mutmaßlicher Mord an Emmertingerin in Silvesternacht

Zeugin: Tochter rief "Er hat meine Mama abgestochen"

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Der mutmaßliche Mörder von Thyrnau (Mitte) muss sich ab Montag vor Gericht verantworten.
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Passau/Thyrnau/Emmerting – Seit Montagmorgen läuft vor dem Landgericht in Passau der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Thyrnau. Der heute 45-jährige Angeklagte soll früh morgens am Silvestertag 2016 seine von ihm getrennt lebende Ehefrau erstochen haben.

Update, 17.05 Uhr: Weitere Zeugen

Die Jacke, die das Opfer am Tattag trug, wird von allen Verfahrensbeteiligten am Richtertisch in Augenschein genommen ebenso wie das Tatmesser. Auf die Frage des vorsitzenden Richters identifiziert der Angeklagte dieses als das seine.

Als nächstes spricht die Nachbarin des Opfers über ihre Wahrnehmungen am fraglichen Silvestermorgen. Sie sei durch laute Schreie geweckt worden. Schließlich habe sie durch Fenster gesehen, dass hier etwas Schlimmes passiert ist und sei mit Decken und ähnlichem zum Tatort. "Er hat meine Mama abgestochen", soll eine der beiden Töchter des Opfers hysterisch geschrien haben. Das Opfer lag bereits am Boden.

Weiter spricht einer von zwei Streifenbeamten, die zuerst am Tatort waren. Eine Tochter der Angeklagten sei ihnen schon schreiend entgegengelaufen. 

"Sie hat mich angeschaut, sie hat gewimmert", zählt er über den ersten Augenschein der blutenden Frau auf. Er habe sofort gesehen, dass der medizinische Zustand des Opfers sehr schlecht war. "Die ist elendig verreckt."

Die Hauptverhandlung wurde unterbrochen. Nächster Prozesstag ist der Montag.

Update, 16 Uhr: Teilgeständnis des Angeklagten

Der Angeklagte hatte zwischenzeitlich eine Art Teilgeständnis abgegeben. Er gab zu, dass er am fraglichen Silvestermorgen 2016 das Opfer aufgesucht habe. Er habe auch das Messer mit sich geführt. Es sei zu einem Streit gekommen. Im Laufe dessen sei es dann zu einem Stich gekommen.

Update, 15.40 Uhr: Aussage des Rechtsmediziners

Mehr als eine halbe Stunde später als geplant wird die Hauptverhandlung fortgesetzt. Es spricht ein Rechtsmediziner. Der Angeklagte stand laut entsprechenden Untersuchungen zum Tatzeitpunkt offenbar nicht unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Es hätten keine Einschränkungen medizinischer Art bei ihm vorgelegen.

Rechtsmediziner beschreibt Verletzungen

Die Getötete hat eine Stichverletzung erlitten. Die Leber wurde verletzt, ebenso eine Niere. Eine größere Arterie wurde ebenfalls getroffen. So hat das Opfer stark geblutet. Das Tatmesser hat eine Klingenlänge von 24 Zentimetern. Es sei davon auszugehen, dass es ein einziger Durchstich war. Der Gutachter erklärt weiter, dass es einen größeren Kraftaufwand braucht um diesen so durchzuführen. 

Gestorben sei die Frau an dem Blutverlust. Sie habe keine Abwehrverletzungen aufgewiesen. Als mögliche Erklärung dafür zählt der Gutachter zwei Dinge auf: Die Tat passiert schnell und massiv oder das Opfer ist körperlich um vieles schwächer konstituiert als der Angreifer.

Auf Nachfrage des vorsitzenden Richters, erklärt der Gutachter, dass das Opfer nach dem letzten Notruf, wo sie verstummt und nicht mehr auf die Fragen der Zentrale antwortet, nur noch überschaubar wenige Minuten gelebt haben hätte können. Dass sie nichts mehr gesagt hat, sei der Schwere der Verletzung geschuldet.

