100 Jahre Frauenwahlrecht in Bayern

Noch immer in vielen Bereichen benachteiligt

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Mehring. – Anlässlich des 100 jährigen Jubiläums, des Frauenwahlrechts in Bayern, wurden beim Frauenempfang von Günther Knoblauch im Gasthaus Schwarz unter anderem die noch immer vorhandenen Ungleichbehandlung zwischen Männern und Frauen heiß diskutiert.

Erst seit 1977 sind Frauen nicht mehr gesetzlich zur Haushaltsführung verpflichtet und dürfen ohne Einverständnis des Ehemanns erwerbstätig sein, erst seit 1969 gelten Kinder unverheirateter Paare als verwandt mit ihrem Vater, 1953 wurde der Gehorsamsparagraf abgeschafft und seit genau 100 Jahren dürfen Frauen wählen – aus heutiger Sicht wirkt all das skurril. Aber es war ein hartes Stück Arbeit, die heutige selbstverständliche Gleichberechtigung der Frauen zu erkämpfen. Das betonte Ruth Müller, frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion beim Frauenempfang, zu dem der Heimatabgeordnete Günther Knoblauch ins Gasthaus Schwarz in Mehring eingeladen hatte. „Heute haben Frauen und Männer zwar die gleichen Rechte“, betonte Knoblauch, „aber das müssen wir auch leben“. So seien Frauen in der Praxis in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie, bei der Bezahlung im Job und vielem mehr noch immer im Nachteil.

So habe sich die SPD in den letzten Jahren sehr für die bessere Finanzierung der Frauenhäuser und Familienberatungsstellen eingesetzt, auf langes Drängen hin, sind die Mittel im Haushalt des Freistaates endlich aufgestockt worden. Auch für die Mitarbeiterin eines Landratsamtes, die 11 Jahre mit befristeten Verträgen einen Kollegen vertrat, bevor sie mit über 50 Jahren keinen Vertrag mehr erhielt, konnte er erreichen, dass das betroffene Amt vom Ministerium beauftragt wurde, eine Lösung für die Mitarbeiterin zu finden.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie...

„Sozialdemokraten haben sich immer für Frauenrechte, Gleichberechtigung und Chancengleichheit eingesetzt“, so Ruth Müller. So war es der Sozialdemokrat Kurt Eisner der bei seiner Ausrufung des Freistaates Bayern am 8. November 1918 das Frauenwahlrecht in Bayern einführte. Am 12. Januar 1919 durften Frauen dann zum ersten Mal in ganz Deutschland an die Wahlurnen. Trotz aller Errungenschaften der Frauenbewegung in den letzten 100 Jahren hinke Bayern wie Deutschland vor allem bei Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Vergleich zu anderen europäischen Ländern aber noch immer weit hinterher, so Müller. In Schweden beispielsweise sei es üblich auch in Führungspositionen, dem Recht auf Privatheit nachzukommen und um 17 Uhr nach Hause zu gehen.

Dort sei die Elternzeit gedrittelt, ein Drittel nimmt verpflichtend die Frau, ein Drittel der Mann und ein Drittel sei frei wählbar. Dadurch sei das Risiko, dass ein Mann aufgrund von Familienzeit einige Zeit ausfalle für Unternehmen genauso hoch, wie bei Frauen. „Vor allem bei familienfreundlicher Arbeitskultur muss sich bei uns das Denken ändern“, betonte sie, dafür müsse der Staat mit gutem Beispiel vorangehen.

Das Engagement muss vorhanden sein

Dafür brauche es aber auch Frauen, die bereit sind, sich in der Politik zu engagieren. Noch immer seien Frauen in Parlamenten, sei es in Stadt- und Gemeinderäten oder im Land- und Bundestag unterrepräsentiert. Im Altöttinger Kreistag sind gerade einmal 25 Prozent Frauen, in den Gemeinderäten im Landkreis im Schnitt 21 Prozent. Im Bundestag sind 31 Prozent Frauen, im Landtag 28 – von den 101 CSU-Abgeordneten seien gerade einmal 21 Frauen, von den 42 SPD-Abgeordneten immerhin 19. Wenn Frauen sich nicht engagieren, können sie auch ihre Sichtweise nicht einbringen. Nur so können Frauen verhindern, dass durch die geringere Bezahlung für gleiche Arbeit auch im Alter die Rente nicht zum Leben reicht oder die Ganztagesbetreuung nach dem Kindergarten endet.

Rollenklischees schaden Allen

In der anschließenden Diskussion hatten die anwesenden Frauen – und auch einige Männer – die Gelegenheit Anregungen einzubringen und Fragen zu stellen. So versprach Ruth Müller auf Anregung von Christa Seemann, 2. Bürgermeisterin aus Burghausen, sich für die Verkürzung der Vorpraktikumszeit für Erzieher auf ein Jahr einzusetzen sowie für die Vereinheitlichung der Regelungen bei der Ganztagesbetreuung.

Die Frauenquote sei sicherlich hilfreich um Führungspositionen mit Frauen zu besetzen, betonte Müller auf Nachfrage von Bezirkstagskandidat Ludwig Spirkl. Gemeinsam mit Landtagskandidat Kilian Maier stimmte sie darin überein, dass Rollenklischees beiden schaden, jungen Frauen wie Männern. Die Mütterrente müsste steuerfinanziert werden, statt über Rentenpunkte, dann könnte sie für alle Generationen gleich ausfallen.

Pressemitteilung des Abgeordnetenbüros Günther Knoblauch, MdL

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