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Rund 70 Bürger im Austausch mit den Experten

Info-Veranstaltung zum Biomasse-Kraftwerk in Gendorf zeigt Vor- und Nachteile auf

Insgesamt kamen bei der Informationsveranstaltung rund 70 Bürger im Bürgerzentrum mit den Experten von Infraserv und E.ON ins Gespräch.
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Insgesamt kamen bei der Informationsveranstaltung rund 70 Bürger im Bürgerzentrum mit den Experten von Infraserv und E.ON ins Gespräch.

70 Bürger kamen am Mittwoch (16. November) zu einer Informationsveranstaltung über das geplante Biomasse-Heizkraftwerk in Gendorf. Seitens der Experten wurden dabei einige besonders interessante Fakten rund um das geplante Projekt aufgezeigt.

Burgkirchen an der Alz – Im Burgkirchner Bürgerzentrum wollten die Interessierten von Experten der Infraserv und E.ON mehr über die Planungen erfahren, denen zufolge der Chemiepark künftig klimaneutraler mit Strom versorgt werden und für die Produktionsprozesse benötigten Dampf erhalten soll. Der CO2-Ausstoß des Standortes würde sich dadurch um rund 45 Prozent senken. Auch wenn die Projektgruppe „Biosteam Gendorf“ das Feedback aus der Bevölkerung als positiv und konstruktiv betrachtet, könnte die EU den Plänen einen Strich durch die Rechnung machen.

Um sicherzustellen, dass wichtige chemische Produktionsprozesse nicht zum Erliegen kommen, hat das Werk Gendorf schon lange eine eigene Energieversorgung. Um sich aber in Zukunft weniger abhängig von Gasturbine und der Dampferzeugung auf Basis fossiler Brennstoffe zu machen, plant die Infraserv zusammen mit E.ON intensiv für ein Biomasse-Heizkraftwerk. Dazu wurde im Sommer die Projektgesellschaft „Biosteam Gendorf“ gegründet, die später auch das fertige Kraftwerk betreiben soll.

Infraserv-Studie zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes

Laut der Studie „Ever Green“ der Infraserv aus dem vergangenen Jahr ist das klimaneutrale Kraftwerk ein Baustein um dem politischen Ziel näher zu kommen den CO2-Ausstoß auf null zu reduzieren, wie es von der EU für das Jahr 2050, von der Bundesrepublik bereits für das Jahr 2045 und vom Freistaat sogar schon für 2040 gefordert wird.

Dem Planungsteam zufolge wäre das Projekt aus eigener Kraft bis 2026 zu realisieren. Damit wäre man nach der aktuellen Gesetzeslage den politischen Zielen zur CO2-Reduktion etwa vier Jahre voraus. Unklar ist allerdings, ob die neue Energierichtlinie (RED III) des EU-Parlaments den Plänen einen Strich durch die Rechnung macht. Denn nach dem Brüsseler Beschluss vom September soll Holz ab 2030 nicht mehr zu den erneuerbaren Energien zählen und damit gäbe es keine CO2-Reduktion mehr.

Bürgermeister äußert sich zu den Plänen

Burgkirchens Bürgermeister Johann Krichenbauer hält die Pläne im Werk jedenfalls für eine gute Perspektive, um den internationalen Konzernen am Standort langfristig bezahlbare und umweltfreundliche Energie garantieren zu können. Zwar ist die Anlieferung des Brennmaterials offenbar nicht über die Schiene möglich, aber die etwa 50 Lkw am Tag sind „der Preis, den wir als Gemeinde womöglich zahlen müssen“.

Daten und Fakten zum Biomasse-Kraftwerk

Die neue Anlage soll etwa 30 Megawatt elektrische und 90 Megawatt thermische Leistung erbringen, womit man 40.000 Haushalte mit Strom respektive 46.000 mit Wärme versorgen könnte. Laut dem Expertengremium in Gendorf, das sich seit Längerem mit der Planung der Anlage beschäftigt, gibt es keine Alternative.

Denn im Chemiepark werden jährlich etwa 0,7 Terawattstunden Prozesswärme in Form von Dampf jenseits der 200 Grad unter hohem Druck benötigt. Das stellt auch besondere Anforderungen an das Leitungsnetz dar, das aus Effizienzgründen nicht allzu lang sein sollte. „Anders als Strom, lässt sich Wärme nicht ohne Weiteres über größere Distanzen transportieren“, erklärt Pressesprecher Tilo Rosenberger-Süß die Notwendigkeit einer Lösung innerhalb des Chemieparks.

Filteranlagen bringen große Vorteile

Ungeachtet der unklaren politischen Situation mit RED III, treibt der Chemiepark die Planungen zu dem Biomasse-Heizkraftwerk voran und will noch in diesem Jahr die Unterlagen bei der Genehmigungsbehörde einreichen. Bedenken der Öffentlichkeit hinsichtlich des großen Holzbedarfs einer solchen Anlage kann man auch in der Belegschaft nicht nachvollziehen: „Dank der Filteranlagen könnten wir zum Beispiel auch belastete Hölzer umweltfreundlich verbrennen“, führt der stellvertretende Betriebsrat Markus Staller an.

Gemeint sind Rückschnitte aus der Straßen- und Landschaftspflege, die in anderen Anlagen gar nicht verbrannt werden dürften. Vor allem aber könne man in so einer industriellen Großanlage aber auch minderwertiges Brennmaterial effizient verfeuern, das beispielsweise für die Heizungen von Privatleuten gar nicht geeignet sei.

Holzpreise könnten weiter steigen

Kritischer sieht das Geschäftsführer Thomas Kronberger vom Energiesparwerk in Altötting. Zwar lässt er nichts über den Rohstoff Holz an sich kommen und kann ebenfalls RED III in seiner aktuellen Fassung nicht nachvollziehen. Doch seinen Informationen zufolge, ist der Chemiepark nicht der einzige Großbetrieb im Umkreis von 100 Kilometern, der eine industrielle Hackschnitzelheizung haben will.

Seiner Meinung nach wird sich das zweifellos auf die Verfügbarkeit von Holz und damit den Preis auswirken. „Nicht erst seit dem Ukrainekrieg steigt das Interesse an Holzöfen ständig! Alleine in den letzten acht Wochen hat sich der Preis von Holz verdoppelt!“, verdeutlicht der Geschäftsführer des Altöttinger Hackschnitzelwerks die Volatilität des Preises für den nachwachsenden Rohstoff.

pbj

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