Alz: "Es gehört ein Gesamtkonzept her"

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Eine Million Euro stellte Dr. Bernhard Langhammer von InfraServ Gendorf für die Renaturierung der Alz in Aussicht.
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Burgkirchen - Eine Fischtreppe in der Alz, Palmöl-Plantagen und Ökostrom: Beim Nachbarschaftsgespräch im Industriepark Werk Gendorf stand der Umweltschutz im Fokus.

Der Chemieunfall im März letzten Jahres warf seine Schatten auf das diesjährigen Nachbarschafts- und Mandatsträgergespräch am Montagabend im Industriepark Werk Gendorf. Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsführer von InfraServ Gendorf, dem Standortbetreiber des Werks Gendorf, hatte schon vor einigen Monaten angekündigt, dass die Firma zu Ihrer Verantwortung stehen wolle. "Wir haben eine Million Euro zur Renaturierung der Alz zur Verfügung gestellt", verkündete Langhammer nun beim Nachbarschaftsgespräch. Außerdem werde InfraServ für das Projekt eigene Grundstücke bereitstellen.

Ein Alt-Arm der Alz soll ausgebaut werden

Bereits im Herbst hatte ein Monitoring-Gutachten der Fauna in der Alz einen den Umständen entsprechend guten Zustand bescheinigt. "Alle Fischarten, die vor dem Ereignis vorhanden waren, sind jetzt wieder da", hob Langhammer hervor. Die Erholung des Fischbestandes wolle man mit der Renaturierung beschleunigen. "Die Alz ist auf einem guten Weg", fasste der Geschäftsführer zusammen.

Das Projekt wird vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein durchgeführt. Bis heute sind aber lediglich kleinere Maßnahmen mit Gesamtkosten in Höhe von rund 50.000 Euro umgesetzt worden, da die meisten Vorhaben genehmigungspflichtig sind. So ist etwa eine Fischtreppe geplant, die den Fischen den Weg flussaufwärts zu den Laichplätzen erleichtern soll. Zudem soll ein Altarm des Flusses ausgebaut werden. Falls erneut Chemikalien in die Alz gelangen, würden die Fische dort Schutz finden.

"Es gehört ein Gesamtkonzept her"

Gerhard Merches, Vorsitzender der Altöttinger Kreisgruppe des Bund Naturschutz, erhofft sich von der Investition von InfraServ einen Schub für die Renaturierung der Alz. "Das sind Maßnahmen, die positiv sind und ein Grundstein für ein weiteres Konzept für die Alz bilden sollten." Gerade die notwendige großflächige Verbreitung des Flusses, mit der die Fließgeschwindigkeit verringert werden könnte, scheitert derzeit noch daran, dass das Alzufer größtenteils in Privatbesitz ist. Insgesamt müsse man sich "nach vorne tasten", so Merches. "Es gehört natürlich ein Gesamtkonzept her."

Langhammer verteidigt Vergünstigungen für energieintensive Unternehmen

Freilich standen beim Nachbarschaftsgespräch auch wirtschaftliche Themen auf der Agenda. So verteidigte etwa Dr. Bernhard Langhammer die Entlastung energieintensiver Unternehmen bei der EEG-Umlage. Nicht dies sei der Grund für die hohen Strompreise, sondern die massive Erhöhung der Umlage insgesamt. "Die EEG-Umlage ist dramatisch angestiegen", so Langhammer. Während der Ökostrom 2010 noch mit 90,2 Milliarden Euro gefördert wurde, liege der Betrag 2013 schon bei 134,4 Milliarden Euro. Aktuell beträgt die Umlage 5,28 Cent pro Kilowattstunde. Selbst wenn alle Unternehmen voll an der Umlage beteiligt wären, läge dieser Wert noch bei 4,21 Cent, rechnete Langhammer vor. 2010 kostete die Umlage den Verbraucher noch 2,05 Cent pro KWh.

Clariant führt "Aktivpause" ein

Burkhard Anders von der Dyneon GmbH betonte, welch große Herausforderung der Fachkräftemangel darstellt. Nach einem erheblichen Umsatzrückgang im vierten Quartal 2012 erwartet das Unternehmen einen mäßigen Start ins Jahr 2013.  Dennoch soll die Mitarbeiterzahl in etwa konstant gehalten werden. Damit Dyneon weiterhin auf qualifizierte Kräfte setzen kann, muss es laut Anders selbst aktiv werden: "Wir müssen in Menschen investieren, in Forscher, in technisches Know-How."

Dr. Peter Blickle von der Clariant Produkte GmbH sieht den demografischen Wandel als Herausforderung für die Gesellschaft und die Unternehmen. Doch die Mitarbeiter werden nicht nur älter, auch die "Arbeitsverdichtung ist nicht zu leugnen", wie Blickle erklärte. Zur Förderung des Wohlbefindens der Belegschaft hat Clariant deshalb eine "Aktivpause" eingeführt, in der die Mitarbeiter zum Beispiel Übungen zur Stärkung des Rückens machen können - unter Anleitung und während der Arbeitszeit.

Das Nachbarschaftsgespräch in Gendorf 2013

Palmöl-Joint-Venture wirft Fragen auf

Bei Clariant schloss sich jedoch auch der Kreis zum Thema Umweltschutz. Blickle verkündete ein Joint Venture für Amine und Amin-Derivate mit Wilmar International. Amin-Derivate werden beispielsweise für die Herstellung von Shampoos und Putzmitteln verwendet. Bislang war Clariant erfolglos auf der Suche nach einem Partner, der einen "günstigen Zugang zu den Rohstoffen" ermöglicht, wie Blickle erklärte. Durch das Joint Venture mit Wilmar sei nun die durchgängige Integration von der Plantage bis zum Amin-Derivat gelungen.

Auf den Plantagen von Wilmar werden Palmöl-Pflanzen angebaut. Nicht selten steht der Anbau von Palmöl in der Kritik von Umweltschützern, da für die Plantagen häufig Regenwälder gerodet werden. Auf die Problematik von einem Zuhörer angesprochen, räumte Blickle ein, dass er keinen Einfluss auf die Partner von Clariant nehmen könne. Wilmar erkläre jedoch alles zum Thema Nachhaltigkeit sehr gut auf seiner Internetseite. "Wilmar ist eine Firma, die auf diese Dinge sehr großen Wert legt", so Blickle.

Aus dem Archiv:

Infraserv Gendorf-Chef Dr. Langhammer zu Alz-Unglück

Das Unglück in der Alz in Bildern

Fische verenden immer noch in der Alz

Alexander Belyamna

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