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Kilian Maier im Interview mit innsalzach24.de

Neuer Jusos-Vorstand aus dem Raum Altötting: „Mehring ist mein Ruhepol“

Kilian Maier
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Kilian Maier aus Mehring.

Mehring - Kilian Maier heißt der neue Vorsitzende der bayerischen Jusos. Im Gespräch mit innsalzach24.de verrät der 28-Jährige, warum es ihn immer wieder in seine Heimatgemeinde im Kreis Altötting zieht und welche politischen Ziele er in den kommenden Monaten erreichen möchte.

Herr Maier, schön, dass Sie sich für uns Zeit nehmen. Sie wurden auf der Landeskonferenz im Mai zum neuen Vorsitzenden der Jusos gewählt. Herzlichen Glückwunsch an dieser Stelle. Was bedeutet dieser Posten für Sie? 

Vielen Dank. Es ist eine wahnsinnige Ehre für mich, das Amt anzutreten und ich habe richtig Lust, die Belange vor allem auch der jungen Leute in den Fokus zu stellen. Die aktuelle Politik in Bayern scheint mir derzeit gegen die Jugend gerichtet, die jungen Bürger werden nicht gehört. Gerade das Thema Bildung ist für mich essentiell und die Coronakrise hat uns gezeigt, wo es überall hakt.

Sie treten die Nachfolge von Anna Tanzer (24) an, die zur Wahl nicht mehr zur Verfügung stand: Was konnten Sie sich von Ihrer Vorgängerin abschauen und worauf setzen sie nun den Fokus? 

Von Anna kann ich mir sehr viel abschauen, sie hat den Verband die vergangenen Jahre gut geführt. Wir haben immer eng zusammengearbeitet und sie hat mir einiges mitgegeben für mein neues Amt. Mein Ziel ist es, mich auf die bevorstehende Landtagswahl 2023 zu konzentrieren. Primär möchte ich mich konsequent für die Belange der jungen Leute in unserem Land einsetzen und jene Themen angehen, die ihnen unter den Nägeln brennen.

Welche Themen brennen denn den jungen Leuten denn unter den Nägeln?

In erster Linie ist da das Thema Bildung essentiell. Der Übertritt in der vierten Klasse muss fallen, das würde den Kids mehr Möglichkeiten geben, sich besser zu entfalten und länger in einer Klassengemeinschaft zu agieren. Ab der dritten Klasse schon büffeln zu müssen für den Übertritt ins Gymnasium - das kann es nicht sein. So funktioniert keine Bildung.

Der zweite Aspekt ist die Mobilität. Das Neun-Euro-Ticket begrüße ich sehr. Aber ich frage mich: Was kommt danach? Was spricht dagegen, ein kostenfreies Schüler-, Azubi- und Studententickets einzuführen? Warum sollten die jungen Leute den ÖPNV nicht umsonst nutzen dürfen?

Das dritte große Thema ist Wohnen. Sowohl in der Stadt als auch auf dem Land blicken wir mit Sorge auf die Immobilienpreisentwicklung. Das beginnt vor der Haustür: In Altötting geht es noch einigermaßen, Burghausen ist schon hart an der Grenze und auch in Mühldorf explodieren wegen der Nähe zur Autobahn die Preise. Hier müssen wir dringend gegenwirken. Es darf nicht alles luxussaniert werden. Auch hier müssen die jungen Leute unterstützt werden, es gibt Azubis oder Studenten, die ausziehen und auf eigenen Füßen stehen möchten - daher wollen wir Wohnmöglichkeiten schaffen, staatlich, kommunal und vor allem bezahlbar. Wo es Studentenwohnheime gibt, was spricht gegen Azubiwohnheime? Ich bin richtig heiß darauf das jetzt alles anzugehen.

Die Immobilienpreisentwicklung vor der Haustür zu beobachten bedeutet für Sie in Mehring im Landkreis Altötting: Was verbinden Sie mit Ihrer Heimatgemeinde?

Mehring ist der Ort, an dem ich aufgewachsen bin und an dem ich die längste Zeit bislang verbracht habe. Auch wenn ich inzwischen in München wohne und arbeite, komme ich immer wieder gerne heim. Mehring ist mein Ruhepol, dort sind meine Familie und viele Freunde und ich bin wahnsinnig gerne hier.

Ihr Amt ist zeitaufwendig, zumal Sie kein Berufspolitiker sind: Wie lässt sich das mit Ihrer Arbeit und der Freizeit vereinbaren? 

Glücklicherweise habe ich einen guten Freundeskreis, der schon lange mitgeht in meiner Karriere und ich kann jederzeit auf ein Bier bei allen vorbeischauen. Dennoch wird das Ehrenamt in der Politik unterschätzt, denn Zeit für Freunde und Familie bleibt wenig. Ich arbeite deshalb auch nur noch auf 80 Prozent. Wir haben einen wunderbaren Landesverband mit 6500 Mitgliedern und sind jedes Wochenende mit den jungen Leuten unterwegs - da vermischt sich Freizeit mit Verpflichtung. Viele kommen schon als Freunde zu den Jusos oder man lernt stetig neue kennen - bei mir war das ja nicht anders. Es ist erfrischend, Erfahrungen von ganz jungen 16-Jährigen mit denen von über 30-Jährigen zu mischen. Wir sind ein bunter Haufen.

