Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Zukunft der neuen Ortsmitte ungewiss

Gemeinderat stimmt Bürgerbegehren voll zu: Jetzt nimmt Feichten als Dorf einen neuen Anlauf

Bürgermeister Johann Vordermaier musste einiges einstecken im Kampf um die neue Ortsmitte von Feichten.
+
Bürgermeister Johann Vordermaier (oben links) hat seinen BürgerInnen einen Brief geschrieben, damit die Ortsmitte von Feichten wieder attraktiv wird.

Das Bürgerbegehren zur Anpassung des Bebauungsplans für das Ortszentrum in Feichten hatte mit über 490 Unterschriften eine große Unterstützung aus der Bevölkerung. Nun löste es sich quasi in Luft auf, weil der Gemeinderat die Forderungen aus dem Begehren auf die Tagesordnung nahm - und umsetzte. Nach Streitigkeiten um Tiefgarage und Verkehr liegt das Bauprojekt Ortsmitte auf Eis. Die Gemeinde fängt nochmal neu an, die Bürger werden einen Brief vom Rathaus erhalten.

Feichten a.d. Alz - Zumindest ein Seniorenheim mit 48 Plätzen wird gerade gebaut in Feichten - einem von vier Mitgliedern der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Kirchweidach. „Da wäre Bedarf für einen Friseur, ein Café, einen Dorfladen, eine Physiotherapie- und Fußpflege-Praxis sowie einen Arzt“, überlegt VG-Geschäftsleiter Marcus Hansen.

Diese Einrichtungen hätten sich sehr gut zur Versorgung der Bevölkerung und der Senioreneinrichtung kombinieren lassen. Auch die Schaffung von Büros und Wohnraum wäre im Gesamtkonzept „Dorfmitte“ berücksichtigt gewesen.

Doch die ambitionierten Pläne zur Neugestaltung der Ortsmitte sind erst einmal vom Tisch. Einige Anwohner waren gegen das Projekt Sturm gelaufen. Sämtliche Nutzer/Pächter haben aufgrund der Ereignisse in den letzten Wochen wieder abgesagt.

So schön könnte es werden: Entwurf und Baupläne zur Ortsmitte Feichten von 2018.

Die Einwohner hatten ein Bürgerbegehren initiiert mit der Fragestellung „Sind Sie dafür, dass die für uns überdimensionierten Planungen zum Bebauungsplan Nr. 19 „Neue Dorfmitte“ entsprechend dem 2018 vorgestellten Plan angepasst werden und dadurch der Dorfcharakter erhalten bleiben soll?“

Der Gemeinderat - der am Mittwoch (16. Februar) tagte - hat die Forderungen daraus angenommen und das Baukonzept Ortsmitte wird überarbeitet.  „Dadurch wird der Bevölkerung der Gang zur Wahlurne und die Abstimmung im Rahmen eines Bürgerentscheides erspart“, so Hansen zu innsalzach24.de.

Mit 495 Unterschriften - das sind immerhin 45 Prozent aller Wahlberechtigten - haben Anwohner auf eine Anpassung der Bebauungspläne Ortsmitte gepocht. Streitpunkte waren unter anderem eine geplante Tiefgarage und ein perspektivisch zu hohes Verkehrsaufkommen im Bereich der Siedlung am Ringweg.

Gemeinderäte verteilen persönlich adressierten Brief an Feichtens BürgerInnen

Trotz aller Unstimmigkeiten im Vorfeld geben Bürgermeister Johann Vordermaier und seine Gemeinderäte nicht auf. Eventuell soll sogar ein Investor für das weiterhin offene Bauprojekt ins Boot geholt werden.

Brief an alle Feichtener Bürger: Sie sollen zusammenhalten und gemeinsam die Zukunft attraktiv gestalten.

Noch am Wochenende (19./20. Februar) verteilen die Gemeinderäte selbst einen Brief, der an jeden Einwohner persönlich adressiert ist. Darin heißt es: „Nicht erst seit dem Kauf des Raiffeisengebäudes 2018 beschäftigt uns die weitere Entwicklung der Dorfmitte. /... / Durch die Kombination von Eigentumswohnungen und Gewerberäumen /... / wollten wir einen Treffpunkt für Jung und Alt schaffen. Zum Einkaufen, Ratschen und Austauschen, Kaffeetrinken - während die Kinder am Spielplatz toben oder jemand einen Arzttermin wahrnimmt.“

„Das Bestmögliche für die Gemeinde erreichen“

Der Bürgermeister und die Gemeinderäte wünschten sich, „dass wir wieder als Dorfgemeinschaft zusammenhalten und an einem Strang ziehen, um das Bestmögliche für unsere Gemeinde zu erreichen.

