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Weitere Chemikalie im Landkreis Altötting festgestellt

Umweltgift GenX im Wasser mehrerer Gemeinden nachgewiesen

Wasser mehrerer Trinkwasserversorger im Landkreis Altötting enthält die Chemikalie GenX.
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Im Wasser mehrer Trinkwasserversorger des Landkreises Altötting wurde GenX nachgewiesen.

Noch bevor es eine Lösung für PFOA-belasteten Erdaushub gibt, klopft das nächste Jahrhundertproblem an die Tür: Die Chemikalie GenX wurde im Wasser verschiedener Versorger im Landkreis Altötting gefunden.

Landkreis Altötting – Die Neuigkeiten, die beim Kreisumweltausschuss am 21. November verkündet wurden, waren keine guten: Das Trinkwasser im Landkreis Altötting, welches seit längerer Zeit vom Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf PFOA untersucht wird, enthält GenX. Die Chemikalie gehört zu den per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) und ist auch unter der Bezeichnung HFPO-DA bekannt. Bereits 2019 wurde der Stoff von der EU als „besonders besorgniserregend“ eingestuft und dies durch ein Urteil des EU-Gerichtshofes bestätigt. Das Chemieunternehmen Chemours hatte gegen die Einstufung geklagt – und verloren.

PFOA-Ersatzstoff bereits 2019 festgestellt

GenX gilt als PFOA-Ersatzstoff und ist weder biologisch abbaubar noch durch Wasser hydrolysierbar (auflösbar). In der Industrie wird die Chemikalie beispielsweise für Lebensmittelverpackung, Feuerlöschmittel und Teflon-Beschichtungen verwendet. Laut Landrat Erwin Schneider habe das LGL die Substanz bereits 2019 zum ersten Mal nachgewiesen, allerdings nicht messen können, wieviel von dem Stoff im Wasser vorkomme. „Jetzt gelingt das“, so Schneider. „Und man hat festgestellt, dass es durchaus bei einigen Trinkwasserbrunnen nahe an den Leitwert rankommt.“ Im September 2021 habe man die Messungen gestartet, so Dr. Franz Schuhbeck vom Gesundheitsamt. „In den nächsten Tagen werden die Schreiben an die Wasserversorger rausgehen.“

Nicht so „einfach“ zu entfernen wie PFOA

„Es ist eine Substanz, die ich im Wasser nicht sehen möchte,“ so Dr. Schuhbeck, doch dies könne ein Problem werden. „GenX lässt sich nicht so gut, einfach und billig entfernen wie PFOA“, sagt er. Es sei im Landkreis Altötting sehr detailliert gemessen worden: Bei manchen Versorgern käme die Substanz nur im Rohwasser aber nicht nach der Aktivkohleaufbereitung vor. Bei anderen aber sogar nach der Filterung im Leitungswasser. Die Werte seien minimal. „Das ganze Verfahren ist schwierig und anspruchsvoll. Wir haben eine Messtoleranz von etwa 50 Prozent. Analytisch ist das ganze also alles andere als simpel“, führt Dr. Schuhbeck an. Der Leitwert sei aus Tierversuchen abgeleitet, und besage nur dass bis zu dieser Konzentration nicht mit gesundheitlichen Nachteilen zu rechnen sei. Schuhbeck: „Damit möchte ich mich aber nicht zufrieden geben. Es muss unser Anliegen sein, die höchste Qualität und Reinheit des Trinkwassers zur Verfügung stellen zu können.“

Wie schädlich ist GenX?

„Es gibt noch sehr wenig Untersuchungen zu den Auswirkungen beim Menschen“, so Dr. Schuhbeck. Die Substanz sei „tricky“ und im menschlichen Blut schwer nachweisbar, doch es gebe eine Studie aus den Niederlanden. Dort wurde bei Ratten, die GenX aufnahmen, eine Veränderung der Bluteiweiße (Globulin und Albumin) und damit eine verminderte Immunfunktion festgestellt. Auch eine Studie in den USA belebt die Toxizität: Bei Mäusen führte GenX zu Leberschädigungen und Störungen in der Reproduktion und Entwicklung.

DK1 Deponie für PFOA-Bodenaushub

„Es ist ein ungutes Thema, das da auf uns zukommt“, so Landrat Erwin Schneider. „Je weiter die Analyse fortschreitet, desto mehr Stoffe werden wir nachweisen können. Es werden immer mehr und eine unendliche Geschichte, was die PFAS betrifft.“

Erneut war im Kreisumweltausschuss auch dieses Mal seitens Burghausen die Frage nach einer Deponie für PFOA-belasteten Bodenaushub gestellt worden. Dr. Robert Müller konnte hierzu nur auf die vielen Unwägbarkeiten verweisen. Das Modell für die DK1 Deponie müsse von der Regierung von Oberbayern genehmigt werden. „Es wird nicht länger dauern als es braucht. Aktuell finden Gespräche mit Grundstücksbesitzern und Playern statt. Wir gehen aber davon aus, dass wir ein Zwischenlager brauchen werden.“

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