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Bahn-Ausbau zwischen Tüßling und Freilassing

Müssen Eidechsen und Fledermäuse umziehen? Und was passiert mit den historischen Alzbrücken?

ABS 38 Projektleiter Michael Althaus von der DB kümmert sich auch um Tierchen wie Eidechsen und Feldermäuse
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ABS 38 Projektleiter Michael Althaus von der DB kümmert sich nebenbei um Tierchen wie Eidechsen und Fledermäuse.

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Michael Althaus, Projektleiter des Ausbauabschnitts ABS 38 Ost zwischen Tüßling und Freilassing, geht es auch um Naturschutz, Tierschutz, Umweltschutz und Denkmalschutz. Wie soll ein zweites Gleis auf zwei über 100 Jahre alte Alzbrücken passen?

Garching an der Alz - Mitten in der Entwurfsplanung von ABS 38 - dem Bahn-Ausbau zwischen München und Freilassing - muss das „Scoping“-Verfahren abgewickelt werden. Voraussichtlich bis Ende 2022 sollen alle Vorgaben des Natur- und Umweltschutzes in die Projektplanung einfließen. Gebaut wird deswegen noch lange nicht. innsalzach24.de spricht mit Michael Althaus von der DB über die Besonderheiten von ABS 38.

Oben: Bodenerkundungen auf historischer Alzbrücke. Unten: Simulation der „Parallel-Brücke“ für das zweite Gleis.
Müssen geschützte Tierarten wie zum Beispiel Zauneidechsen im Vorfeld der Gleis-Bauarbeiten umgesiedelt werden?
Möglicherweise. Biologen sind aktuell unterwegs entlang der Bahnstrecke, um dort Lebensräume von Tieren zu beschreiben. Das Verfahren nennt sich „Umwelt-Kartierung“. Es läuft schon seit circa Mitte 2021 und soll Ende 2022 abgeschlossen sein. Biologen stellen sich Fragen wie: Wo gibt es Fledermäuse? Wie viele sind es ungefähr? Welche Zauneidechsen müssen wir umsiedeln? Bevor wir anfangen zu bauen, müssen wir diesen Tieren unter Umständen einen neuen Lebensraum zuweisen.
Wie geht so etwas vor sich?
Die Tiere werden in solch einem Fall einzeln eingesammelt und zum neuen „Wohnort“ gebracht. Tunnel haben wir glücklicherweise keine auf dieser Strecke. Daher scheidet dieser Lebensraum für Tiere aus. Aber es gibt definitiv Eidechsen an so einer langen Strecke und auch Fledermäuse, die unter Bahnbrücken leben. Diese Umwelt-Gutachten werden wir uns Ende 2022 genau ansehen, genauso wie Baugrund-Gutachten. Entsprechende Bohrungen sind bereits durchgeführt worden. So endet dann die Entwurfsplanung.
Muss die Bahn noch Grund zukaufen, auf dem das zweite Gleis verlegt werden soll?
Etwa 90 Prozent des Grund und Bodens, auf dem die Gleise verlaufen, sind bereits Eigentum der Deutschen Bahn. Für Baustraßen oder Baustelleneinrichtungen werden wir aber noch einzelne Grundstücke brauchen. Dafür sind vorübergehende Nutzungsgenehmigungen genauso denkbar wie ein Zukauf. Je nachdem. Hierzu führen wir 2023 mit Grundstückseigentümern und Landwirten konkrete Gespräche.
Wie ist die Resonanz dahingehend von den Bürgern?
Gut. Viele kommen aktiv mit eigenen Ideen auf uns zu. Grundstücke veräußern dagegen möchte kaum jemand gerne. Daher bemühen wir uns um Ausgleichsflächen und reden mit benachbarten Landwirten, um alle zufriedenzustellen. Ich habe es öfter erlebt, dass Bauern Flächen bzw. Äcker oder Wiesen untereinander getauscht haben. Eine Art freiwillige Flurbereinigung.
