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Burgkirchens Bürgermeister im Gespräch

Johann Krichenbauer: „Wir müssen streng haushalten. Und wir wissen, dass der Chemiepark Gendorf keine Schokoladenfabrik ist“

Ist mit der Vorgehnsweise von Landratsamt Altötting und Wasserwirtschaftsamt Traunstein nicht einverstanden: Bürgermeister Johann Krichenbauer
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Johann Krichenbauer (60) ist seit November 2012 Erster Bürgermeister der Gemeinde Burgkirchen.

Im Sommer-Interview spricht Johann Krichenbauer Klartext. Er sagt, wie es seiner Gemeinde im Vergleich zur Stadt Burghausen finanziell geht. Er nimmt auch Stellung zum umstrittenen Umzug der Wirtschaftsschule nach Altötting und dem Chlorgas-Zwischenfall im Chemiepark.

Burgkirchen an der Alz - Johann Krichenbauer (Freie Wähler) musste sich am 28. Juni Sorgen machen um 51 verletzte Mitarbeiter nach einem Chlorgas-Austritt im Werk Gendorf. Für Aufsehen sorgte sein emotionaler Auftritt beim Kreistag in der Herzog-Ludwig-Realschule Altötting im März. Dabei bedauerte er den Verlust der Wirtschaftsschule, die von Burgkirchen kommissarisch aufgenommen worden war.

Teil 6 unserer Sommer-Serie mit Gesprächen mit Bürgermeistern aus dem Landkreis Altötting. Lesen Sie auch die Interviews mit Garchings Bürgermeister Maik Krieger, Tögings Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst, Altöttings Bürgermeister Stephan Antwerpen , Neuöttings Stadtoberhaupt Peter Haugeneder und dem Burghauser Bürgermeister Florian Schneider.

