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Pakete mit Rollator den Berg hinauf

„Das ist allerhand!“ – Marktler Senioren scheitern an unbezwingbarem Weg zur Post

Es ist ein weiter weg zur Filiale der Deutschen Post in Marktl.
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Um die Post in Marktl zu erreichen, brauchen manche Senioren einen ganzen Vormittag.

Ein Auto haben sie nicht mehr, und mit dem Fahrrad ist es ihnen zu gefährlich: Es gibt Senioren in Marktl, die gern ihre Pakete und Briefe noch selbst zur Post bringen würden. Inzwischen ist der Weg aber unbezwingbar geworden.

Marktl – Pakete und Lieferdienste sind für viele Menschen eine Lebensnotwendigkeit. Aber nicht nur für Empfänger ist die Erreichbarkeit von Postfilialen wichtig, sondern auch die Sender. Gerade zu Weihnachten verschicken viele Rentner Briefe, Karten oder Pakete an ihre Familien – zum Teil auch ins Ausland. In Marktl ist das jetzt zu einer unbezwingbaren Herausforderung für viele Senioren geworden.

Seit September befindet sich die Postfiliale nämlich nicht mehr in einem zentralen Lebensmittelmarkt, sondern außerhalb des Ortes im Gewerbegebiet. Um dieses zu erreichen muss von Zentrum aus zwei Mal der Zubringer zur A94 und der Inn überquert werden. Ist man gut zu Fuß ist nach 8 Minuten ein Berg am Ortsausgang erreicht, der vor allem im Winter schwer begehbar ist. Weitere 8 Minuten und man steht im Gewerbegebiet. Ganz hinten links und etwas versteckt findet man dort das gelbe Postfilialen-Zeichen.

Ganzer Vormittag für den Weg zur Post

„Ältere Leute brauchen einen ganzen Vormittag für die Strecke, sagt eine 81-jährige Marktlerin. „Und der Berg ist mit Rollator sehr, sehr schwierig“, berichtet sie weiter. Die Seniorin spricht nicht nur für sich allein, sondern hört die Beschwerden von vielen Seiten. „Vor allem ältere Leute sind da nicht ganz einverstanden“, so die Dame. Es seien nicht nur die Pakete, sondern auch, dass man bei dickeren Briefen und Sendungen ins Ausland den Preis ja nicht immer kenne. Dem Postboten mitgeben: Das ginge dann nicht, der könnte nicht abwiegen und habe auch keine Marken dabei.

Postfiliale im Tourismus-Zentrum?

Die Senioren hatten zusammen die Idee, dass die Gemeinde der Deutschen Post Platz im Tourismus-Zentrum anbieten könne. Dort gebe es genügend Platz. „Ich glaube die Gemeinde war da zu langsam, und hat zu spät reagiert“, sagt die Marktlerin. Bürgermeister Benedikt Dittmann sagt: „Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn die Post zentrumsnah geblieben wäre. Doch die Deutsche Post sucht ihre Vertragspartner selbst aus. Und die wollte halt nicht dorthin, wo andere Paketdienste untergebracht sind. Außerdem war mancher Laden auch zu klein. Im Zentrum wurden alle Läden abgeklopft: nichts hat geklappt.“

Im Lebensmittelmarkt „personell nicht mehr darstellbar“

Josef Lechertshuber ist Geschäftsführer des Edeka in Marktl, wo früher die Filiale untergebracht war. Auf die Frage, warum die Zusammenarbeit mit der Post eingestellt wurde, antwortet er: „Es ist personell nicht mehr darstellbar. Der Aufwand, der durch die Post verursacht wird, kann nicht mehr durch unser Personal abgedeckt werden. Die Kräfte müssten außerdem häufig zu Schulungen und das lässt sich schwer organisieren.“ Was sagt die Deutsche Post nun zur Sache? Das Unternehmen nahm in einer umfangreichen Antwort Stellung:

„Wir sind natürlich daran interessiert, eine Filiale anzubieten, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist. Hierfür wird jedoch auch ein geeigneter Partner benötigt. Trotz intensiver Akquise konnten wir im Ortskern keinen Partner finden. Unser neuer Vertragspartner Autogalerie Seidel GmbH ist sehr engagiert und bietet sehr gute Öffnungszeiten (Mo-Fr: 09:00-12:00/ 13:00-18:00 Uhr, Samstag: 09:00-12:00 Uhr) für die Marktler Postkunden an. Darüber hinaus ist in 50 Meter Entfernung auch ein Supermarkt für die Verbindung der Postgeschäfte mit dem täglichen Lebensmitteleinkauf vorhanden.“

Deutsche Post DHL Group

Bestellworkshop für Senioren?

Die Post verweist auf ihr Onlineangebot: „Kunden können online oder in der Post & DHL App eine Paketmarke kaufen und ihrem Zusteller das frankierte Paket direkt z.B. im Rahmen der Zustellung mitgeben“ Könnte das eine Lösung des Problems sein? Ein Anleitungs-Workshop für Senioren zur Benutzung des Onlineangebots wäre vermutlich hilfreich und für manchen auch nötig.

Gerald Seidel, Geschäftsführer der Autogalerie Seidel, wo die neue Filiale jetzt untergebracht ist sagt: „Die Stimmen gingen natürlich sehr auseinander und vielen Kunden wäre es im Ort lieber gewesen. Manche finden es aber auch sehr praktisch, dass die Post jetzt mit dem Auto so gut erreichbar ist.“ Von einem Bus ins Gewerbegebiet wusste allerdings weder Seidel noch die Rentnerin. Eine Bushaltestelle am Gewerbegebiet gibt es, doch laut den Fahrplänen gehen die Pendlerbusse nur am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Darauf können die Senioren also nicht bauen.

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