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Chemikalie im Trinkwasser des Landkreises Altötting

GenX: Gesundheitsamt präsentiert Erkenntnisstand und Untersuchungsergebnisse

Im Jahr 2020 wurde erstmal die Substanz GenX im Wasser der Alz nachgewiesen.
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Bei einer Probe 2020 wurde erstmals GenX im Alzwasser nachgewiesen.

Schon seit 1982 tritt GenX als Nebenprodukt im Chemiepark Gendorf auf: Das Gesundheitsamt Altötting klärte kürzlich die Kreisräte über die wichtigsten Erkenntnisse zu der Substanz auf.

Landkreis Altötting – Zwar kam das Thema „GenX“ bei der Kreistagssitzung am 12. Dezember in Altötting aus zeitlichen Gründen zu kurz, doch der Leiter des Gesundheitsamtes, Dr. Franz Schuhbeck, ließ Anwesenden seine umfangreiche Präsentation zur Ansicht zukommen. Ausführlich geht er darin auf den Stoff „Gen X“ (HFPO-DA) ein, der zur Gruppe der PFAS gehört und von der EU als „besonders besorgniserregender Stoff“ eingeordnet wurde: Weil er nur sehr schwer aus der Umwelt beseitigt werden kann und weil wissenschaftliche Hinweise auf schwerwiegende Effekte auf Umwelt und die Gesundheit des Menschen deuten.

Gesundheitsschäden und Grenzwerte

„Tierversuche deuten auf eine kürzere Halbwertszeit von GenX im Vergleich zu PFOA und PFOS hin“ heißt es in Schuhbecks Präsentation. Auch die Giftigkeit der Substanz werde etwas geringer bewertet als bei PFOA. Dennoch kam es durch eine hochdosierte Gabe von GenX bei Tieren zu Leberschäden und Leberkrebs, zu Auswirkungen auf das Geburtsgewicht und eine nachteilige Auswirkung auf das Immunsystem.

Durch eine amerikanische und eine niederländische Behörde wurde anhand der Daten aus Tierversuchen eine täglich tolerierbare Aufnahmedosis ermittelt. Bei Menschen betrage die Dosis 0,021  μg pro Kilogramm Körpergewicht. Das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) leitete auf Basis dieser Untersuchungen einen Leitwert von 0,011 μg/l für HFPO-DA im Trinkwasser ab. Nach aktuellem Kenntnisstand könne bei Unterschreitung dieses Wertes trotz lebenslanger Aufnahme eine gesundheitsschädliche Wirkung ausgeschlossen werden. Die Europäische Behörde habe bisher noch keine Bewertungen geliefert.

2020 in Alzwasser nachgewiesen

„Das Landesamt für Umwelt untersucht regelmäßig die Alz als Vorfluter des Chemieparks Gendorf. Unter anderem auch auf PFAS“, schrieb Schuhbeck. 2020 sei dabei erstmals GenX in der Alz nachgewiesen und das Gesundheitsamt Altötting informiert worden. Dieses habe dann das LGL um Untersuchung der vierteljährlichen Trinkwasserproben im Landkreis gebeten. Bei Proben vom September 2021 konnte dann „GenX“ zum ersten Mal im Trinkwasser qualitativ nachgewiesen werden. Die Ergebnisse habe das Gesundheitsamt im Januar 2022 erhalten, so Schuhbeck. Aber erst danach wurde ein rechtssicheres Nachweisverfahren für die Substanz entwickelt werden, und so konnte erst im September 2022 ein akkreditiertes Labor die Substanz rechtssicher und mit genauen Messdaten im Trinkwasser des Landkreises Altötting nachweisen.

Aufbereitung von Trinkwasser

Bei manchen Proben im Landkreis erschienen die Werte im Trinkwasser relativ hoch. So beispielsweise im Alzgerner (0,008-0,01 μg) und im Öttinger Fors (0,013 - 0,01 μg), wo sie knapp am Grenzwert liegen. Nach Ansicht des Landesamts für Umwelt sei eine ausreichende Reduktion von GenX mit den vorhandenen Aktivkohlefiltern möglich, allerdings verringere sich deren Laufzeit. Als Beispiel wird die Anlage Burgkirchen/Kastl genannt, wo sich die Laufzeit der Filter um etwa die Hälfte reduzieren werde. „Für eine zuverlässige Laufzeit-Prognose im Hinblick auf die Entfernung von GenX müssen noch Praxisdaten gesammelt werden“, so Schuhbeck. In den USA genutzte Ionenaustauscher können zwar GenX entfernen, seien aber derzeit in Deutschland noch nicht einsetzbar, heißt es in der Präsentation. Dazu sei in Deutschland noch kein Zulassungsverfahren erfolgt. Falls – auch unter wirtschaftlichen Aspekten – eine Eignung der Ionenaustauscher nachweisbar sei, wäre nach Ansicht des LfU deren Einsatz auch in Deutschland denkbar.

Belastungsquelle Gendorf

„Als Quelle der Belastung im Landkreis Altötting gilt – wie bei PFOA – der Chemiepark Gendorf“ heißt es seitens des Gesundheitsamtes. In dem Chemiepark trete die Substanz infolge einer Nebenreaktion bei der Herstellung von Fluorpolymeren seit 1982 auf. „Aktuell finden Untersuchung zu Emissionsquellen und Eintragspfaden sowie möglichen Minimierungsmaßnahmen statt“, heißt es in der Präsentation.

Das LGL bietet eine umfangreiche Frage & Antwortseite

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