Nicht wirklich attraktiv: Im bisherigen Zentrum von Feichten stehen eine Raiffeisen-Lagerhalle und der Wertstoffhof.

Hoffnungsschimmer Schnitzel- und Bratensonntag

In Feichten fehlen aktuell wichtige Angebote für die Bürger. Einkaufen muss man überwiegend in Kirchweidach oder Trostberg. Jahrzehntelang hat man sich vergeblich bemüht, einen Arzt anzusiedeln. Der einzige Gemischtwarenlasen „Ilse Diener“ musste aus Altersgründen geschlossen werden. All das soll sich ändern.

Nur ein Wirtshaus öffnet um 17 Uhr seine Türen: Im Gasthaus Feichten gibt es regelmäßig Schnitzel- und Bratensonntag. Bewertungen im Netz sprechen von einer „sehr guten bürgerlichen Küche“.

Für ein wenig Publicity sorgt die Hopfenkopf-Bräu, ein Craftbeer-Projekt von drei Freunden, das OVB24 im Rahmen seiner Brauerei-Serie vorstellte.

Es geht nun um den neuen Anlauf für die Ortsmitte. Dort stehen ein Raiffeisen-Lagerhaus und der Wertstoffhof. Und das bleibt wohl erstmal stehen. „Warum sollen wir ein Wohn- und Geschäftshaus bauen, wenn wir keine Pächter mehr haben?“, gab Bürgermeister Johann Vordermaier beim Gemeiderat zu bedenken.

Es kam dabei zu Fehlinterpretationen, dass die Gemeinde Feichten beschlossen habe, gar nichts mehr zu unternehmen. „Das ist definitiv nicht der Fall. Wir möchten Feichten attraktiver für alle machen“, so Marcus Hansen.

Wann und wie die Planungen zur neuen Ortsmitte weitergehen, ist aktuell ungewiss. Die Tiefgarage könnte mit einem „Update“ eine andere Zu- und Ausfahrt bekommen. Andere Parkplatzflächen im Freien könnten erschlossen, ein Geschäftshaus auch ohne Unterkellerung geplant werden.

Traunsteiner Architekturbüro könnte mehrstöckiges Gebäude ohne Tiefgarage planen

Fraglich ist auch, ob und wann neue gewerbliche Interessenten gewonnen werden können. Die Grundstücke, auf denen Lagerhaus und Wertstoffhof stehen, wurden von der Gemeinde gekauft. Die Fläche von 3.500 Quadratmetern kann demnach kommunal frei überplant werden.

Beauftragt mit der Überarbeitung der Entwürfe ist erneut die Traunsteiner Architektin Sylvia Diessbacher-Brand. Der bestehende Spielplatz soll Richtung Ortsmitte rücken und mit dem Café Familien ein Komplett-Paket bieten. Das Wohn- und Geschäftshaus könnte mehrstöckig gebaut werden.

Das Umfeld des geplanten Wohn- und Geschäftshauses mit Dorfladen soll verkehrsberuhigt sein. Das ist den Anwohnern wichtig.

Der Planungsentwurf der Architektin Sylvia-Diessbacher-Brand.

Marcus Hansen könnte sich vorstellen, „dass wir noch eine dritte Bürgerwerkstatt veranstalten“. Dort können Interessenten und Anwohner offen diskutieren und Planungsentwürfe einsehen. Bei den ersten beiden Bürgerwerkstätten 2016 und 2019 nach der Machbarkeitsstudie hatte es viele Wortgefechte gegeben. Es folgte eine Infoveranstaltung 2021. Die Corona-Pandemie hatte die Aktivitäten ebenfalls ausgebremst.

Jetzt bleibt abzuwarten, wie der wohlgemeinte Brief des Bürgermeisters und der Gemeinderäte von der Feichtener Bevölkerung aufgenommen wird.

-rok-

Kommentare