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Fischmonitoring im Landkreis Altötting wirft Fragen auf

Giftige Zinnverbindungen in der Alz: Wann darf das Gutachten an die Öffentlichkeit?

Die Alz leidet unter Verunreinigungen durch Chemiebetriebe im Landkreis Altötting
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Die Alz: Leider schwer von Verunreinigungen mitgenommen.

Der Landkreis Altötting hat mit einer Menge „besonders besorgniserregender Stoffe“ zu tun und vor allem die Alz ist davon betroffen. Die Ergebnisse des Fischmonitorings lassen genaue Werte missen und viele Fragen bleiben bislang offen.

Landkreis Altötting – Bereits im August hatte Kreisrat Gunter Strebel (Die Grünen) den Kreisumweltausschuss darum gebeten, das Fischmonitoring in der Alz als Thema aufzunehmen. So wurde Godehard Mayer von der Firma InfraServ Gendorf gebeten, dem Ausschuss in der Novembersitzung die Ergebnisse des zugehörigen Gutachtens darzulegen. Das geschah auch: allerdings reichlich verspätet, wie Strebel findet. „Die Ergebnisse hätten eigentlich schon letztes Jahr veröffentlicht werden müssen“, sagt er. Alle fünf Jahre führt das Unternehmen im Chemiepark Gendorf Rückstandsuntersuchungen von „relevanten Stoffen“ in Fischen, Schwebstoffen und Sedimenten in der Alz durch – das Gutachten wird der Bevölkerung aber nicht frei zugänglich gemacht.

Gutachten liegt Behörden noch nicht vor

„Das sollte nach dem Umweltinformationsgesetz anders laufen“, sagt Dr. Holger Lundt vom Bund Naturschutz Burghausen. Das Gutachten aus dem Jahr 2016 sei zwar an die Behörde ausgehändigt worden, doch Dr. Manfred Holzner, Bezirksvorstand des Fischereivereins Mühldorf-Altötting habe eine dreistellige Gebühr für den Erhalt der Untersuchungsergebnisse entrichten müssen. Dabei ist der Landkreis Altötting ein Hotspot für besorgniserregende Stoffe in der Umwelt. Ob das kürzlich im Landkreis nachgewiesene GenX, PFOA oder Chemikalien wie Triphenylzinn (TPT) oder Perfluordekansäure (PFDA): Alle genannten Substanzen landen auch in der Alz. TPT gehört zu den organischen Zinnverbindungen, die alle mehr oder weniger giftig für den Menschen sind.

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Keine Höchstwerte - kein Problem

Bei TPT handelt es sich beispielsweise um eine hochtoxische organische Zinnverbindung. Zu dieser Gruppe von Giften gehören auch Tetraphenylzinn und Diphenylzinn, welche laut Godehard Mayer in den Alzfischen zugenommen hätten. „Diese Chemikalien sind nicht umsonst verboten worden,“ so Dr. Holger Lundt vom Bund Naturschutz. Das Fischmonitoring von 2021 kommt zwar zu dem Schluß, dass Verzehrtauglichkeit von Fischen gegeben sei – das dürfte aber mitunter an den fehlenden Grenzwerten bei Fischfleisch liegen. 2019 kam die Angelegenheit bereits vor den Bayerischen Landtag. Auf Anfrage Der SPD teilte das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz mit, dass bezüglich für TPT und PFDA bislang keine Höchstmengen in Fisch existierten.

Aktuelle TPT- und PFDA-Werte wurden nicht präsentiert

„Inzwischen ist wegen dem TPT-Verbot in nahezu allen Gewässern ein stark fallender Trend zu verzeichnen,“ so Dr. Lundt. „In der Elbe (Blankenese) wurde im Jahr 2003 beispielsweise Werte im Bereich um die 7 Mikrogramm/kg gemessen.“ Der Belastungsmittelwert der Alzfische lag 2016 allerdings bei auffallend hohen 149 Mikrogramm/kg. Sogar im Gutachten war zu lesen: „Im Vergleich mit Untersuchungsergebnissen im nationalen und internationalen Umfeld sind die Werte [...] als hoch zu bezeichnen.“ Auch PFDA war laut dem Gutachten aus 2016 in den Alzfischen sehr stark angereichert. Aktuelle TPT- oder PFDA-Werte wurden dem Umweltausschuss nicht geliefert. Auf der Folie hieß es nur, dass „deutliche Belastungsrückgänge erkennbar seien.“

Fragen über Fragen

Es handele sich bei den organischen Zinnverbindungen um Altlasten, so Mayer von InfraServ. „Der Stoff wird von uns nicht mehr bewusst hergestellt.“ Was die Mayers Aussage zu bedeuten hat, lässt Gunter Strebel jedoch rätseln. Und Dr. Lundt fragt: „Warum unternimmt da niemand etwas: warum werden diese Altlasten nicht saniert?“ „Was mich nachdenklich macht, ist dass nirgends im Gutachten Angaben über Größe, Alter und Fangzeit der Fische gemacht werden“, so Dr. Manfred Holzner. „Ein Fisch der im Frühling gefangen wird, hat kaum noch Fett, während er im Winter vollen Fettreserven angesammelt hat.“ Laut Holzner seien bei älteren und/oder fetteren Fischen dementsprechend mehr Substanzen eingelagert. Im Gutachten 2021 wurde der fettreichste Fisch – der Aal – gar nicht gefangen und so auch nicht Bestandteil des Gutachtens.

Mysteriöse Studie zu Organozinnverbindungen im Chemiepark

„Der Eintrag von TPT in die Alz und den Inn ist auf Altlasten im Bereich des Chemieparks Gendorf zurückzuführen“ erklärte das Umweltministerium schon 2019. „Die Herstellung von TPT am Standort Gendorf wurde eingestellt, der Stoff nicht mehr verwendet. Nachfolgend wurden Betriebskanäle abgerissen bzw. gereinigt und saniert. Seit Ende 2015 wird eine Aktivkohlereinigungsanlage betrieben, in der Abwasser aus Kanalreinigungsarbeiten, das mit Organozinnverbindungen belastet sein könnte, gereinigt wird.“ Laut dem Wasserwirtschaftsamt Traunstein soll InfraServ 2017 ein Büro mit der Durchführung einer Studie zu Organozinnverbindungen im Chemiepark Gendorf beauftragt haben. Eine Antwort, ob der Ergebnisbericht bereits vorliegt, er

Zur Vorgeschichte

Im Jahr 2012 war es wegen eines Chemieunfalls im Chemiepark Gendorf zu einem großen Fischsterben gekommen. Durch einen Brand in einem Gebäude der Firma Clariant war eine tödliche Menge Fettamin entwichen und der Unfall erst am nächsten Morgen entdeckt worden. Die Folgen waren katastrophal. Nach freiwilligen Renaturierungsmaßnahmen durch InfraServe und andere Firmen aus dem Chemiepark hat sich die Alz inzwischen wieder erholt. Doch bereits 2006 hatten Aktivisten von Greenpeace mit einer Aktion in der Alz auf die Belastung von Fischen durch Chemikalie PFOA aufmerksam gemacht. Seit den jüngsten Untersuchungen des Trinkwassers im Landkreis Altötting, ist davon auszugehen dass nun auch GenX im Alzwasser nachgewiesen werden kann.

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