Bislang noch keine Corona-Förderung erhalten

Lohnt sich der Lieferservice für die Gastro? „Das ist sehr schwierig“

Sandra Schwarz musste ihren Gasthof in Hohenwart schließen und bietet derzeit nur Lieferservice an.
+
Sandra Schwarz musste ihren Gasthof in Hohenwart schließen und bietet derzeit nur Lieferservice an. Damit versucht sie die Kosten zu decken, aber auch ihre Mitarbeiter sollen dadurch mehr Gehalt bekommen.

Mehring/Hohenwart - Die Restaurants mussten bundesweit aufgrund des November-Lockdowns schließen. Nun wurde die Schließung von Gastronomie-Betrieben bis 20. Dezember ausgeweitet. innsalzach24.de hat mit der Geschäftsführerin des Gasthofs Schwarz in Hohenwart über den Nutzen eines Lieferdienstes gesprochen und einen Ausblick auf die Zukunft gewagt.

„Wir sind eigentlich ganz zufrieden. Unter der Woche ist es zwar etwas ruhiger, am Wochenende wird es aber sehr gut angenommen – egal ob Lieferservice oder Selbstabholer“, so Sandra Schwarz gegenüber innsalzach24.de. Man sei froh, dass sie von der lokalen Bevölkerung Loyalität und Unterstützung erfahren.


Lohnt sich der Lieferservice für die Gastro? „Das ist sehr schwierig, aber wir haben eine soziale Verantwortung“

Aber lohnt es sich auch finanziell? „Ziel ist auf alle Fälle Kostendeckung. Aber das ist sehr schwierig. Es ist schon ein großer Unterschied, ob man nur Essen verkauft oder eben auch Getränke. Das ändert den Umsatz total bei nahezu gleichbleibenden Fixkosten“, erklärt die Wirtin. Dennoch sieht sich der Familienbetrieb aber auch in einer sozialen Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern. „Jede Stunde Arbeit stockt ihren Lohn etwas auf“, schildert Schwarz. Alle ihrer 17 Festangestellten Mitarbeiter sind nämlich derzeit in Kurzarbeit und bekommen 60 Prozent ihres Nettolohns. Jede geleistete Stunde bessert dies auf. Es stehen nicht nur die Existenzen der Gastronomie-Betriebe auf dem Spiel, sondern eben auch viele private.


Auch das Angebot ist natürlich nicht mehr so breit wie unter normalen Betrieb, um den Wareneinsatz klein zu halten. „Wir versuchen Abwechslung rein zu bekommen. Alle paar Tage gibt es neue Gerichte. Lieber frisch und eine kleinere Auswahl als es wegwerfen zu müssen“, so de Devise. Auch bei der Verpackung legt der Gasthof großen Wert auf Nachhaltigkeit. Seit über einem Jahr, also bereits vor dem ersten Lockdown, verwenden sie kompostierbare Verpackungen.

Restaurants bleiben bis 20. Dezember zu: „Normal unser umsatzstärkster Monat“

Dass sich die Schließung der Restaurants noch auf den Dezember ausweitet, sei für sie keine Überraschung gewesen. „Seit einer Woche war uns das klar. Bis zum 20. Dezember ist es aber schon sehr lang. Offen ist dann auch, ob wir danach normal öffnen dürfen“, so die Gastronomin.

Der Dezember ist normalerweise der umsatzstärkste Monat. Zwar hätten sie bisher immer am 24. und 25. Dezember geschlossen, aber der zweite Weihnachtsfeiertag ist immer sehr gut besucht. „Wenn dies wegbrechen sollte, wäre es schon erschütternd. Zumal ja auch die ganzen Weihnachtsfeiern ausfallen mussten“, erklärt die Geschäftsführerin.

Höhe der staatlichen Förderungen entscheidend

Wie lange es noch auf Sparflamme weitergehen kann? Ein entscheidender Punkt für die Zukunft vieler Betriebe sei für sie die Höhe der finanziellen Entschädigungen durch die Regierung. „Alle wegen des Lockdowns geschlossenen Betriebe bekommen derzeit 75 Prozent des Umsatzes vom November 2019. Allerdings ist bislang noch kein einziger Euro angekommen, da es erst seit kurzem beantragt werden kann“, berichtet Schwarz. Wie dies für den Dezember aussieht, sei bislang noch nicht klar.

Generell sei dieses Jahr nicht einfach. Im Sommer haben sie eigentlich immer viele Hochzeitsfeiern. „Es wurden viele verschoben. Es fanden nur vier statt, normalerweise sind es zwischen 15 und 20. Auch im kommenden Jahr sind die ersten Feierlichkeiten im Frühling bereits verschoben worden“, so die Wirtin. Der Umsatz hierfür fehlt einfach und kommt auch nicht mehr rein. Viele wollen natürlich im Sommer heiraten, da gibt es viele Überschneidungen.

Schwarz: „Mit Sicherheit die größte wirtschaftliche Krise in unserer Branche seit der Nachkriegszeit“

In der ländlichen Region sei es aber generell einfacher. „In der Stadt hat man kleine Räumlichkeiten, aber dafür eine hohe Pacht. Da haben wir es vergleichsweise besser“, erläutert die Gastronomin. Die finanziellen Hilfen müssten zumindest die Fixkosten decken. Investitionen wie größere Sanierungen fallen derzeit natürlich aber flach. „Es ist mit Sicherheit die größte wirtschaftliche Krise in unserer Branche seit der Nachkriegszeit“, ist sich Schwarz sicher.

Positiv für den Gasthof Schwarz ist, dass wenigstens die 28 Hotelzimmer anders als im Frühjahr auch gebucht werden:„Für Geschäftsreisende haben wir geöffnet. Im April war aber beispielsweise gar nichts los. Man merkt schon, dass sich in der regionalen Wirtschaft etwas tut. Das ist natürlich ganz gut.“

Hoffnung auf ein Stück Normalität

Für die Zukunft hofft sie, dass sich viele Menschen an die Regeln halten, damit sich weniger infizieren. Auch ein Impfstoff könnte helfen, um die Situation besser in den Griff zu bekommen: „Corona wird zwar nicht weg sein, aber vielleicht wird dadurch das Leben wieder ein Stück normaler.“

Eine Regelung von zehn Personen am Tisch wäre für die nahe Zukunft schön. Denn sie befürchtet sowieso, dass private Feiern derzeit trotzdem noch stattfinden. In der Gastronomie wäre das mit dem Hygienekonzept viel geregelter. „Corona wird uns den ganzen Winter begleiten, aber ich hoffe nicht, dass wir uns von einem Lockdown zum nächsten kämpfen“, so Schwarz abschließend.

jz

Kommentare