Alz: Chronologie des Fischsterbens

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6,5 Tonnen toter Fische wurden bereits aus der Alz geholt. Kadaver, die noch am Grund liegen, nicht einberechnet...

Burgkirchen/Altötting - Mindestens 6,5 Tonnen tote Fische! Das Landratsamt Altötting hat jetzt in einer Pressemitteilung eine Chronologie der Alz-Verunreinigung herausgegeben:

Zum Thema:

Das Landratsamt Altötting bat Vertreter der Regierung von Oberbayern, des Landesamtes für Umwelt, des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, des Gewerbeaufsichtsamts sowie der Firmen InfraServ und Clariant zur angekündigten Besprechung ins Landratsamt, um die neuesten Erkenntnisse hinsichtlich der Ursache des Schadstoffeintrags in die Alz zu erörtern. Wichtige Grundlage hierfür war ein minutiöser Ablaufplan des Schadenshergangs, der von Vertretern der Fachbehörden auf Plausibilität abgeprüft wurde:

1. Als Resultat der intensiven Besprechungen wird festgehalten: Ausgangspunkt der Verunreinigung der Alz war ein fehlerhaftes Ableiten von verschmutztem Wasser infolge eines Brandes durch die Betreiberfirma. Ursächlich hierfür war ein fehlerhaft geöffnetes Ventil. Wie es dazu kam, wird aktuell von der beteiligten Firma wegen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen nicht angegeben. Die Erkenntnisse der beteiligten Fachstellen hierzu werden den ermittelnden Behörden zur Verfügung gestellt.

Unsere Fotos zum Fall:

Sechs Tonnen toter Fische:

Fische verenden immer noch in der Alz

Pressekonferenz nach dem Unfall:

Fischsterben in der Alz - Pressekonferenz

Der Brand im Werk:

Brand in Gendorf

2. a) Vermutlich vor dem Brandereignis bzw. vor Beginn der Löscharbeiten gelangte GENAMIN LA 302 D mit Katalysator über die Dachentwässerung in das Kühl- und Regenwassersystem. Maßgeblicher Zeitraum war zwischen 19.38 Uhr-19.43 Uhr, die freigesetzte Stoffmenge beträgt maximal 1000 kg.

Weitere Links:

b) Durch den Stoffaustritt im Produktionsbetrieb und das Tätigwerden der Werkfeuerwehr mit anschließendem Brand gelangte ein Löschwasser-Genamin-Gemisch über die Dachentwässerung in den Kühl- und Regenwasserkanal. 13 Minuten nach Brandalarmierung war der maßgebliche Schieber um 19.56 Uhr geschlossen. Ab diesem Zeitpunkt wurden keine weiteren Wässer aus dem betroffenen Kanal in die Alz geleitet, sondern vollständig im Rückhaltebecken zurückgehalten. Durch die technisch bedingte Zeitverzögerung bei der Messung und den Schließungszeitpunkt des Schiebers konnte ermittelt werden, dass für einen Zeitraum von ca. 2 Minuten Löschwasser-Genamin-Gemisch direkt in die Alz gelangte.

c) Nach Abschluss der mit dem Brand zusammenhängenden Arbeiten wurde der Kanal, von dem das Werk Gendorf annahm, dass keine GENAMIN-Rückstände darin anhaften, wieder geöffnet und der Inhalt ab 0.31 Uhr in die Alz geleitet. Somit gelangte laut Auskunft der Betreiberfirma fast neun Stunden lang kontaminiertes Wasser in die Alz. Schließzeitpunkt des Schiebers war 9.21 Uhr, nachdem Informationen über das Fischsterben bekannt wurden.

3. Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein präsentierte die neuesten Ergebnisse der Wasserbeprobungen vom 12.03.2012, die das Landesamt für Umwelt (LfU) ausgewertet hat. In der Alz war der Stoff außerhalb der Einleitungsstelle nicht mehr nachweisbar, an der Einleitungsstelle bei Flusskilometer 14,8 wurden Spuren des GENAMIN LA 302 D mit Katalysator von 0,0002-0,0003 mg/l nachgewiesen. In Beprobungen des Inns konnte der Stoff nicht nachgewiesen werden.

4. Die Menge der tatsächlich geborgenen toten Fische hat sich aktuell um weitere 500 Kilo erhöht, sodass von den Werkfeuerwehren insgesamt 6,5 Tonnen abgefischt wurden. Hierbei nicht erfasst sind die Kadaver, die sich auf dem Boden abgelagert haben, insbesondere kleinere Fische. Eine gewichtmäßige Einschätzung kann hierzu objektiv nicht abgegeben werden.

5. Mittlerweile liegen auch die Ergebnisse der Trinkwasseruntersuchungen vor. In den Brunnen der Familien, die ihr Wasser aus einem privaten Brunnen beziehen, konnte der Stoff nicht nachgewiesen werden. In den Brunnen 1 und 2 des Wasserzweckverbands Inn-Salzach konnte GENAMIN LA 302 D ebenfalls nicht nachgewiesen werden.

6. Grundwasseruntersuchungen werden derzeit an sechs verschiedenen Messstellen für einen Zeitraum von vorsorglich vier Wochen vom Wasserwirtschaftsamt Traunstein weitergeführt. Abhängig von den Ergebnissen wird dann über das weitere Vorgehen entschieden.

Pressemitteilung Landratsamt Altötting

Aus unserem Archiv: Polizei am 7. März 2012 zum Chemie-Unfall

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