Fahrkartenautomaten: "Verstehe nur Bahnhof"

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Burghausen/Altötting - Die Südostbayerbahn will Bahnkunden im Umgang mit den neuen, komplizierten Fahrkartenautomaten schulen. Sinnvoll und nötig? Wir haben uns umgehört.

"Ich kauf' meine Fahrkarten lieber im Reisecenter, mit den Automaten hatte ich noch nie was am Hut!", so die klare Aussage einer älteren Dame, die ich am Bahnsteig in Burghausen getroffen habe. Ich frage sie, was sie denn tut, wenn das Reisecenter geschlossen ist. "Ha, ich kauf' mir meine Karte halt immer nur, wenn es geöffnet ist", so ihre erneut klare Aussage.

Der Touchscreen mit virtueller Tastatur zur Auswahl des Zielbahnhofs.

Eine ähnliche Reaktion bekomme ich bei einem älteren Herren, den ich dabei erwische, wie er sich eine Fahrkarte am Automaten ausdrucken lassen will. Ich frage ihn, ob er öfter Bahn fährt und ob ihm die neuen Fahrkartenautomaten gefallen. "Also ich hatte ja früher schon so meine Probleme. Die Schrift ist für ältere mit schlechten Augen schwer zu lesen. Aber jetzt, mit diesen Tasten auf dem Bildschirm, das ist vielleicht eher was für die jüngere, technikaffine Generation." Ich helfe dem Herren daraufhin, eine Fahrkarte auszudrucken.

Meine nächsten Opfer: eine Gruppe Jugendliche, die gerade aus einer eintreffenden Bahn aussteigen. Ich frage sie, ob sie mit den Fahrkartenautomaten gut zurecht kommen. "Joa, geht so," antwortet zuerst ein junger Mann, "die Dinger nerven schon, vor allem, wenn man's eilig hat. Du kannst ja alles Mögliche einstellen und auswählen, dabei will man doch einfach nur 'ne Fahrkarte, oder?" Ein Mädel ergänzt: "Zurecht komm' ich schon damit, aber wenn's eng ist, fahr' ich auch mal schwarz."

Die riesige Palette an Auswahlmöglichkeiten überfordert so manchen Reisenden.

Die Schulungen der Südostbayernbahn für die neuen Automaten fanden alle sinnvoll. Allerdings mit dem Unterschied, dass die Älteren eine hohes Interesse daran hatten, teilzunehmen. Die jüngeren Befragten reagierten eher so: "Is was für Rentner, mir is' das eher egal."

Die neuen Automaten - ein Überblick

Die Fahrkartenautomaten gibt es seit Anfang der 1980er - damals in Betrieb genommen von der Deutschen Reichsbahn in der DDR. Sie sollten die Fahrkartenschalter nur ergänzen. Seit 2010 gibt es eine ganz neue Generation der Automaten. Die kommen mit einem technisch modernen Touchscreen daher und laufen mit "Windows Embedded", einer Minimalversion von WindowsXP. Insgesamt 150 Millionen Euro hat die Deutsche Bahn in die neue Automatengeneration investiert.  

Ein großes Problem bei den neuen Automaten: die Parallaxe. Bedeutet: Je nach Winkel, in dem man auf den Bildschirm blickt, ändert sich die Position der virtuellen Tasten. Steht man zu weit links, recht, zu tief oder zu hoch, hat man also seine liebe Mühe, die richtige Taste zu treffen. Es gilt also zuerst einmal, die richtige Standposition vor dem Automaten zu finden - was wohl viele Reisende abschreckt.

Die Kurse der Südostbayernbahn

Klaus Rotter, Fahrkartenautomaten-Beauftragter der Südostbayernbahn, informiert mich über die Schulungen: "Es wird einen theoretischen und einen praktischen Teil geben. Zuerst einmal wird berichtet, welche Möglichkeiten der Reisende überhaupt an den Automaten hat. Es wird Informationen über die Angebotspalette und die Grundfunktionen der Geräte geben. Anschließend haben wir die Software vor Ort und jeder kann sich, in Ruhe und ohne Zeitdruck, ausprobieren. Wir hoffen, dass wir so den Reisenden die Scheu vor den Fahrkartenautomaten nehmen können!"

Wer öfter mal mit den Bahn unterwegs ist und Interesse bekommen hat, sich im Umgang mit den "mysteriösen" Automaten schulen zu lassen: Informationen zu den Kursen gibt's bei der Südostbayernbahn unter 08631/609231.

ds

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