"Wahrgenommen wie ein Schlag"

Während die Verfahrensbeteiligten am Richtertisch die Fotos der Rechtsmedizin in Augenschein nehmen, studiert der Angeklagte Unterlagen. Der Richter will wissen, wie sich so eine Stichverletzung in so einer Situation subjektiv anfühlt. "Es wird wahrgenommen als Schlag", sagt der zu den Schmerzen. 

Es folgt laut Gutachter eine schlagartige motorische Einschränkung, Kurzatmigkeit, das Gehirn wird nicht mehr ausreichend durchblutet, die Denke setzt aus. Auf die Frage, ob die Frau gewusst hat, dass sie nun sterbe, sagt der Gutachter: "Ja, sie hat gewusst, dass sie jetzt stirbt".

Update, 11 Uhr: Öffentlichkeit ausgeschlossen

Bis 14 Uhr ist die Öffentlichkeit vorerst vom Prozess ausgeschlossen. In diesem Zeitraum sagt eine von zwei minderjährigen Töchtern des Opfers aus.

Update, 10.15 Uhr: Verteidiger fordert Prozesseinstellung

Vor der Verlesung der Anklage stellt der Verteidiger den Antrag, dass die Anklageschrift nicht verlesen wird und der Prozess eingestellt. Es seien zu viele Mängel darin. Deshalb wurde die Sitzung gleich nach Beginn für 10 Minuten unterbrochen, damit der Verteidiger seinen Antrag vorbereiten und formal richtig stellen kann.

"Die Anklage enthält vorweggenommene Beweiswürdigung", erklärt der Verteidiger nach der Unterbrechung. Der Antrag wird zurückgewiesen. Die Anklageschrift wird verlesen. Währenddessen sitzt der Angeklagte konzentriert neben seinem Verteidiger. Er lässt über seinen Anwalt mitteilen, dass er vorerst von seinem Recht Gebrauch nehmen wird, keine Angaben zur Sache zu machen.

Als nächstes geht es um die Frage, ob Tonaufzeichnungen der Notrufe nach der Tat innerhalb der öffentlichen Sitzung abgespielt werden. Die Frage ist, ob diese nicht schützenswert, weil besonders intim und privat für die getötete Emmertingerin sind.

Bei den Notrufen handle es sich möglicherweise um fundamentale Beweismittel, so der Vorsitzende. Deswegen werden sie in Öffentlichkeit abgespielt. Auf einer Aufzeichnung ist das Opfer selbst zu hören. Die Frau hatte selbst bei der Polizei angerufen und die Tat gemeldet. Die Aufnahme endet mit den "Hallo"-Nachfragen des Polizisten aber das Opfer antwortet nicht mehr.

Der Vorbericht: 

Es werde eine umfangreiche Beweisaufnahme, so die Pressestelle am Landgericht in Passau. „Zur Hauptverhandlung sind vorerst 43 Zeugen und 6 Sachverständige geladen.“ Die zweite Strafkammer als Schwurgericht hat also die Anklage der Staatsanwaltschaft gegen den heute 45-jährigen mutmaßlichen Täter zur Hauptverhandlung zugelassen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten vor, in den Morgenstunden des Silvestertags 2016 mit einem angemieteten Pkw zum Anwesen seiner getrennt lebenden Frau in Thyrnau gefahren zu sein, um dieser aufzulauern und sie zu erstechen“, heißt es in der entsprechenden Pressemeldung des Landgerichts Passau

Der gelernte Metzger soll der früheren Emmertingerin einen gezielten tödlichen Stich in den Bauchraum versetzt haben, der zum Tod der Frau durch innere Blutungen geführt habe. Es handle sich um Mord, „da er heimtückisch gehandelt habe“. Weiter heißt es: „Der Angeklagte, der die Tat bestreitet, wurde am Tattag festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft.“ innsalzach24.de berichtet. 

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