Herr Krichenbauer, waren Sie heuer schon im Urlaub bzw. sind Sie „erholungsbedürftig“?
Ja, ich fühle mich wirklich erholungsbedürftig! Zu Pfingsten hatte ich das große Glück, einen Kurzurlaub einschieben zu können. Mein eigentlicher Urlaub steht jedoch im August noch bevor und ich freue mich sehr darauf. Die letzten zwei Corona-Jahre waren anstrengend und nervenaufreibend. Die Arbeit war erheblich aufwendiger und die gesellschaftlichen Spannungen haben ihre Spuren hinterlassen.
Welche Urlaubsdestinationen mögen Sie besonders gerne?
In den Jahren, in denen Urlaubsreisen leicht möglich waren, hat es mich immer in die Berge gezogen, gleichzeitig hatte ich aber Sehnsucht nach dem Meer. Ich bin jemand der auch im Urlaub aktiv sein und etwas über Kultur, Land und Leute erfahren möchte.
Der neue Pumptrack ist schon jetzt ein Riesenerfolg in Burgkirchen. Was könnte man noch alles für die Jugend tun? 
Der Pumptrack war mir ein persönliches Anliegen, da er eine Freizeitmöglichkeit für alle Altersgruppen vom Kleinkind bis zum hochbetagten Rentner ist. Die Sanierung des Freibades mit seinen vielen neuen Attraktionen sowie Sport- und Freizeitmöglichkeiten ist abgeschlossen und macht das Burgkirchner Freibad meiner Meinung nach zum schönsten Freibad im Landkreis.
Welche Projekte in Burgkirchen sind Ihnen 2022 noch besonders wichtig?
Die Fertigstellung des Hochwasserschutzes in Hirten sowie dessen Weiterführung bis nach Gendorf stehen ganz oben auf der Liste. Diese Maßnahme schützt Haus und Hof und möglicherweise auch Leben vieler Bürgerinnen und Bürger. Ein weiteres großes Thema ist die Neuerrichtung eines Kindergartens mit Kinderkrippe. Hier läuft die Planung auf Hochtouren. Ebenso läuft die Abschlussplanung für den Neubau des Kinderhortes an der Grundschule. Die Sanierung des Glasdaches im Bürgerzentrum steht an, die Neuausweisung des Baugebietes Pfaffing und des Baugebietes Pirach. Das Baugebiet Wimpassing III wollen wir vollständig erschließen.
Beim Kreistag im März reagierten Sie emotional, als um den Standort der Wirtschaftsschule ging. 
Ich bedauere den Umzug nach Altötting außerordentlich. Über sehr viele Jahre haben wir sehr gut mit der Wirtschaftsschule zusammengearbeitet. Noch im Herbst letzten Jahres wurden Gespräche mit dem Landrat hinsichtlich eines Erweiterungsbaues in Burgkirchen geführt. Kurze Zeit später bekamen wir dann „die Schuhe vor die Tür gestellt“. Weder die Art und Weise noch die Argumentation der Vertreter von Wirtschaftsschule und Landkreis sind für mich nachvollziehbar. Es handelt sich wohl um eine rein politische und um keine sachorientierte Entscheidung.
Muss Ihre Gemeinde in Sachen bezahlbarer Wohnraum zulegen?
Burgkirchen ist eine Zuzugsgemeinde. In den 1980er, 1990er und 2000er Jahren ist in Burgkirchen massiv sozialer Wohnungsbau betrieben worden. Wenn ich die Zahlen richtig im Kopf habe, ist unser Mietpreisniveau im landkreisweiten Vergleich am unteren Ende. Auch bei der Bereitstellung von Baugrundstücken sind wir sehr günstig. Wir sind in der glücklichen Lage oftmals selbst Verkäufer der Wohnbaugrundstücke in neuen Wohngebieten zu sein. So können wir den Kaufpreis sozial verträglich gestalten und somit einen wichtigen Beitrag gerade für junge Familien leisten. 
Ist Burgkirchen „genauso reich wie Burghausen“, wegen der Gewerbesteuern? 
Nein. Da trennen uns Welten. Gerade die Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 2009 und 2010 hat bei uns deutliche Spuren hinterlassen. So musste die Keltenhalle, die einzige Eishalle im Landkreis, geschlossen werden. Auch das Freibad stand auf der Kippe. Wir in Burgkirchen müssen wirklich haushalten und sparsam agieren, um unsere Aufgaben für die Allgemeinheit erfüllen zu können
Was bedeutet der Chemiepark Gendorf für die Region? 
Das ChemDelta Bavaria ist der Zusammenschluss der chemischen Firmen im Bayerischen Chemiedreieck. Die chemische Industrie sichert den Wohlstand in der gesamten Region. Der Chemiepark Gendorf und die Gemeinde brauchen sich gegenseitig. Deshalb ist ein transparentes und vertrauensvolles Miteinander sehr wichtig. 
Wie sehen Sie mit etwas Abstand den Zwischenfall mit dem Chlorgasaustritt bei Westlake Vinnolit? 
Wir wissen alle, dass der Chemiepark keine Schokoladenfabrik ist. Aber ich habe das Vertrauen, dass alle Verantwortlichen sich täglich dafür einsetzen, dass Prozesse kontrolliert und sicher ablaufen. Alle Mitarbeiter im Chemiepark und die Bürger sitzen im gleichen Boot. Wenn etwas passiert, können wir alle betroffen sein. Im Chemiepark können kleine Fehler große Folgen haben. Deshalb sind die Verantwortlichen in der Industrie ständig bemüht, auch kleine Fehler durch Sicherheitsmaßnahmen zu unterbinden. Leider gelingt dies nicht immer.
Was gefällt Ihnen am Amt des Bürgermeisters?
Ich habe das Privileg, den örtlichen Bereich mitzugestalten und damit die Zukunft eines Ortes maßgeblich zu prägen. Man wird mit Ängsten und Nöten von Bürgern konfrontiert und kann oftmals Hilfestellung leisten. So darf ich dazu beitragen, dass gesellschaftlicher Zusammenhalt und regionale Identität gestärkt werden.
Wie stellen Sie sich Burgkirchen im Jahr 2032 vor?
Als liebens- und lebenswerten Ort, an dem sich zufriedene, glückliche Menschen aller Altersschichten und Kulturen rundum wohlfühlen

innsalzach24.de bedankt sich bei Johann Krichenbauer für das Gespräch.

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