Gibt es einen Lieblingsplatz in Mehring, der für Sie eine besondere Bedeutung hat?

Ein besonderer Platz ist für mich ein schönes Bankerl am Waldrand, auf dem ich schon mit meinem Großvater gesessen bin. Dort kann ich besonders gut Kraft tanken - genauso wie an Orten, an denen man schon als Kind gespielt hat. Und in Kreis Altötting startete schließlich auch meine politische Karriere.

Demnach waren Sie schon früh politisch aktiv?

Das stimmt, bereits in der Schule fing ich an, mich für Politik zu interessieren. Wir hatten einen sehr guten Sozialkundelehrer, der das verkörpert hat, was wir Jusos gerne in der Bildung umsetzen wollen: Nicht das starre Schulsystem mit Leistungsbewertung sondern gezielt Interessen der Schüler fördern. Eines Tages blieb ich bei einem Wahlplakat der Jusos hängen und war dabei, als sie sich vor etwa acht Jahren neu gegründet haben im Landkreis. 2015 hatten wir mit der Flüchtlingswelle auch im Raum Altötting sowohl politisch als auch solidarisch alle Hände voll zu tun. Hier hatten wir auch mit Widerstand aus der rechten Szene zu kämpfen und setzten klare Statements gegen krakeelende Nazis und verschiedene Bündnisse wie die AfD, die versuchen, die Leute aufzuhetzen.

Wie wappnen Sie sich gegen so manch kritische Stimmen?

Wir Jusos sind bekannt dafür, als kritische Stimme auf allen Ebenen aufzutreten - sowohl in der Partei als auch in der Gesellschaft. Da kommt es natürlich zu Gegenwind. Kritik ist gerechtfertigt, solange sie nicht beleidigend ist. Grenzen werden überschritten, wenn Aussagen menschenverachtend, Wahlplakate beschädigt oder Bilder von Personen auf Höhe des Halses aufgeschlitzt werden. Persönliche Drohungen bringen wir knallhart zur Anzeige. Im ersten Moment lässt sowas keinen kalt und man darf das auch nicht unterschätzen. Wir aber haben einen tollen Jusos-Verband, in dem sich die Mitglieder gegenseitig unterstützen.

Wir leben in turbulenten weltwirtschaftlichen Zeiten: Inwiefern nehmen die kriegspolitischen Ereignisse in Europa Einfluss auf Ihre Aufgaben im neuen Amt?

Für mich und die Jusos steht fest: Wir stehen solidarisch zur Ukraine und zu allen Menschen, die dort unter dem Krieg leiden, ihr Land verteidigen und somit die Demokratie hoch halten. Daher ist für uns der Blankoscheck von 100 Milliarden für die Aufrüstung der Bundeswehr nicht tragbar und wir werden unsere Bundestagsabgeordneten auffordern, nicht zuzustimmen.

Apropos Berlin: Inwiefern stehen Sie in Kontakt mit bundesweiten Fraktionsmitgliedern?

Wir haben mehrere Bundestagsabgeordnete im Jusos-Alter, darunter Carmen Wegge, Andreas Mehltretter und Jan Plobner, mit denen wir eine komfortable Situation des Austausches haben und die in Berlin jungsozialistische Ideen vertreten.

Ihre Vorgänger (Kevin Kühnert, Lars Klingbeil) wurden damals SPD-Generalsekretäre - könnte der Jusos-Vorsitz möglicherweise auch für Sie ein Sprungbrett in der SPD werden?

Meine Gedanken und Kraft stecke ich in die Vertretung der Interessen junger Leute in Bayern und die Umsetzung der Ziele - das ist alles, worum sich mein politisches Engagement dreht. Was danach kommt, darüber gibt es weder Pläne noch Gedanken. Die Jusos stark in die Landtagswahl zu führen ist mein vorrangiges Belangen. Wir wollen in Bayern unsere Ziele in den Bereichen Bildung, Mobilität und Wohnen ins Parlament bekommen.

Die SPD hat bei den jüngsten Landtagswahlen - zuletzt in NRW - eine deutliche Niederlage einstecken müssen: Wie bewerten Sie das für Ihre Partei?

Ich glaube, für uns Jusos bedeuten diese Niederlagen ganz klar, dass wir unsere Themen festzurren und damit auch werben. Was die Menschen gerade bewegt sind die Preissteigerungen, gegen die wir vorgehen möchten. Wir fordern die Mutterpartei auf, sich diesem Problem konkret anzunehmen, damit die Leute am Ende des Tages noch etwas im Geldbeutel übrig bleibt und sie sich ein paar schöne Dinge leisten können.

Abschließend ein Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter für die Jusos?

Als Erstes stemmen wir uns gegen das 100-Milliarden-Paket für die Bundeswehr. Ansonsten werben wir für unsere eigenen Kampagne und dafür, dass vor allem Frauen bei uns politisch aktiv werden. Wer Bock hat, sich bei den Jusos zu engagieren, ist herzlich eingeladen.

Herr Maier, herzlichen Dank für das Interview.

mb