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Mit viel Liebe und Geschmack durch den Lockdown

Wie der Burghauser „Pritzlwirt“ die Corona-Krise meistert

Johanna Olbrich vom Burghauser „Pritzlwirt“.
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 Der Glaube an ihr Konzept lässt die junge Gastronomin Johanna Olbrich den Mut nicht verlieren.

 „Pritzlwirtin“ Johanna Olbrich liebt und lebt die Gastronomie. Im Oktober 2019 hat sie das schöne Anwesen am Salzachhang bei Burghausen als Pächterin übernommen. Das Konzept schlug ein wie eine Bombe, doch bereits 6 Monate später stand der erste Lockdown vor der Tür. 

Burghausen - Maßgeschneiderte Veranstaltungen, Konzerte in ungezwungener Atmosphäre und Speisen vom Feinsten. Allein der Gedanke, lässt derzeit sehnsuchtsvolle Seufzer aus tiefstem Herzen emporwachsen. Doch nicht nur die Gäste vermissen ihr Lieblingsrestaurant, auch die Wirte wollen endlich wieder ihrer Arbeit nachgehen dürfen. Vor allem Johanna Olbrich, die sich mit viel Liebe und Geschmack, vor gut einem Jahr den Traum vom eigenen Gastronomiebetrieb erfüllt hat.

Bereits Monate vorher hatte ihr ehemaliger Chef und Vorpächter, Pim Lans, angekündigt, dass er den „Pritzlwirt“ in Burghausen an den Nagel hängen, und zurück nach Holland gehen werde. Eine Chance, die Johanna nicht ungenutzt vorbeiziehen lassen wollte. In Windeseile war der Businessplan erstellt, und bereits 6 Monate vor Eröffnung, waren die ersten Hochzeiten und Geburtstage gebucht. Das Konzept ging auf, und kurz nach der Eröffnung im Oktober 2019, wurde es schon eng mit den Reservierungen und freien Terminen.

Ausgebucht mit Weihnachtsfeiern, Hochzeiten und Geburtstagen. Hut ab, denn der „Pritzlwirt“ ist nicht gerade im Herzen von Burghausen anzufinden, sondern eher ein Geheimtipp: An der alten B20, auf Höhe Unterhadermark, fährt man direkt an ihm vorbei: Der Einfirsthof aus dem 19.Jahrhundert liegt direkt am Steilufer der Salzach. Das Baudenkmal verbirgt hinter seinen massiven Tuffsteinbrocken eine gemütliche Gaststube, und einen Garten mit Blick auf das Salzachtal.

Schöner geht’s nicht, könnte man meinen, doch die gelernte Floristik-Meisterin weiß ihr Talent für Ästhetik anzuwenden. So finden Blumen und Kräuter nicht nur in der Küche liebevolle Verwendung, auch dekorativ dürfen sie im Terrassengarten zur Geltung kommen. Stil und Liebe zum Detail finden sich auch im Mobiliar und der Ausstattung wieder. Eine Schande, dass Johanna Olbrich und ihr Team derzeit nur Takeaway bieten können. Aber sogar hier sind Verpackung, Produkt und Gestaltung ein stimmiges und harmonisches Ganzes.

„I bin halt so aufgwachsen“, antwortet Johanna auf die Frage, warum ihr Regionalität, Bioqualität und fairer Handel so wichtig sind. „Ich bin der Meinung, dass alles stimmen muss: Der Umgang mit dem Tier genauso wie der Umgang mit dem Menschen, dem Produkt, und am Ende dem Kunden.“ Alles, was beim „Pritzlwirt“ über den Ladentisch gehe, sei selbst produziert. Vom Brot, über Nudeln bis zur Soße „Unser Fleisch ist komplett Bio und regional, und ein sehr großer Teil unserer anderen Zutaten ebenso.“, so Olbrich.

Der Glaube an ihr Konzept, lässt die junge Gastronomin den Mut nicht verlieren. Sie und ihr Team halten sich gegenseitig bei Laune, auch wenn es schwer, der Frust manchmal unerträglich, und der Schlaf schlecht geworden ist.

Der erste Lockdown hat die frisch gebackene Gastronomin schwer getroffen: „Im Mai wäre es erst richtig losgegangen mit Veranstaltungen,“ erzählt sie, „und dann mussten wir schließen.“ Pacht und Nebenkosten, Personal und weitere Fixkosten mussten weiter gezahlt werden, während drei Monate ohne Einnahmen vergingen. „Im Juli haben wir den Betrieb mit einem Hygienekonzept wieder aufgenommen, doch Veranstaltungen waren nicht erlaubt, und ab Oktober blieben schon die ersten Gäste aus.“

Seit November befindet sich die Gastronomie nun schon im Lockdown. „Meine größte Sorge ist, dass wir vergessen werden“, meint Johanna Olbrich „viele Anrufer fragen zuerst, ob es uns noch gibt.“ Dankbar ist sie für die Stammkunden, die regelmäßig ihr Takeaway Angebot nutzen. „Wir bieten unsere Speisen als „Do-It-Yourself Paket“ an. Die Kunden können bestellen, abholen oder liefern lassen, und sich dann die Speisen zu Hause zubereiten.“ Vom beliebten selbstgebackenen Walnussbrot hat Johanna diese Woche kaum noch einen Laib übrig. Die meisten sind schon reserviert.

Doch mit Takeaway lassen sich keine großen Sprünge machen. „Woche für Woche muss ich schauen, wie wir rumkommen. Aber das Aufhören steht nicht zur Debatte.“ Auch wenn private Gelder, und Zuschüsse ihrer Familie in ihr Herzensprojekt fließen müssen, um es am Leben halten zu können: „Wir werden es schon schaffen, aber es wird einfach Zeit, dass wir wieder aufsperren dürfen!“

Und mit dieser Meinung ist Johanna Olbrich nicht allein. Eine Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes ergab bereits Mitte Januar, dass jeder vierte Unternehmer die Betriebsaufgabe in Erwägung zieht. 75,5 % der Gastronomen und Hoteliers würden bereits um ihre Existenz bangen, heißt es auf der Homepage des Verbandes. „Das aktuelle Hilfschaos und die kaum noch zu überbietende Komplexität müsse beseitigt werden.“ fordert Präsident der DEHOGA Guido Zöllick, und betont, dass sich die Unternehmer zunehmend von der Politik im Stich gelassen fühlen.

Es bleibt also nur das Takeaway Geschäft als Rettungsanker für so viele. Beim „Pritzlwirt“ kann man übrigens Samstags und Sonntags zwischen 12 und 18 Uhr bestellen, abholen oder sich liefern lassen. Die Speisekarte und weitere Infos hierzu, kann man auf www.pritzlwirt.de finden.

Daniela Haindl

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