Nachbarschaftsgespräch im Chemiepark

Chemiepark Gendorf: Sichere Stromversorgung im Fokus

Burgkirchen – Über 90 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nahmen die Gelegenheit wahr, beim Nachbarschaftsgespräch des Chemieparks am 29. März Informationen über aktuelle Themen der Unternehmen am Standort Gendorf aus erster Hand zu erhalten. 

Einen allgemeinen Überblick zurGesamtentwicklung der Chemieindustrie und des Chemieparks GENDORF gab Dr. Bernhard Langhammer, Geschäftsleiter der InfraServ Gendorf

Im zweiten Halbjahr 2018 habe das bisher positiv verlaufende Chemiegeschäft eine merkliche Delle erhalten – insgesamt ging die Chemieproduktion (ohne Pharma) im Geschäftsjahr um 2,2 Prozent zurück. Eine Tendenz, die sich auch voraussichtlich 2019 fortsetzen wird – vor dem Hintergrund der steigenden politischen Unsicherheiten wie Brexit sowie den Problemen der für das Chemiegeschäft wichtigen Automobilindustrie. 

Im Chemiepark GENDORF hingegen wirkte sich dies zunächst nicht aus: Die Tonnage-Mengen stiegen in 2018 auf einen historischen Rekordwert von 1,76 Millionen Tonnen. Gerade die derzeit laufende Erweiterung der Gleisinfrastruktur im Norden des Chemieparks habe deshalb auch große Bedeutung, um das mengenmäßige Wachstum auch in Zukunft logistisch zu beherrschen, so Langhammer. 

Die I nvestitionen am Standort stiegen mit 90 Millionen EUR auf einen 10-Jahreshöchstwert. Nach oben gingen auch die Ausbildungszahlen –90 junge Menschen starteten im Herbst 2018 ihre Ausbildung im Chemiepark

Ein anderes Thema von höchster Priorität im Chemiepark: Sicherheit. Im Vergleich zu 2008 sanken die Unfallzahlen mit Ausfallzeit um ganze 70 Prozent auf zwölf Unfälle – wohlgemerkt für den gesamten Chemiepark mit seinen rund 4.000 Mitarbeitern. 

Größte Herausforderung: Sichere und wettbewerbsfähige Energieversorgung 

Chemieparkleiter Langhammer identifizierte die Energieversorgung der Zukunft als größte Herausforderung für die chemische Industrie – und damit auch für den Standort Gendorf: „Nur, wenn wir eine sichere, grundlastfähige und wettbewerbsfähige Energieversorgung sicherstellen können, sehe ich langfristig eine Zukunft für die chemische Industrie in Deutschland.“ 

Schon aus Eigeninteresse engagiere man sich in einem neu gegründeten Energieeffizienznetzwerk, schone Ressourcen und nutze Einsparpotentiale, wo immer möglich – so sei die Produktion am Standort zwar in den vergangenen zehn Jahren um 40 Prozent gestiegen, der Energieverbrauch hingegen dank verbesserter Effizienz nur um 3,6 Prozent. „Aber die Möglichkeiten sind begrenzt. Einige Prozesse brauchen feste Energiemengen“, so Langhammer. 

Dazu komme die gestiegene Anfälligkeit des Stromnetzes für Netzschwankungen aufgrund der Einspeisung erneuerbarer Energien: „Spannungsschwankungen im Millisekunden-Bereich kann für uns bedeuten, dass Anlagen vom Netz gehen und in einen gesicherten Zustand fahren. Das ist auch bereits mehrmals passiert.“ Das bedeute hohen Aufwand und Kosten – auf Dauer eine enorme Belastung der Wettbewerbsfähigkeit, befürchtet Langhammer. Mit Abschalten der letzten Kernkraftwerke spitzt sich die Lage für die Industrie zu. 

Auch in diesem Jahr war das Nachbarschaftsgespräch sehr gut besucht: Moderator Tilo Rosenberger-Süß begrüßte über 90 interessierte Zuhörer.

Dyneon: Weiteres Wachstum geplant 

Auch die Standortunternehmen spüren die ersten Auswirkungen der Energiepolitik. So konnte Standortunternehmen Dyneon seinen Umsatz deutlich steigern – massiv steigende Energiekosten belasten neben PFOA allerdings das Ergebnis. 

Die Auftragslage bleibt gut für 2019, wenn auch mit ungewissem Ausblick“, bilanzierte Geschäftsführer Stephan Führer. 2018 wurden 50 neue Mitarbeiter eingestellt: Rund580 Mitarbeiter beschäftigt das Unternehmen heute am Standort Gendorf. 

„Unsere Entwicklungsschwerpunkte sehen wir unter anderem in der Energiespeicherung und -umwandlung sowie in speziellen Anwendungen, zum Beispiel bei innovativen Gebäudehüllen in der Architektur. Hier spielen unsere Fluorpolymere eine wichtige Rolle“, so Führer. Bei den Fluorpolymeren setze Dyneon am Standort Gendorf mit einer Upcycling-Anlage Umweltstandards für die Fluorkunststoffindustrie. 

Gelegenheit zum persönlichen Austausch, unter anderem mit ISG-Geschäftsleiter Dr. Bernhard Langhammer (Mitte), fanden die Besucher des Nachbarschaftsgesprächs beim anschließenden Empfang.

Führer zeigte sich ebenso zufrieden mit der im vergangenen Jahr gefundenen langfristigen Einigung der Kostenübernahme beim Bau von Filteranlagen für PFOA und der damit gesicherten Trinkwasserversorgung. 