Wie nah werden die beiden Gleise nebeneinander gebaut?
Es sind circa 4,5 Meter Abstand, von Gleismitte zu Gleismitte gerechnet. Der Sicherheitsabstand muss eingehalten werden. Genauso wie Rettungswege mit eingeplant werden. Zuerst werden die Bauwerke (Gebäude) erstellt. Danach wird das zweite Gleis neben das bestehende verlegt. DB-Vorgabe ist, es möglichst keine Streckenabschnitte vollständig zu sperren, sondern den Verkehr trotz der Baumaßnahmen am Laufen zu halten. Im nächsten Schritt wird die Oberleitung über die Gleise für die Elektrifizierung gebaut. Zum Schluss von ABS 38 wird eine ESTW-Stellwerkstechnik installiert, die einen Zugverkehr ohne Signale ermöglichen soll.
Werden irgendwann Güterzüge automatisch - ohne Lokführer - fahren können?
Das glaube ich nicht. Obwohl es technisch möglich wäre. Aber schnelles Reagieren auf Vorkommnisse an solch einer Trasse kann bisher nur der Mensch leisten. Das digitale Stellwerk ist der aktuell höchste Level für Sicherheit. Doch komplett ausschließen kann man Unfälle nicht, siehe Bad Aibling oder Garmisch-Partenkirchen. Leider.
Welche Rückmeldungen bekommen Sie von den Unternehmen des ChemDelta Bavaria, den Haupt-Nutznießern von ABS 38?
Der Austausch ist konstant. Alle wollen im Endeffekt schnell fertig werden: Industrie, Bürger und wir von der Deutschen Bahn. Wir sind ein Team von Herzblut-Ingenieuren, das endlich bauen will. Ungefähr 100 Personen kümmern sich nur um das ABS 38 Projektmanagement. Allein in meinem Abschnitt sind 40 Ingenieurbüros und Gutachter mit der Entwurfsplanung beschäftigt.
Wenn man von Tüßling nach Freilassing am Gleis entlang laufen würde, was könnte man beobachten?
Man könnte Biologen antreffen, die mit der Kartierung beschäftigt sind. Einzelne Bohrungen werden durchgeführt, um die Stabilität der Brücken zu gewährleisten. Das spielt auch bei Hochwasser eine Rolle: Hohe Dämme, Gelände-Einschnitte und sichere Bahn-Brücken. Experten prüfen, ob irgendwo der Untergrund befestigt werden muss. Vermesser und mich selbst kann man draußen antreffen. Mir macht das Freude, unterwegs zu sein, weil man viele Berührungspunkte mit den Bürgern hat.
Was passiert mit den Alzbrücken, die unter Denkmalschutz stehen?
Die halten vermutlich am längsten. Das sind Zeugnisse deutscher Ingenieurskunst. Die beiden wunderschönen Brücken stehen am Anfang unserer Trasse. Die größere davon hat über 130 Meter Spannweite. Um das zweite Gleis mit den alten Brücken in Einklang zu bringen, ist uns gemeinsam mit dem Denkmalamt eine außergewöhnliche Lösung eingefallen.
Die da wäre?
Unmittelbar neben den beiden alten Zugbrücken wird jeweils eine neue Brücke gebaut, die man von der Blickachse nicht sehen kann. Sie wird so filigran gebaut, dass sie sich hinter der „Schönheit“ versteckt. Anhand eines 3-D-Modells konnten wir den Mitarbeitern vom Denkmalschutz zeigen, wie das klappt. Zu einem späteren Zeitpunkt können wir alle Zuschauer mit einer Video-Simulation virtuell auf der neuen Strecke fahren lassen.
Unter Denkmalschutz: Die kleinere der beiden Eisenbahn-Alzbrücken, kurz hinter Tüßling.

innsalzach24.de bedankt sich bei Michael Althaus für das Gespräch.

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