Wohnhausbau wird zur "nasalen Angelegenheit"

Burgkirchen: "Stink"-Gutachten in Höresham

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Auf diesem Grundstück sollen Wohnhäuser gebaut werden
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Burgkirchen - Das Thema Landluft beschäftigte den Gemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung weil ein Antrag auf Erlass einer Außenbereichssatzung für den Ortsteil Höresham vorlag. Mit drei Gegenstimmen beschloss er die Aufstellung einer solchen.

Die ländliche Idylle: Ruhe, Abgeschiedenheit, Natur pur. Sie lässt auch schon mal den eingefleischtesten Großstädter romantisch werden und aufs Land ziehen wollen. „Da will ich wohnen“, heißt es dann aber da gibt es ein Problem und das wiederum betrifft nicht nur die Großstädter mit Lust aufs Land.

Reversible Kausalitätskette

Mittelpunkt in Höresham: Der Maibaum

Wer nun den eigentlichen Stein ins Rollen und damit die sogenannte Außenbereichssatzung mit auf den Weg gebracht hat, ist nicht bekannt. Man munkelt, es seien dann doch die Großstädter gewesen. Belegen kann man das aber nicht.

Ländliche Idylle

Grundsätzlich gilt: Auf dem Land ein Wohnhaus zu bauen geht, wenn überhaupt, nicht ohne Weiteres, soll es im sogenannten Außenbereich einer Gemeinde stehen. In so einem Außenbereich wie beispielsweise im Burgkirchner Ortsteil Höresham gibt es nämlich Landwirtschaft. Die gilt als „privilegiert“. Vereinfacht gesagt: Der Bauer darf bauen, wenn der besagte Außenbereich überwiegend landwirtschaftlich geprägt ist, alle anderen nicht.

Die Zeiten ändern und das Bauernhofsterben greift um sich. Viele Betriebe müssen schließen. Damit ist so ein Außenbereich ganz schnell mal nicht mehr überwiegend landwirtschaftlich geprägt. Ein Wohnhaus bauen geht immer noch nicht aber jetzt gibt es Möglichkeiten. Genauer gesagt ist es nur eine und die lautet „Außenbereichssatzung“. Sie bedeutet etwas mehr als eine Formalität verwaltungstechnischer Art.

Geruchsgutachten

Einfahrt nach Höresham

Weil ein Landwirt in Höresham, in einem jetzt also nicht mehr überwiegend von Landwirtschaft geprägtem Außenbereich, nicht einfach vertrieben werden können soll, schreibt die Verwaltung mit der Außenbereichssatzung vor, dass ein Geruchsgutachten erstellt werden muss. Warum? Viehwirtschaft setzt Gerüche frei. So weit, so gut. Die könnten den Nachbarn in ihren Wohnhäusern im wahrsten Sinne des Wortes stinken und sie hätten bei einer entsprechen Überbelastung – sagen wir einfach „nasaler Art“ – die Möglichkeit, den Bauern auf dem Rechtsweg zur Schließung seines Betriebes zu zwingen.

Hier soll gebaut werden

Das Geruchsgutachten soll das verhindern. Es ist Vorschrift. Vereinfacht gesagt, schaut sich der Gutachter die Wetteraufzeichnungen der letzten Dekaden an und errechnet einen Mittelwert. Beispiel: Im Schnitt stinkt es an 49 Tagen im Jahr weil der Wind aus dem Kuhstall für die Nachbarn ungünstig steht. Liegt die maximale „Stink-Belastung“ bei 50 Tagen im Jahr, ist alles klar und es darf gebaut werden. Stinkt es dann tatsächlich aber 60 Tage im Jahr, dann muss das der Anwohner ertragen. So schreiben es die Richtlinien verwaltungstechnischer Art vor. Rechtsmittel bei 60 Tagen wegen „nasaler Überbelastung“ gibt es dann nicht mehr.

Ausblick

Ob es spannend bleibt in Höresham? Sicher! Der Gutachter wird im Rahmen seiner Arbeit tatsächlich auch seine Nase in den Wind halten müssen. Klagen von Anwohnern wären aber von vorne herein nicht zu erwarten, denn es handelt sich bei den Bauherren um ehemalige Landwirte in Höresham, die – siehe oben – jetzt selbst nicht mehr so ohne Weiteres bauen dürfen.

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