Projekt von Infraserv Gendorf

Sohlgleite in der Alz: Freie Fahrt für Fische

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Die neue Sohlgleite ist weitaus fischfreundlicher als das alte Querbauwerk. Eine moderne Fischaufstiegsanlage ermöglicht den Fischen die Wanderung flussaufwärts
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Burgkirchen - Meilenstein für die Renaturierung der Alz: Auf Höhe der Kühlwasserentnahme des Werks Gendorf ermöglicht eine moderne Sohlgleite den Fischen den Aufstieg.

Bei der offiziellen Übergabe der Sohlgleite am Mittwoch blickten die Bayerische Umweltministerin Ulrike Scharf und Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsführer von Infraserv Gendorf, noch einmal drei Jahre zurück. Bei einem Chemieunfall waren Schadstoffe in die Alz gelangt, rund 80 Prozent der Fische starben. "Die Nachricht vom Chemieunfall in Gendorf hat ganz Bayern in Aufregung versetzt", erinnerte sich die Umweltministerin am Mittwoch.

Die Firma Infraserv hatte seinerzeit prompt reagiert und war nicht nur für den entstandenen Schaden aufgekommen, sondern hatte mit großen finanziellen Mitteln (auch vom ebenfalls in Gendorf ansässigen Unternehmen Clariant) die Renaturierung der Alz vorangetrieben. Ein Jahr nach dem Chemieunfall hatte es dafür sogar Lob vom Bund Naturschutz gegeben.

16 verschiedene Fischarten in der Alz

Umweltministerin Ulrike Scharf hat sich vor Ort ein Bild von der Sohlgleite gemacht (zum Vergrößern Bild anklicken)

Inzwischen wurden acht Altwasser und zwei Auengräben ausgebaut, der Fischbestand erholt sich nach und nach. Laut dem jüngsten Monitoring gibt es aktuell 16 verschiedene Fischaten in der Alz und Langhammer zufolge ist sogar der Edelkrebs in der Alz zuhause, ein Tier, das sich nur in besonders sauberen Gewässern wohl fühlt. Mittlerweile ist auch die Sohlgleite auf Höhe der Kühlwasserentnahme des Industrieparks fertiggestellt. Das Bauvorhaben musste zunächst genehmigt werden, im Herbst letzten Jahres gab es für das rund eine Million Euro teure Projekt grünes Licht von den Behörden. Die eigentlichen Bauarbeiten dauerten dann noch bis März dieses Jahres.

"Unsere Gewässer sind unsere Lebensgrundlage"

Auf den ersten Blick macht die Alz auf Höhe der Sohlgleite einen völlig naturbelassenen Eindruck

Auf den ersten Blick macht die Sohlgleite einen völlig naturbelassenen Eindruck. Tatsächlich wird dort aber weiter Kühlwasser entnommen – nur ist das Areal drum herum weitaus fischfreundlicher als früher. Das alte Querbauwerk stellte für die flussaufwärts wandernden Fische ein unüberwindbares Hindernis dar. Die neue Sohlgleite enthält dagegen eine moderne Fischaufstiegsanlage.

Umweltministerin Ulrike Scharf

Natur und Industrie werden damit wieder ein Stück mehr miteinander versöhnt. "Unsere Gewässer sind unsere Lebensgrundlage", mahte Umweltministerin Scharf – und lobte zugleich all jene, die sich für die Renaturierung der Alz engagieren für ihr "umsichtiges und konsequentes" Handeln. "Mit dem heutigen Tag wurde beinahe der Zustand wie vor dem Unfall erreicht", sagte die Ministerin. Einzig bei der Fischfauna gebe es nun noch Defizite.

"Der Fischreichtum der Alz war legendär"

Infraserv-Geschäftsführer Dr. Bernhard Langhammer

Die Alz war in den letzten Jahrzehnten vielen äußeren Einflüssen unterworfen. "Viele Jahre war der Fischreichtum der Alz sogar legendär", erzählte Langhammer. Dann begannen aber Industrie und Kommunen den Fluss mehr und mehr zu nutzen. Die Alz sei die Grundlage für die chemische Industrie gewesen, betonte der Infraserv-Geschäftsführer. Die Unternehmen entnahmen Kühl- und Prozesswasser, die Gemeinden leiteten Abwässer in die Alz. "In den Sechziger Jahren war die Wasserqualität so schlecht, dass viele Tier- und Pflanzenarten ausgestorben waren", sagte Langhammer. Seit den Siebzigern habe sich die Wasserqualität aber kontinuierlich verbessert, sowohl die Unternehmen als auch die Gemeinden hätten etwa in Kläranlagen investiert.

Verein "Naturnahe Alz" gegründet

Auch nach den großen Investitionen der letzten Jahre wird sich Infraserv weiter für die Renaturierung der Alz einsetzen. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein hat auf Grundlage der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie bereits ein Konzept erarbeitet und kann künftig auf die Unterstützung des neu gegründeten Vereins "Naturnahe Alz" zählen. Darin engagieren sich neben Infraserv sieben weitere Unternehmen aus Gendorf und der Region: Clariant, Dyneon, Wacker, Global Amines, Vinnolit, Archroma und Hamburger Rieger. "Als Anrainer, die von der Nähe zur Alz profitieren, wollen wir so nachhaltig einen positiven Beitrag zum Ökosystem Alz leisten", erklärte Langhammer und Umweltministerin Scharf lobte: "Wenn sich Unternehmen in so einem Verein zusammenschließen, zeigt das sehr deutlich, dass die Industrie bereit ist, Verantwortung für die Natur zu übernehmen."

Das ist die neue Sohlgleite an der Alz

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