Was die ebenfalls festgestellten Belastungen des Erdreichs in der Region betreffe, unterstütze man die Behörden bei der Entwicklung eines umfassenden Bodenmanagementkonzepts

Clariant: Standort Gendorf wird weiter ausgebaut 

Dr. Andreas Fischbach, seit Ende 2018 neuer Standortleiter der Clariant in Gendorf, benannte in seiner Präsentation ein Leuchtturmprojekt für Gendorf: Um den stetig steigenden Produktionsbedarf zu decken, erhöht Clariant seine Ethylenoxid-Kapazitäten und plant hierfür eine Anlagenerweiterung in 2019. 

„Das kontinuierliche Wachstum mit Ethylenoxid- Folgeprodukten sichert den Standort und schafft neue Arbeitsplätze“, fasste Fischbach zusammen. 

Die markante Kolonne der Anlage mit einer Höhe von etwa 80 Metern wird voraussichtlich Ende Mai in Burgkirchen eintreffen. Die Inbetriebnahme ist im Herbst geplant. 

Andreas Fischbach ging des Weiteren auf dieNachhaltigkeitsstrategie seines Unternehmens ein: Bei der Erreichung der selbstgesetzten ehrgeizigen Umweltziele, wie etwa der Verringerung des Energieverbrauchs und der CO2-Emissionen sei man auf einem guten Weg und werde dies konsequent fortsetzen. Auch in der Nachbarschaft war Clariant aktiv: Neben einer Gabelstapler-Spende an das THW unterstützte der Gendorfer Standort ein Gewaltpräventionsprojekt für Grundschulkinder in Gendorf und übernahm eine Gesundheitspatenschaft für die Grundschule Tann. 

Sie informierten die Gäste aus der Nachbarschaft über aktuelle Entwicklungen am Chemiepark GENDORF (v.l.): Tilo Rosenberger-Süß (Moderator), Klaus Baier (Vinnolit), Dr. Andreas Fischbach (Clariant), Stephan Führer (Dyneon) und Dr. Bernhard Langhammer (ISG).

Vinnolit: Erweiterung der Kapazitäten

Für den PVC-Hersteller Vinnolit berichtete Standortleiter Klaus Baier von einem wirtschaftlich sehr erfolgreichen Jahr: „Sowohl bei der Chlorproduktion als auch bei der Vinylchloridmonomer-Produktion erreichten wir Höchstmengen. 

Bei der PVC-Produktion gelang es uns in den letzten fünf Jahren sogar, das Rekordergebnis des Vorjahres jeweils zu übertreffen“, so Baier. Was die Investitionen am Standort betrifft, wird Vinnolit die Chlorkapazität in Gendorf bis Mitte 2020 erweitern. 

Zum Einsatz kommt dabei eine besonders energieeffiziente Membrantechnologie. Parallel wird bis Mitte 2021 auch die Kapazität bei VCM in Vinnolit-eigener Technologie ausgebaut. „Der erste Schritt der Erweiterungsmaßnahmen, der neue Oxi-Reaktor, wurde hierfür wie geplant im Herbst 2018 in Betrieb genommen“, schilderte Standortleiter Baier. Mit dem Ausbau in Gendorf verfolgt das Unternehmen das Ziel, regionale Kapazitäten besser auszubalancieren und VCM-Transporte zu vermindern. 

Am Standort in Gendorf beschäftigt Vinnolit derzeit etwa 420 Mitarbeiter und bildet 31 Azubis aus. Als größter Stromverbraucher in Gendorf brachte Baier auch seine Sorge über die Energieversorgung zum Ausdruck und gab vor dem Hintergrund steigender Stromkosten zu bedenken: „Wir in Gendorf konkurrieren mit unseren Produkten sowohl mit externen Wettbewerbern als auch konzernintern, wenn es um die Verteilung von Investitionsmitteln geht. Eine grundlast- und wettbewerbsfähige Stromversorgung ist für uns essentiell.“

 Standortbetreiber InfraServ Gendorf 

Investitionen der Standortunternehmen ziehen in der Regel auch Investitionen von Chemieparkbetreiber InfraServ Gendorf (ISG) zur Ertüchtigung der Infrastruktur mit sich: Daher überraschte die getätigte Summe von 22 Millionen Euro in 2018 nicht, die ISG- Geschäftsleiter Dr. Bernhard Langhammer vorstellte. 

Zugleich wird das vor zehn Jahren gestartete Infrastruktur-Investitionsprogramm mit einem Gesamtvolumen von 130 Millionen Euro zum Abschluss kommen: 340 Projekte wurden in dessen Rahmen umgesetzt, angefangen von der Sanierung der Kanäle über die Umstellung der Chemiepark-Beleuchtung auf LED bis hin zur Modernisierung der Rückkühlwerke. Letztere helfen mit, den Wasserverbrauch weiter zu senken – dieser konnte pro Produktionstonne in den letzten zehn Jahren um 38 Prozent verringert werden. 

Aktuell ist das Verfahren zur Verlängerung der wasserrechtlichen Erlaubnis zur Einleitung in die Alz in Vorbereitung. Auch das Thema Digitalisierung spielt für InfraServ Gendorf eine Rolle: Aktuell arbeite man an einem digitalen Geoinformationssystem für den gesamten Chemiepark, welches Infrastrukturdaten aus vielen verschiedenen Bereichen bündelt und erstmals in einem System zusammenführt. Das Nachbarschafts- und Mandatsträgergespräch zählt seit vielen Jahren zu einem festen Baustein in der Öffentlichkeitsarbeit des Chemieparks GENDORF. Viele Funktionsträger aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft nutzen die jährliche Gelegenheit, um sich über die Entwicklungen im Chemiepark GENDORF zu informieren. 

Moderiert wurde die Veranstaltung von Tilo Rosenberger-Süß, Leiter der ISG-Unternehmenskommunikation.


Pressemeldung InfraServ GmbH & Co. Gendorf KG

Rubriklistenbild: © ISG

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