"Braune Treffpunkte sind zu unterbinden"

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Halsbach - Zum wiederholten Mal haben sich am Wochenende Neonazis im ehemaligen Gasthaus Gruber versammelt. "Das muss verhindert werden," so a.i.d.a-Vorstand Buschmüller.

"Es ist äußerst gefährlich, der Kameradschaft da einen Ort einzuräumen, wo sie sich regelmäßig zusammenfinden können," warnt Markus Buschmüller, Vorstand der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.)."Struktur ist bei denen natürlich viel wert, weil es so selten funktioniert."

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Am Samstag, 28. Januar 2012, waren etwa um 15.30 Uhr erst rund 30 Neonazis in Halsbach mit zwei Autos angekommen. Abends gegen 19 Uhr sei dann ein größerer Pulk eingetroffen, so Bürgermeister Georg Pfaffinger gegenüber Innsalzach24. "Eine Nachbarin war aufmerksam und hat mich gleich informiert," sagt der Bürgermeister. "Wir haben dann sofort die Polizei alarmiert, die dann auch gekommen ist. Aber mehr als die ungebetenen Gäste zu kontrollie ren , können die auch nicht machen - das ist ja eine private Veranstaltung".

Buschmüller von a.i.d.a. weiß: "Der Gruberwirt ist bekannt als rechter Treffpunkt". Zwar sei diesmal alles ruhig verlaufen. Die Gemeinde müsse dennoch eingreifen, drängt Buschmüller. "Halsbach sollte alle Register ziehen, die sich bieten. Man kann mit der Gewerbeaufsicht kommen, mit der Frage nach den Fluchtwegen - der Fantasie sind da keine Grenzen gesetzt," so der a.i.d.a.-Vorstand. Überhaupt wundere sich Buschmüller, warum diese Nazi-Treffen im ehemaligen Gasthaus Gruber noch möglich seien. "Meines Wissens wurde dem doch eh die Lizenz entzogen."

Abwarten und die Rechtsextremen machen lassen, sei der falsche Weg, so der Experte. "Die Bürger können sich zusammentun. Da besteht wirklich Handlungsbedarf," so Buschmüller.

Rückblick: Halsbach stand in den letzten Monaten schon häufiger im Zentrum des rechten Interesses. Anfang November beispielsweise hatte ein geplantes Konzert der rechtsextremen Band "Kategorie C" den Bürgern zu schaffen gemacht  - ebenfalls in der ehemaligen Gaststätte Gruber. In letzter Minute hatte dies von der Verwaltungsgemeinschaft Kirchweidach noch verhindert werden können - der Veranstalter scheiterte an den Auflagen und konnte nicht genug Sicherheitspersonal bereitstellen. Also sagte er das Konzert kurzfristig ab.

Doch schon damals hatte es aus dem rechten Lager geheißen "Wir kommen wieder".

Bürgermeister Pfaffinger ist sehr unglücklich über den erneuten Nazi-Besuch in seiner Gemeinde. Im Gegensatz zu Markus Buschmüller sagt er aber: "Uns sind die Hände gebunden, so einfach kann man da nichts dagegen machen." Denn seit der Wirt Alois Gruber junior seine Gewerbelizenz verloren habe, könne er in seinem eigenen Haus ja einladen, wen er wolle, so Pfaffinger. "Die müssen die Veranstaltung nicht anmelden und nicht einmal die Polizei kann uns helfen."

Die Gemeinde sei alarmiert und verängstigt, so der Bürgermeister. "Wir haben ja auch schon eine Informationsveranstaltung abgehalten und überlegen, was wir tun können," berichtet Pfaffinger. "Aber momentan wissen wir nicht weiter."

Dabei sei man so froh gewesen, als der Gruberwirt 2004/2005 nach umfangreicher Renovierung wieder geöffnet hatte. "Endlich wieder ein junger Wirt in der Gemeinde! Aber das war dann schnell ein böses Erwachen, als herauskam, dass der Gruber junior in der rechten Szene beheimatet ist," erinnert sich Pfaffinger. Dass der Wirt seine Lizenz verloren hat, habe übrigens nichts mit den nationalsozialistischen Geschehnissen zu tun. "Das hat gesundheitliche Gründe", berichtet Pfaffinger. Der Bürgermeister hat wenig Hoffnung, dass solche spontanen Treffen der "ungebetenen Gäste" künftig ausbleiben. "Uns bleibt nur, abzuwarten, bis sie sich was zuschulden kommen lassen."

ds/is24

Rubriklistenbild: © dpa

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