren. Wir geben den Termin rechtzeitig bekannt. Die Deutsche Bahn handelt hier proaktiv und kann den Zustand nach der geplanten Baumaßnahme simulieren.
Welche Projekte erwarten die Bevölkerung noch in Garching?
Wir bekommen demnächst ein Touchscreen Info-Terminal vor dem Rathaus. Darauf werden tagesaktuelle Informationen eingeblendet und Besucher des Ortes können sich orientieren. Der dritte Bauabschnitt an der Mittelschule schafft mehr Unterrichtsräume. Einer von vier bestehenden Kindergärten wird erweitert. Eine längere Straße im Ortsteil Wald wird ertüchtigt. Unsere Alte Turnhalle wird zu einer Art Bürgerhaus für Veranstaltungen umgebaut.
Ist dafür genügend Geld vorhanden?
Wir nehmen aktuell für die genannten Projekte so viel Geld in die Hand wie schon lange nicht mehr. Aber das ist gut und wohlüberlegt. Bei der Alten Turnhalle greift auch die Städtebauförderung. Wird sind keine reiche Gemeinde, aber trotzdem (noch) schuldenfrei.
Die Ortsumfahrung ist ebenfalls ein Dauerbrenner, damit Garching vom Durchgangsverkehr entlastet wird.
Die Maßnahme ist im Ministerium nachbewertet worden. Das Straßenbauamt hat uns informiert, dass sowohl die Variante mit Tunnel als auch die Variante ohne Tunnel positiv beurteilt werden. Die Umfahrung ist damit weiter in der Planung. Der Kosten-Nutzen-Faktor wird berücksichtigt. Laut Bundesverkehrswegeplan wird eine Fertigstellung bis 2030 prognostiziert. Ich wage das zu bezweifeln.
Inwiefern?
Die umweltfachliche Untersuchung steht noch aus. Wenn diese positiv ausfällt, sollten wir deutlich früher an die Umsetzung gehen. Aus der Sicht der Naturschutzes und der Geologie ist die Trasse bedenkenlos. Sie beginnt kurz vor Garching am Hilger Berg verläuft sie abwärts, zweigt dann ab, läuft an Dunstenstein vorbei und fädelt am Geothermie-Kraftwerk wieder auf die B299 ein.
Welche Meinung nehmen Sie dahingehend in der Bevölkerung wahr?
Das Projekt ist seit Jahrzehnten in der Planung und wird von der überwiegenden Mehrheit der Garchinger Bürger gewünscht. Der Verkehr auf der B299 - der in den letzten Jahren auch noch zugenommen hat - soll aus dem Ort herausgehalten werden. Seit die A94 durchgängig von Mühldorf bis München befahrbar ist, sind wir mitten auf der Nord-Süd-Verbindung zwischen A94 und Autobahn A8. Große Teile des Urlauber-Verkehr und Lkw-Routen laufen durch Garching.
Potenziert sich das Verkehrsproblem mit Bahnlinie im Chemiedreieck und B299?
Wir müssen schon etwas ändern für die Zukunft. Der zweigleisige Bahnausbau über das Projekt ABS38 ist für Garching ein Mehrwert. Das gilt, obwohl der Schienenverkehr dadurch zunimmt. Aber die Transport-Verlagerung von der Straße auf die Schiene ist positiv. Die neue Antriebstechnik der Züge, Elektrifizierung, Flüsterbremsen und Schallschutzmaßnahmen werden die Gesamtsituation besser machen.
Woran liegt die Verzögerung bei ABS38?
Dass die Bahn kommuniziert hat, dass der Gleisausbau später als 2030 vollzogen wird, liegt aus meiner Sicht an Besonderheiten der Bundespolitik. Deshalb muss man hier den Hebel ansetzen. Die Resolution aus dem Altöttinger Kreistag im März 2022 könnte zur Einhaltung des Zeitplans beitragen. Sie ging von der CSU aus und wurde parteiübergreifend abgestimmt und versendet. Auch die Führungsriegen der Chemieunternehmen unserer Region üben Druck in diese Richtung aus.
Wie ist der Stand der Dinge beim Garchinger Bahnhof?
Das Schmuckstück wurde ertüchtigt und sieht wieder richtig gut aus. Zwei Aufzüge werden aufgrund von Bau-Verzögerungen wohl erst im September 2022 geliefert. Dann sollte der Bahnhof modernisiert und barrierefrei sein.
Garching gilt als wichtiger Knotenpunkt.
In 45 Minuten kann man mit dem Zug nach Salzburg fahren. In 1,5 Stunden ist man in München. Alle 2 Stunden startet ein Regionalzug nach Traunstein. Garching hat eine gute ÖPNV-Anbindung. Sogar die Busverbindungen sind überregional gut. Obwohl man hier mehr Zeit einkalkulieren muss. Wir haben im Ort viele Berufspendler, die mit dem Zug nach München fahren.
Ist ein ähnliche Zuzugs-Druck der München-Pendler wie in Mühldorf spürbar?
In Garching weniger. Man kann hier noch bezahlbar wohnen. Trotzdem wächst die Bevölkerung auch deswegen. Wir arbeiten ständig daran, neue Baugebiete zu erschließen, was aber ein sehr steiniger Weg ist. Bei jüngeren Menschen gibt es viele Anfragen zu Baugebieten. Wenn wir die hätten, könnten wir sofort 100 Parzellen verkaufen. Ich bin für ein behutsames, maßvolles Wachstum des Ortes. Die gesamte Infrastruktur mit Betreuungseinrichtungen für Kinder zum Beispiel muss zur Bevölkerungszahl passen.
Wie schätzen Sie die Lebensqualität in Garching ein?
Uns geht es gut: Schulen, Freizeiteinrichtungen, Sportzentrum mit Dreifachturnhalle, Verkehrsanbindung. Alles top. Garching bieten Wandermöglichkeiten in den herrlichen Naturraum um die Alz.
Macht Ihnen der Job Spaß?
Absolut. Meine „Corona-Einarbeitungsphase“ dauerte länger als erwartet. Es war wenig los. Jetzt wollen wir gemeinsam Vieles nachholen. Der Gemeinderat arbeitet harmonisch zum Wohle Garchings mit mir zusammen.

innsalzach24.de bedankt sich bei Maik Krieger für das Gespräch.

Kommentare